Balladen

Suchen:

> Übersicht
> Neuste Einträge
> Am häufigsten aufgerufen

Kategorien:
> Achim von Armin
> Adelbert von Chamisso
> Adolf Böttger
> Adolf Friedrich von Schack
> Alfred Meißner
> Anastasius Grün
> Andreas Gryphius
> Annette von Droste-Hülshoff
> Arno Holz
> Arthur Fitger
> August Friedrich Langbein
> August Kopisch
> August Trinius
> Carl Spitteler
> Christian Friedrich Daniel Schubart
> Christian Graf zu Stollberg
> Christian Morgenstern
> Clemens Brentano
> Conrad Ferdinand Meyer
> Detlev von Liliencron
> Eduard Mörike
> Emanuel Geibel
> Ernst Moritz Arndt
> Felix Dahn
> Ferdinand Freiligrath
> Frank Wedekind
> Franz Cornelius Honcamp
> Franz Graf von Pocci
> Franz Kugler
> Friedrich Hebbel
> Friedrich Leopold Graf zu Stollberg
> Friedrich R�ckert
> Friedrich Rückert
> Friedrich von Schiller
> Friedrich Wilhelm Gotter
> Georg Heym
> Georg Trakl
> Gottfried August B�rger
> Gottfried August Bürger
> Gottfried Keller
> Gustav Falke
> Gustav Schwab
> Heinrich Heine
> Hugo Freiherr von Blomberg
> Hugo von Hofmannsthal
> Joachim Ringelnatz
> Johann August Apel
> Johann Gabriel Seidl
> Johann Gottfried von Herder
> Johann Ludwig Uhland
> Johann Wolfgang von Goethe
> Joseph Freiherr von Eichendorff
> Joseph Freiherr von Zedlitz
> Julius Mosen
> Julius Sturm
> Justinus Christian Andreas Kerner
> Karl August Candidus
> Karl Egon Ritter von Ebert
> Karl Kraus
> Karl Simrock
> Kaspar Friedrich Lossius
> Ludwig Christoph Heinrich H�lty
> Ludwig Christoph Heinrich Hölty
> Ludwig Eichrodt
> Ludwig I., König von Bayern
> Ludwig Tieck
> Ludwig Uhland
> Moritaten
> Moritz Graf von Strachwitz
> Nikolaus Lenau
> Novalis
> Otto Ernst
> Otto Julius Bierbaum
> Otto Ludwig
> Paul Heyse
> Prinz Emil von Schönaich-Carolath
> Richard Dehmel
> Rudolf von Gottschall
> Stefan George
> Theodor Fontane
> Theodor Storm
> Volksballaden
> Wilhelm Brandes
> Wilhelm Busch
> Wilhelm Hauff
> Wilhelm Müller
> Willibald Alexis
> Wolfgang Müller von Königswinter

 
  Der Glockenguss zu Breslau
  von Wilhelm Müller (1794 - 1827) War einst ein Glockengießer zu Breslau in der Stadt, ein ehrenwerter Meister, gewandt in Rat und Tat. Er hatte schon gegossen viel Glocken, gelb und weiß, für Kirchen und Kapellen, zu Gottes Lob und Preis. Und seine Glocken klangen so voll, so hell, so rein; er goss auch Lieb und Glauben mit in die Form hinein. Doch aller Glocken Krone, die er gegossen hat, das ist die Sünderglocke zu Breslau in der Stadt. Im Magdalenenturme da hängt das Meisterstück, rief schon manch starres Herze zu seinem Gott zurück. Wie hat der gute Meister so treu das Werk bedacht! Wie hat er seine Hände gerührt bei Tag und Nacht! Und als die Stunde kommen, dass alles fertig war, die Form ist eingemauert, die Speise gut und gar. Da ruft er seinen Buben zur Feuerwacht herein: "Ich lass auf kurze Weile beim Kessel dich allein, Will mich mit einem Trunke noch stärken zu dem Guss, das gibt der zähen Speise erst einen vollen Fluss; Doch hüte Dich und rühre den Hahn mir nimmer an, sonst wär es um dein Leben, Fürwitziger, getan!" Der Bube steht am Kessel, schaut in die Glut hinein: das wogt und wallt und wirbelt und will entfesselt sein. Und zischt ihm in die Ohren und zuckt ihm durch den Sinn und zieht an allen Fingern ihn nach dem Hahne hin. Er fühlt ihn in den Händen, er hat ihn umgedreht; da wird ihm angst und bange, er weiß nicht, was er tät. Und läuft hinaus zum Meister, die Schuld ihm zu gestehn, will seine Knie umfassen und ihn um Gnade flehn; Doch wie der nur vernommen des Knaben erstes Wort, da reißt die kluge Rechte der jähe Zorn ihm fort. Er stößt sein scharfes Messer dem Buben in die Brust, dann stürzt er nach dem Kessel, sein selber nicht bewusst. Vielleicht, dass er noch retten, den Strom noch hemmen kann: - doch sieh, der Guss ist fertig, es fehlt kein Tropfen dran. Da eilt er abzuräumen, und sieht, und will's nicht sehn, ganz ohne Fleck und Makel die Glocke vor sich stehn. Der Knabe liegt am Boden, er schaut sein Werk nicht mehr: ach Meister, wilder Meister, du stießest gar zu sehr! Er stellt sich dem Gerichte, er klagt sich selber an. Es tut den Richtern wehe wohl um den wackern Mann; Doch kann ihn keiner retten, und Blut will wieder Blut. Er hört sein Todesurteil mit ungebeugtem Mut. Und als der Tag gekommen, dass man ihn führt hinaus, da wird ihm angeboten der letzte Gnadenschmaus. "Ich dank euch", spricht der Meister, "ihr Herren lieb und wert; doch eine andre Gnade mein Herz von euch begehrt: Lasst mich nur einmal hören der neuen Glocke Klang! Ich hab' sie ja bereitet, möcht wissen, ob's gelang." Die Bitte ward gewähret, sie schien den Herrn gering; die Glocke ward geläutet, als er zu Tode ging. Der Meister hört sie klingen, so voll, so hell, so rein! Die Augen gehn ihm über, es muss vor Freude sein. Und seine Blicke leuchten, als wären sie verklärt; er hat in ihrem Klange wohl mehr als Klang gehört. Hat auch geneigt den Nacken zum Streich voll Zuversicht; und was der Tod versprochen, das bricht das Leben nicht. Das ist der Glocken Krone, die er gegossen hat, die Magdalenenglocke zu Breslau in der Stadt. Die ward zur Sünderglocke seit jenem Tag geweiht; weiß nicht, ob's anders worden in dieser neuen Zeit.


 
   
     
   
     
      © by Nora Runge - Alle Rechte vorbehalten