Bräuche & Lieder

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  Klingsohrs Weinlied
  von Novalis (1772 - 1801) Auf grünen Bergen wird geboren Der Gott, der uns den Himmel bringt; Die Sonne hat ihn sich erkoren, Daß sie mit Flammen ihn durchdringt. Er wird im Lenz mit Lust empfangen, Der zarte Schoß quillt still empor, Und wenn des Herbstes Früchte prangen Springt auch das goldne Kind hervor. Sie legen ihn in enge Wiegen Ins unterirdische Geschoß; Er träumt von Festen und von Siegen Und baut sich manches luft'ge Schloß. Es nahe keiner seiner Kammer, Wenn er sich ungeduldig drängt Und jedes Band und jede Klammer Mit jugendlichen Kräften sprengt. Denn unsichtbare Wächter stellen, So lang er träumt, sich um ihn her; Und wer betritt die heil'gen Schwellen, Den trifft ihr luftumwundner Speer. Sowie die Schwingen sich entfalten, Läßt er die lichten Augen sehn, Läßt ruhig seine Priester schalten Und kommt heraus, wenn sie ihm flehn. Aus seiner Wiege dunklem Schoße Erscheint er im Kristallgewand; Verchwiegner Eintracht volle Rose Trägt er bedeutend in der Hand. Und überall um ihn versammeln Sich seine Jünger hocherfreut, Und tausend frohe Zunge stammeln Ihm ihre Lieb' und Dankbarkeit. Er spritzt in ungezählten Strahlen Sein innres Leben in die Welt, Die Liebe nippt aus seinen Schalen Und bleibt ihm ewig zugesellt. Er nahm als Geist der goldnen Zeiten Von jeher sich des Dichters an, Der immer seine Lieblichkeiten In trunknen Lieder aufgetan. Er gab ihm seine Treu zu ehren, Ein Recht auf jeden hübschen Mund, Und daß es keine darf ihm wehren, Macht Gott durch ihn es allen kund.


 
   
     
   
     
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