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  Der Bremer Ratskeller


  Der Bremer Ratskeller ist eine traditionelle Gaststätte im Keller des Bremer Rathauses. Seit seiner Erbauung im Jahre 1405 werden dort deutsche Weine gelagert und verkauft. Mit seinem über 600-jährigen Bestehen ist der Bremer Ratskeller der älteste Weinkeller Deutschlands, darüber hinaus lagert hier der älteste Fasswein Deutschlands, ein Rüdesheimer Wein aus dem Jahre 1653. Geschichte Seit 1330 besaß der Bremer Rat das Privileg zum Ausschank von Weißwein in der Stadt, das erst 1815 stillschweigend erloschen ist. Laut einem Schriftstück aus dem Jahre 1342 wurde sogar ein Ausschankverbot erlassen, damit nicht „irgendein Bürger Wein laufen lassen, sondern nur der Ratmann“, sprich der vom Rat gewählte Weinherr. Hierzu wurde ein „Stadtweinkeller“ eingerichtet, in dem alle Händler und Gastwirte ihre Weine lagern mussten. Damit sollten die Preise und die Einnahmen der Steuern überwacht werden. Nach dem Bau des Alten Rathauses im Jahre 1405 wurde der Ausschank in dessen Kellerräume verlegt. Ursprünglich konnte man hier nur zwischen zwei Weinen aus der Region Rheinhessen wählen: dem Gemeinen und dem Besseren. 1550 wurde der Ratskeller um den Apostelkeller und das Senatszimmer erweitert, 1599 um den Rosekeller. Die zahlreichen gemütlichen Kammern, in denen sich noch heutzutage Gruppen ab drei Personen hinter Holztüren den Blicken der anderen Gäste entziehen können, entstanden um 1600 und wurden mit kleinen Öfen beheizt. Im Jahr 1620 wurden die späteren Bacchus- und Hauffkeller als Weinlager gebaut. 1805 plünderten französische Soldaten einen Teil der Bestände des Ratskellers. Nach dem 2. Weltkrieg taten dies amerikanische, die die Räume als Offizierskasino nutzten, bevor der reguläre Gastbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Heutzutage ist der gesamte Ratskeller im Besitz der Bremer Ratskeller GmbH, einer 100%igen Tochter der Stadt Bremen. Mit rund 650 Sorten verfügt der Ratskeller über das weltweit größte Sortiment ausschließlich deutscher Weine, insgesamt werden sogar rund 1.200 verschiedenen Spirituosen angeboten. Der gastronomische Bereich des Ratskellers wird in Pacht vom Bremer Hotel zur Post betrieben. Die Kellerräume Der gesamte Komplex ist über 5.000 m2 groß und erstreckt sich unter Alten und Neuen Rathaus, Liebfrauenkirchhof und Domshof. Große Halle Größe: 300 m2 Dieses dreischiffige, von 20 Säulen getragen Gewölbe, das auch als „Historische Halle“ bekannt ist, stellt das Fundament des 1405 gebauten Alten Rathauses dar und ist somit der älteste Teil des Ratskeller. An der Nordseite der Halle befinden sich vier große Zierfässer aus dem 18. Jahrhundert die mit aufwendigen Schnitzereien versehen sind. Das größte von ihnen stammt aus dem Jahr 1737 und hat ein Fassungsvermögen von 37.000 Flaschen. Aus Qualitätsgründen wird hier heutzutage jedoch kein Wein mehr gelagert. An der Südseite (zum Marktplatz hin) befinden sich sechs 1599 eingerichtete „Priölken“ (Plattdeutsch für Laube oder kleines freundliches Zimmer): holzvertäfelte, halbrunde Séparées für 4 bis 5 Personen. Ursprünglich wurden die Priölken von Kaufleuten genutzt, um mit ihren heimgekehrten Kapitänen ungestört über Verträge und Geschäfte zu sprechen. Aus Anstandsgründen dürfen die Türen zu diesen Kammern traditionsgemäß erst geschlossen werden, wenn mehr als drei Personen am Tisch darin sitzen. Vor dem Bacchus Größe: 80 m2 Zunächst war dieser Bereich nur ein schmaler Gang, der von der Großen Halle in den Bacchuskeller führt. 1847 wurde er zur Erweiterung der Große Halle ausgebaut. Hier befindet sich das in eine Wand eingelassene so genannte „Katzenfass“, sowie ein Gemälde mit einer Darstellung des Bremer Rolands. Hauffsaal Größe: 109 m2 Ursprünglich als Weinlager angelegt, wurde dieser Raum im 19. Jahrhundert zu Ehren des Schriftstellers Wilhelm Hauff benannt, der nach einem Besuch des Bremer Ratskellers im Jahre 1826 seine bekannte Novelle „Phantasien im Bremer Ratskeller – ein Herbstgeschenk für Freunde des Weines“ verfasste. „Man steigt vom Keller einige Stufen aufwärts zum kleinen Kellerlein, zum unterirdischen Himmelsgewölbe, zum Sitz der Seligkeit, wo die Zwölfe hausen. Was seid ihr, Trauergewölbe und Grüfte alter Königshäuser, gegen diese Katakomben! […] Da liegen sie in ihren dunkelbraunen Särgen, schmucklos, ohne Glanz und Flitter. Kein Marmor rühmt ihr stilles Verdienst, ihre anspruchslose Tugend, ihren vortrefflichen Charakter; aber welcher Mann von einigem Gefühl für Tugenden dieser Art fühlt sich nicht innig bewegt, wenn der alte Ratsdiener, dieser Aufwärter in den Katakomben, dieser Küster der unterirdischen Kirche, die Kerzen auf die Särge stellt, wenn dann das Licht auf die erhabenen Namen der großen Toten fällt! Wie regierende Häupter führen auch sie keine langen Titel und Zunamen; einfach und groß stehen die Namen auf ihren braunen Särgen geschrieben. Dort Andreas, hier Johannes, in jener Ecke Judas, in dieser Petrus. Wen rührt es nicht, wenn er dann hört: dort liegt der Edle von Nierenstein, geboren 1718, hier der von Rüdesheim, geboren 1726. Rechts Paulus, links Jakob, der gute Jakob!“ – Wilhelm Hauff: Phantasien im Bremer Ratskeller (Auszug), 1826 1927 sind die Wände des Saals in Anlehnung an dieses Werk mit vier großformatigen Bildern in Freskomalerei von Max Slevogt verziert worden. Der Haufsaal ist auch als „Echosaal“ oder „Flüstersaal“ bekannt, da angeblich Gespräche, die auf der einen Seite flüsternd geführt werden, auf der anderen Seite des Raumes deutlich vernommen werden können, ohne dass die in der Mitte sitzenden etwas davon verstehen. Apostel- und Rosekeller Größe (zusammen): ca. 80 m2 Der Apostelkeller verdankt seinen Namen den zwölf Eichenfässern, die hier lagern, je sechs zu beiden Längsseiten des Gewölbes. Die Fässer mit einer Kapazität von 1.200 l enthalten Rheinweine aus dem 18. Jahrhundert. Der Name des Rosekellers leitet sich hingegen von der früher üblichen Bezeichnung Rose für einen besonders hochwertigen Wein ab. An der Stirnseite des Kellers befindet sich das „Rosefass“ in dem der berühmte Rüdesheimer Wein von 1653 lagert. „Das ist die Rose der Rosen, Je älter sie wird, je lieblicher blüht sie, Und ihr himmlischer Duft, er hat mich beseligt, Er hat mich begeistert, er hat mich berauscht, und hielt mich nicht fest, am Schopfe fest, Der Ratskellermeister von Bremen, Ich wäre gepurzelt!“ – Heinrich Heine: Buch der Lieder, Die Nordsee, Zweiter Zyklus, Im Hafen (Auszug), 1825–1826 An der Decke über dem Rosefass befindet sich das Bild einer Rose aus dem Jahre 1602. Da dieser Kammer einst von den Ratsherren für vertrauliche Besprechungen genutzt wurde (bis 1807 durfte man den Apostel- und Rosekeller sogar nur in Begleitung eines Ratsherren betreten), bürgerte sich die Redewendung „sub rosa“ (lat. für unter der Rose) für eine Unterredung ein, über die Stillschweigen gewahrt wird. . Die in diesen beiden Kammern gelagerten, sehr alten Weine sind allesamt noch trinkbar und erinnern im Geschmack an Sherry, wie auch schon der Geruch in diesen Kellerräumen. Die Weine stehen natürlich nicht zum Verkauf und nur der Kellermeister persönlich sowie der amtierende Bürgermeister sind befugt, den 1653 Rüdesheimer zu verkosten. Senats- und Kaiserzimmer Größe (zusammen): 80 m2 Ursprünglich waren diese beide Räume dem Empfang von Gästen des Senats vorbehalten, heute werden sie vom Restaurant „L’Orchidée“ genutzt. Das Senatszimmer ziert ein Rokoko-Ofen, der die Bremer Stadtmusikanten darstellt, und an der Kopfseite des Kaiserzimmer, in dem von 1890 bis 1914 Kaiser Wilhelm II. einmal im Jahr zum Frühschoppen zu Gast war, findet sich ein Gemälde von Arthur Fitger aus dem Jahre 1875. Bacchuskeller Größe: 306 m2 1620 als Weinlager gebaut, wurde dieses große, von zwölf Säulen getragene Gewölbe einst nur in den letzten Oktobertagen, wenn der Bremer Freimarkt gefeiert wird, zusätzlich für den Ausschank genutzt. Als das Lager 1926 in neue Kellerräume verlegt wurde, baute man das Gewölbe zum Gastraum aus. An der Stirnseite des Gewölbes steht das Fass mit der Bacchusfigur aus der Barockzeit, dem der Saal seinen Namen verdankt. Zur rechten und linken davon befinden zwei große Priölken für je 10 bis 12 Personen, die „Meeskenkiste“ (Plattdeutsch für Meisenkasten) und das „Uhlenlock“ (Plattdeutsch für Eulenloch). Die Wände des Bacchuskellers sind mit Bildern des Malers Karl Dannemann ausgeschmückt. Heutzutage finden im Bacchuskeller mehrmals im Jahr die Weinproben des Ratskellers statt. Zunftstube und alte Schatzkammer Größe (zusammen): 73 m2 Die Zunftstube, die sich rechts hinter dem Bacchuskeller anschließt war – wie der Name bereits vermuten lässt – ursprünglich den Bremer Zünften vorbehalten. In der Schatzkammer links hinter dem Bacchuskeller hingegen lagerten früher die wertvollsten Weine. Lager und neue Schatzkammer In den weit verzweigten Lagerkellern, die sich nördlich an die alten Gewölbe anschließen, werden 4 m unter der Erde hervorragende Flaschenweine aller Jahrgänge aufbewahrt, der älteste davon aus dem Jahre 1727. Insgesamt hat das Lager eine Kapazität von 500.000 Flaschen. Der Fasskeller hingegen, mit einem Gesamtfassungvermögen von einer halben Million Liter, wird heutzutage nicht mehr genutzt. Die besonders wertvollen Weine, allein 150 verschiedene Trockenbeerenauslesen lagern in der sogenannten „Schatzkammer“ mit einer Kapazität von 36.000 Flaschen. Die Schatzkammer darf nur in Begleitung des Kellermeister betreten werden. Seiner Aufgabe obliegt es auch, die Weine aller 13 deutschen Anbaugebiete auszuwählen, die jedes Jahr neu eingelagert werden. Berühmte Gäste des Ratskellers Johannes Brahms Fürst Bismarck Max Bruch Hoffmann von Fallersleben Arthur Fitger Theodor Fontane Nikolai Gogol Wilhelm Hauff Gerhart Hauptmann Heinrich Heine Graf Moltke Richard Strauss Richard Wagner Karl Maria von Weber Kaiser Wilhelm I. Kaiser Wilhelm II. Quelle für Text und Foto: Wikipedia


 
   
     
   
     
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