Bremisches

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  Der Bremer Dom


  Der St.-Petri-Dom in Bremen ist ein überwiegend aus Sandstein gestalteter zunächst romanischer, dann gotischer Kirchenbau, der vom 11. bis zum 13. Jahrhundert errichtet wurde. Im 14. Jahrhundert wurde der Dom um seitliche Kapellen erweitert. Im späten 16. Jahrhundert erfolgte eine Umgestaltung der Nordseite in eine spätgotische Hallenkirche. Architektur- und Kirchengeschichte Mittelalter Im Jahre 789 gründete der englische Missionar Willehad das Bistum Bremen und weihte noch im selben Jahr als erster Bischof der neuen Diözese den Dom als Kirche des Bistums. Dieser war ein Holzbau und befand sich auf dem höchsten Punkt der Weserdüne, an welcher um 782 die Stadt Bremen entstand. Der Dom wurde jedoch bereits 792, nur drei Jahre nach seiner Fertigstellung, im Zuge der Sachsenkriege niedergebrannt und zerstört. Es existieren keinerlei Überreste mehr von ihm. Nachdem es für dreizehn Jahre weder einen Bischof (Willehad war 789 gestorben) noch einen Dom in Bremen gab, begann man ab 805 unter der Leitung des neuen Bischofs Willerich mit der Errichtung eines Nachfolgebaus aus Stein. Reste dieses Bauwerks konnten im Mittelschiff des heutigen Doms entdeckt werden und ermöglichen eine Erfassung der ungefähren schlichten Gestalt dieses zweiten Bremer Doms, in welchem von 845 bis 865 auch der berühmte Ansgar residierte, welcher Bischof von Bremen und Erzbischof von Hamburg in Personalunion war. Man vermutet, dass der Dom ab etwa 860 eine dreischiffige Hallenkirche war. In den ersten Jahren der Amtszeit von Bischof Adalbrand (1035 bis 1043) begann der Umbau zum geplanten salischen Dom, welcher der Kernzelle des heutigen Baukörpers entspricht. Noch vor der Vollendung fiel das Gotteshaus jedoch – wie auch der Großteil der übrigen Stadtbebauung – im Jahre 1041 der Feuersbrunst des Bremer Brandes zum Opfer. Die Flammen beschädigten auch Teile der Dombibliothek irreperabel. Dieses Ereignis ist auch als der erste Dombrand bekannt. Zwar ordnete Adalbrand den sofortigen Wiederaufbau an, doch auf Grund des hohen Grades der Zerstörung fiel der größte Teil der Bauzeit in die Amtszeit von Adalbrands Nachfolger Adalbert (1043 bis 1072). Dieser, einer der bedeutendsten Herrscher jener Epoche, orientierte sich bei seinen Vorgaben zum Um- beziehungsweise Wiederaufbau unter anderem am Architekturstil des Vorgängers des heutigen Kölner Doms, des sogenannten Alten Doms. Neuere Untersuchnungen und Forschungen konnten Übereinstimmungen in vielen Punkten und eine ähnliche Bauweise belegen. Des Weiteren war Adalbert, der mehrere Jahre in Italien verbracht hatte, von der mediterranen Kultur sehr angetan und nahm auch die Kathedrale der kampanischen Stadt Benevent zum Vorbild. Zudem ordnete er an, für die Arbeiten am Bremer Dom lombardische Handwerker einzusetzen, was zu Unmut und Unverständnis in der Bremischen Handwerkerschaft führte. Adalbert war bestrebt, den Dom noch in seiner Amtszeit zu vollenden – was ihm letztendlich auch gelingen sollte – und trieb dessen Bau deshalb mit wenig Rücksicht auf die Interessen der Stadt voran. So ließ er beispielsweise die Stadtmauer in Teilen niederreißen, um Baumaterial zu gewinnen. Das so ungeschützte Bremen konnte im Jahre 1064 von den Sachsen geplündert werden. Der neugebaute Bremer Dom war eine flachgedeckte Basilika mit zwei Chören. Den östlichen weihte man Maria und den westlichen dem Apostel Simon Petrus. Die Kirche besaß über ihrer Westfassade vermutlich zwei Türme sowie im Inneren zwei von den italienischen Steinmetzen ausgearbeitete Krypten, welche bis heute erhalten sind. Die westliche Krypta wurde 1066 geweiht, so dass man davon ausgeht, dass etwa in dieser Zeit auch der gesamte Bauprozess der Vollendung zulief. Unter Adalberts Nachfolger Liemar (1072 bis 1101) wurden weitere, wenn auch im Vergleich zum vollständigen Kirchenneubau geringfügige Umbauten vorgenommen. Allerdings kam es während seiner Amtszeit auch zum zweiten Dombrand. Im Anschluss gelang es, das Gotteshaus relativ schnell wiederaufzubauen, da die Zerstörungen nicht die Ausmaße von 1041 aufwiesen. Während der Amtsperiode Gebhards II. (1219 bis 1258) kam es zu einigen wichtigen Veränderungen, sowohl aus architektonischer wie auch aus religiöser Sicht. Zunächst bestätigte Papst Honorius III. im Jahre 1224 das Doppelbistum mit Sitz in Bremen endgültig. Das heißt, dass Bremen nun Erzbischofssitz war und Hamburg keinen eigenen Bischof mehr hatte. Das Domkapitel Hamburgs blieb aber mit besonderen Rechten ausgestattet bestehen. Der Bremer Dom war seither Metropolitankathedrale. Unmittelbar darauf begannen umfangreiche Umbauten der Kirche, welche deutlich durch Vorbilder aus der rheinischen Region beeinflusst wurden. Die Flachdecke des Mittelschiffes wurde durch ein sechsteiliges Rippengewölbe ersetzt, also eingewölbt beziehungsweise überformt, und dem Langhaus wurde eine Doppelturmfassade mit Rosette vorgeblendet. Durch diese Maßnahme nahmen die zuvor sehr niedrigen Türme langsam Gestalt an. Die Seitenschiffe sowie Ost- und Westchor erhielten eine Gestaltung, die Bezüge zu anderen Kirchenbauten im Herrschaftsbereich der Verwandten von Erzbischof Gebhard II. herstellten. Im 14. Jahrhundert ruhte der Weiterbau des Doms etwas, trotzdem erfolgte die Errichtung einer Kapelle an der Südseite der Kirche sowie einer Doppelkapelle an der Nordseite des Ostchores. Im Jahre 1346 erhöhte man den Nordturm. Er erhielt einen gotischen Helm. Der Dom gab in dieser Zeit seine Kirchspielfunktion an die nahe Liebfrauenkirche und seine Pfarrdienste an die nur wenig südlich gelegene St.-Wilhadi-Kirche ab. Er diente somit nicht mehr für wöchentliche Messen, sondern – als Hauptkirche der Stadt – vorwiegend für besondere Anlässe, Feste und Feiern, derer es jedoch sehr viele gab. In den Jahren 1497 bis 1511, der Amtszeit des Erzbischofs Johann III. Rode von Wale, erfolgte die Umgestaltung des Doms (hauptsächlich des Langhauses) zu einer hochgotischen Hallenkirche mit Netzgewölben. Als Vorbild für die Gestaltung diente der Veitsdom in Prag. Vermutlich war Entsprechendes auch mit dem südlichen Seitenschiff geplant, wurde aber nie ausgeführt. Im Zuge dieser Baumaßnahmen gliederte man 1500 dem Südschiff Seitenkapellen an. Das nördliche Seitenschiff war nicht für einen Umbau zur Halle geeignet und wurde aus diesem Grunde ab 1502 vollständig neu erbaut, um es passend in die Kirche eingliedern zu können. Der Bauabschnitt konnte bis 1522 beendet werden. Ein weiterer Ausbau wurde durch die einsetzende Reformation in Bremen verhindert. Erzbischof Rode beauftragte 1511 ein Messbuch, die Missale secundum ritum ecclesie Bremense, das den nur in der Diözese Bremen gültigen Ritus für die Heilige Messe beschreibt. Es gehört zu den wertvollsten Büchern des Dom-Museums. Reformation und Zeit des Verfalls Am 9. November 1522 hielt der vertriebene Augustinermönch Heinrich von Zütphen in Bremen die erste reformatorische Predigt in einer Kapelle der St.-Ansgarii-Kirche. Daraufhin trugen die Domherren eine Beschwerde beim Erzbischof Christoph von Braunschweig-Lüneburg vor. Dieser forderte die Auslieferung von Zütphens, stieß allerdings beim Stadtrat und der Bürgerschaft auf Widerstand. Zur Klärung des Falls wurden eine Ständeversammlung und eine Provinzialsynode einberufen, welche allerdings ohne Erfolg blieben. Im Zuge der reformationsfreundlichen Haltung der Stadtoberen sahen sich die drei Kloster Bremens (Paulskloster, Johanniskloster und Katharinenkloster) gezwungen, zu schließen. Ab 1524 wurden neben den katholischen Priestern auch evangelische Prediger an den Pfarrkirchen eingesetzt und wenig später durften in diesen gar keine Messen mehr gelesen werden. 1534 wurde eine durch Luther genehmigte Kirchenordnung eingeführt. Bereits 1532 war der Dom geschlossen worden, da die Reformation beim Domkapitel nach Meinung der führenden Reformatoren nicht schnell genug ablief und am Palmsonntag der Dom von einer radikalen Bürgergruppe, den sogenannten 104 Männern, in Besitz genommen wurde[1]. Diese Schließung wurde 1547, nach 15 Jahren, wieder aufgehoben, als der reformierte Feldprediger Albert Rizäus Hardenberg zum neuen Domprediger ernannt wurde. Seine Ernennung hatte verschiedene Streitigkeiten zwischen Lutheranern und Anhängern Melanchthons zur Folge. Schließlich verwies man Hardenberg am 18. Februar 1561 der Stadt. Daraufhin wurde der Dom zum zweiten Mal innerhalb von 29 Jahren geschlossen. Hardenberg wurde jedoch von der Mehrheit der Bürger, dem Bürgermeister sowie einigen Ratsmitgliedern unterstützt. Zwar wollte die Ratsmehrheit gegen diese vorgehen, doch eine Bürgerbewegung verteidigte sie im Januar 1562. Dies führte dazu, dass zahlreiche Gegner Hardenbergs die Stadt verließen. Mit den religiös motivierten Konflikten in Bremen beschäftigten sich Kreistage des Erzbistums, das Reichskammergericht sowie die Hanse, der Bremen damals als Hansestadt angehörte. Letztere beschloss 1563 sogar die Verhansung Bremens, also den Ausschluss der Stadt aus der Kaufmannsvereinigung (1576 wurde Bremen wieder in die Hanse aufgenommen). Ab 1566 wurden vom Bremer Domkapitel lutherische Administratoren anstelle von Erzbischöfen gewählt. Diese hatten jedoch nahezu die gleichen Aufgaben inne. Die Streitigkeiten konnten erst im Februar 1568 gelöst werden und die Mehrzahl der Hardenberg-Gegner kehrte zurück. Mittlerweile hatte sich der reformierte Glaube in Bremen durchgesetzt, was die Stadt von ihrem noch weiterhin katholisch geprägten Umland isolierte. Der Dom gehörte in dieser Zeit zum Erzstift Bremen und nicht zur Stadt. 1581 schloss sich Bremen der Genfer Reformation an. Vierzehn Jahre später erhielt die Stadt eine neue Kirchenordnung nach der deutsch-reformierten Form (Consensus Bremensis) und um 1600 wurde der Heidelberger Katechismus eingeführt. Am 27. Januar 1638 kollabierte der baufällige niedrigere Südturm des Domes, der noch immer keinen hohen, spitzen Helm sondern nur einen fast unscheinbaren Dachansatz besaß, und begrub dabei zwei an ihn angelehnte kleine Häuser unter sich. Bei diesem Unglück starben acht Menschen. Der Ratsschreiber Metje, der im Augenblick des Einsturzes aus dem Rathaus auf den Marktplatz trat, beschrieb das Ereignis später mit den Worten: „Und wie ich aus der Tür komme, da höre ich doch ein Poltern und Brechen, als ob einer tausend Holzstangen auf einmal durchbricht. Da gucke ich gleich zum Turm hoch, und ich denke, mir bleibt das herz stehen! Ein langer Riss von oben bis unten, und wie ich da noch hinsehe, wird der immer breiter und breiter, und das Dach verschwindet im Turm – ja, und dann brechen auch schon die Mauern herunter! Ein Krach war das, ich dachte, der ganze Dom bricht zusammen!“ [2] Trotz der teilweisen Zerstörung öffnete der Dom wenig später auf Veranlassung des lutherischen Administrators beziehungsweise Erzbischofs Friedrich III. Prinz von Dänemark nach 77 Jahren erstmalig als Parochialkirche wieder seine Pforten für Gläubige und erhielt noch im gleichen Jahr am 11. November eine Diakonie. 1648 wurde das Erzbistum Bremen säkularisiert und ging als Herzogtum Bremen an Schweden. Nur acht Jahre später kam es zu einem weiteren Unglück: Am 4. Februar 1656 brannte der Nordturm nach einem Blitzeinschlag zusammen mit dem Dach des Mittelschiffes im dritten Dombrand nieder. Der Südturm war zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder aufgebaut. Der Nordturm erhielt nach seinem raschen Wiederaufbau ein flaches Notdach, das jenem ähnelte, welches der Südturm bis zu seinem Einsturz trug. 1715 übertrug Schweden die Rechte am Bremer Dom an das kur-hannoversche Konsistorium in Stade. Unter dessen Herrschaft erhielt der Nordturm 1767 ein Kupferblechdach – eine sogenannte Welsche Haube. Die Haube ersetzte das seit dem 111 Jahre zurückliegenden Brand auf dem Turm befindliche Notdach, wurde von der Bremer Bevölkerung allerdings mehrheitlich als unpassend für den Turm angesehen. Neuzeit Gemäß dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 fiel das Domgebiet der Stadt Bremen zu und wurde eingegliedert. Die Stadt versuchte vergeblich, die Domgemeinde zu zerschlagen und erkannte letztendlich 1830 die neue Verfassung der Gemeinde an. Lange Jahre bestand seitens der Stadt weder der Wunsch noch der Wille nach einer Restauration des baufälligen Gotteshauses, sodass es sein Erscheinungsbild mit dem Nordturm mit Welscher Haube und dem halb zusammengebrochenen Südturm nahezu das ganze 19. Jahrhundert beibehielt. Erst in den 1880er Jahren entwickelte man Pläne für einen radikalen Um- beziehungsweise Neubau des Doms, welcher dann, getragen von der Bremischen Bürgerschaft, ab 1888 nach Ideen des Dombaumeisters Max Salzmann realisiert wurde. Man beabsichtigte, den mittelalterlichen Zustand wiederherzustellen, überarbeitete den Dom aber schließlich doch entsprechend den zeitgenössischen Vorstellungen im neuromanischen Stil mit Verweisen auf Kirchenbauten in der deutschen Hauptstadt Berlin. Während dieser Bauphase ergänzte man am Bremer Dom unter anderem das Brautportal an der Nordseite und den Vierungsturm. Die markanteste Änderung betraf jedoch die Westfassade. Sie erhielt ihre heutige Form und zudem zwei gleich große, das Kirchenschiff deutlich überragende Türme mit hohen spitzen Turmhelmen. Im Innenraum des Kirchenschiffs erneuerte man die Wandbemalungen. Der Grundstein für den Südturm wurde 1889 gelegt und nur vier Jahre später waren beide Türme vollendet. Die gesamte Restaurierung konnte 1901 abgeschlossen werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Dom 1943 während eines Luftangriffs der Alliierten von Brandbomben getroffen. Die Schäden hielten sich zunächst in Grenzen; lediglich die Scheiben des Südschiffes gingen zu Bruch. Im darauffolgenden Kriegsjahr erlitt die Kirche weitere Bombentreffer. Im März des Jahres 1945 explodierte an der Nordseite des Doms eine Sprengbombe. Infolgedessen stürzten große Teile des Gewölbes ein. Das gesamte Gebäude galt als einsturzgefährdet. Einige Trümmersteine dieses Angriffs liegen noch immer als Mahnmal im Dom. Bereits unmittelbar nach Beendigung des Krieges begann 1946 die Restaurierung des Dachstuhls des Nordschiffes; bis 1950 war das zerstörte Gewölbe wiederhergestellt. Den damals zerstörten Bereich kann man heute daran erkennen, dass das Kupfer des Kirchenschiffdaches an der restaurierten Einschlagsstelle der Bombe noch keine Patina besitzt. Von 1973 bis 1984 fanden unter der Leitung des Landesarchäologen umfangreiche archäologische Grabungen im und am Dom statt (1973 im Mittel- und im Südschiff, 1979 im Nordschiff, 1983 in der Ostkrypta und 1984 im Bleikeller). Bei diesen Untersuchungen fand man die Grundmauern der Vorgängerbauten, mehrere Gräber von ehemaligen Erzbischöfen und gewann Erkenntnisse zur Baugeschichte. Die Mehrzahl der gemachten Funde lagert heute im Dommuseum und im Focke-Museum. Zusätzlich zu den Grabungen fanden Instandhaltungsarbeiten statt, die sowohl Schäden an Fundamenten und Mauern beheben als auch die innere Ausstattung gegenüber den Veränderungen des 19. Jahrhunderts an den Zustand im Mittelalter annähern sollten. Architektur Heute weist der Bremer Dom einen typischen kreuzförmigen Grundriss auf und besitzt über der Vierung, dem Kreuzungspunkt des Querschiffes mit dem Hauptschiff, einen Vierungsturm. Zudem existieren zwei Seitenschiffe (ein nördliches sowie ein südliches), zwei Hallenkrypten und Chöre. Das äußere Erscheinungsbild des Kirchenbaus ist relativ schlicht gehalten und am neuromanischen Architekturstil orientiert. Die beiden eisernen Haupttore des Gotteshauses an den Basen der Haupttürme sind mit jeweils 22 auf Rechtecken angeordneten biblischen Szenen geschmückt. Nicht so bedeutend aber ungleich imposanter ist das Brautportal an der Nordseite des Nordschiffes. Es ermöglicht den Eintritt in das Seitenschiff und wurde im Zuge der Restaurierung von 1888 als Ersatz für ein altes Rundbogentor errichtet. Wie der Name sagt, ziehen durch dieses Tor Brautpaare in die Kirche ein. Besonders sehenswert ist auch der sich gut in die schlichte Architektur des Doms einfügende Bibelgarten in einem Innenhof des ehemaligen Kreuzgangs zwischen dem Südschiff und dem Konzerthaus Glocke. Dieser 37 Meter mal 13 Meter messende Freiraum wurde 1998 bepflanzt. Er beherbergt neben 60 verschiedenen Pflanzenarten, die alle in der Bibel erwähnt werden, auch traditionelle Gewächse aus Klostergärten. Der Garten wird von den Bibelgärtnern gepflegt und ist der Öffentlichkeit zugänglich. Einmal im Monat werden Führungen angeboten. Im Garten befinden sich einige Bänke, die zum Verweilen im Grünen einladen sollen. Auf der zentralen Rasenfläche steht eine kleine Statue von Jakobus dem Älteren mit der den Jakobsweg kennzeichnenden Muschel auf dem Sockel. Haupttürme Die zwei Haupttürme des Bremer Domes sind quadratisch angelegt und weisen bei einer Basisseitenlänge von jeweils elf Metern ohne Wetterfahnen eine Höhe von 99 Metern auf. Ihren Abschluss finden sie in Kupferhelmen, welche mittlerweile von Patina überzogen sind. Die Domtürme sind die höchsten Kirchtürme in der Stadt Bremen und die einzigen mit einer Aussichtsplattform. Diese befindet sich unter dem Dachansatz des Südturms, also in etwa 68 Metern Höhe. Zu erreichen ist sie über 265 Steinstufen. Der Nordturm ist normalerweise für die Öffentlichkeit gesperrt und wird nur zu besonderen Anlässen (beispielsweise am Tag des offenen Denkmals) geöffnet. Der Nordturm besitzt eine Turmuhr. Diese wird seit 1961 elektromechanisch betrieben. Das entsprechende Uhrwerk fertigte die Turmuhrenmanufaktur Eduard Korfhage & Söhne mit Hauptsitz in Melle-Buer. Dank eines Gewichtes ist die Bremer Domturmuhr in der Lage, sich nach einem Stromausfall automatisch auf die richtige Zeit einzustellen. Zu Beginn eines Stromausfalls setzt auch das Uhrwerk aus und ein Gewicht läuft ab. Die Länge der Strecke, die dieses zurücklegt, entspricht der Dauer des Stromausfalls. Nach dessen Ende wird das Gewicht wieder eingezogen und die Uhr entsprechend gestellt. Das Domuhrwerk muss einmal im Monat gewartet werden. Ausstattung Einer der bekanntesten Ausstattungsgegenstände des Bremer Doms ist das Taufbecken. Das Becken wird von drei auf Löwen reitenden Männern getragen und verfügt über zwei umlaufende Friese mit kleinen Rundbögen, in denen Heilige dargestellt sind. Es wurde um 1229 von einem Glockengießer hergestellt und befand sich zunächst im Westchor der Kirche. Danach erlebte es zahlreiche Umsetzungen. So stand es seit dem 16. Jahrhundert auf einem dreistufigen Podest nördlich des Eingang. Ab 1641 hing über ihm an Ketten ein von Andreas von Mandelsloh im Stile des Barock geschnitzter Holzdeckel. Ab 1811 befand es sich in der ersten Kapelle vor dem Chor. Nach der Umgestaltung der Westkrypta zur Taufkapelle wurde es im Jahre 1958 dorthin versetzt. Die Kanzel war 1638, nachdem der Dom wieder für Gottesdienste geöffnet worden war, ein Geschenk der schwedischen Königin Christina an die Stadt Bremen. Sie wurde im Rokoko-Stil von Georg Kriebel entworfen und besaß anfangs eine bunte Einfassung. Im 19. Jahrhundert strich man die Kanzel braun an. Sie befindet sich noch heute an ihrer ursprünglichen Position. Die bekannteste moderne Glasmalerei im Bremer Dom, die „Anbetung der Hl. Drei Könige“ ist vom französischen Maler Charles Crodel geschaffen worden. Das prunkvolle Chorgestühl der Domherren stammte aus der Zeit um 1365 und befand sich ursprünglich in je zwei Reihen zu beiden Seiten des Chores. Es zeigte Szenen aus dem alten und dem neuen Testament, wurde aber 1823 abgerissen und in einer Kapelle gelagert, beziehungsweise zum Teil verfeuert. Nur acht Exemplare überdauerten die Zeit und sind seit der letzten Restaurierung in den 1970er und 1980er Jahren schwenkbar in der dritten Kapelle angebracht. Im Inneren des Kirchenschiffes befinden sich annähernd 90 Gräber von Bischöfen, Erzbischöfen und anderen einflussreichen Kirchenpersönlichkeiten. Doch auch die letzte Ruhestätte Adolph Freiherr Knigges liegt hier. An der rechten Tür zur Sakristei befindet sich die Dom-Maus. Die steinerne Maus stammt aus dem 13. Jahrhundert. Ihre Bedeutung ist ungeklärt. Möglicherweise ist sie ein Zeichen von Handwerkern. Wenn die über Land ziehenden Gesellen sich um Arbeit bewarben und angaben, am Dom zu Bremen mitgearbeitet zu haben, so soll ihnen oftmals die Frage gestellt worden sein, wo man denn die Maus finden könne. Wussten sie die entsprechende Antwort, so war dies der Beweis, dass sie die Wahrheit gesagt hatten. Eine besondere Sehenswürdigkeit im Bremer Dom ist der Bleikeller, der über den Bibelgarten zu erreichen ist. Von diesem ist seit dem späten Mittelalter bekannt, dass in ihm gelagerte Leichen sehr gut mumifizieren. Es werden mehrere Mumien in offenen Särgen ausgestellt. 1987 wurde das Dom-Museum eingeweiht und dient seither in erster Linie der Ausstellung jener Gegenstände, die während der archäologischen Grabungen von 1973 bis 1984 geborgen wurden. In dem ökumenischen Museum werden jedoch auch andere liturgische Gegenstände aus vergangenen Jahrhunderten gezeigt, dazu zählen zeitweise auch Leihgaben der bremischen katholischen Kirche. Im Jahre 1995 kam es zu einer Erweiterung des Museums, dessen Kosten von der Stiftung Bremer Dom e. V. getragen wurden. Bei Umbaumaßnahmen in einem Raum wurden durch Zufall mittelalterliche Wandmalereien entdeckt, die zu den umfangreichsten erhaltenen in Bremen gehören und wahrscheinlich kurz vor der Altarweihe dieser einstigen Kapelle im Jahre 1414 entstanden sind. Orgeln Eine der berühmtesten Orgeln des Bremer Doms war eine Schnitger-Orgel mit 56 Registern, welche zwischen 1693 und 1698 von Arp Schnitger erbaut wurde. Nach mehreren Umbauten dieses Instruments, u. a. durch Otto Biesterfeldt in den Jahren 1827/28, wurde die Schnitger-Orgel 1847-49 durch einen Orgelneubau mit 59 Registern von Johann Friedrich Schulze aus Paulinzella ersetzt. Im Zuge der Restaurierung des Westwerks des Bremer Domes erhielt der Dom 1894 unter Verwendung des Schulze-Prospektes und des Contrabass 32' von 1849 eine neue Orgel von Wilhelm Sauer. Eine Reihe von Umbauten zwischen 1903 und 1958 führten zu umfassenden Veränderungen in der technischen Anlage und einem Austausch bzw. Umbau/Umstellung von insgesamt 58 originalen Sauer-Registern, um die Disposition dem Zeitgeschmack im Hinblick auf die sogenannte Orgelbewegung anzupassen. Vom dreimanualigen Instrument mit 65 Registern entwickelte es sich über verschiedene Zwischenstufen zum viermanualigen Instrument mit 101 Registern. Durch eine umfassende Restaurierung von Christian Scheffler (1995–1996) gelang es schließlich, zahlreiche zwischenzeitlich entfernte Register der Ästhetik Wilhelm Sauers entsprechend zu rekonstruieren. Darüber hinaus wurde der 1958 teilweise zerstörte neogotische Prospekt wiederhergestellt sowie ein neuer fahrbarer Spieltisch auf der Empore gebaut. Heute verfügt die große Orgel auf der Westempore über 100 Register. An der Ostwand des nördlichen Querschiffes befindet sich die im Stile des Neobarock gehaltene Bach-Orgel mit 35 Registern, die zwischen 1965 und 1966 in der Werkstatt der niederländischen Orgelbauer van Vulpen in Utrecht gefertigt und am 20. Februar 1966 mit einem Konzert von Käte van Tricht eingeweiht wurde. Sie ersetzte die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte erste Bachorgel des Erbauers Wilhelm Sauer, die anlässlich des 26. deutschen Bachfestes 1939 im Dom eingeweiht wurde. 1939 erwarb die Domgemeinde aus Dresden eine historische Silbermann-Orgel mit acht Registern. Sie war ursprünglich zwischen 1734 und 1748 unter der Leitung des Orgelbauers Gottfried Silbermann für die Kirche im sächsischen Etzdorf entstanden und erhielt 1796 ein Pedal. Seit 1865 stand sie im Gotteshaus von Wallroda. 1902 erwarb sie der Dresdner Orgelbauer Eduard Berger. Anschließend befand sich die Orgel 37 Jahre lang in verschiedenen privaten Händen und wurde mehrmals umgebaut, bevor sie 1939 von Richard Liesche und Käte van Tricht in Dresden entdeckt und in den Bremer Dom transferiert wurde. Hier befand sie sich zunächst in der Westkrypta, wurde während des Krieges in die Ostkrypta versetzt und steht heute wieder an ihrem alten Platz in der Westkrypta. Im Jahre 1994 restaurierte die Dresdner Orgelwerkstatt Kristian Wegscheider das Instrument und sorgte neben der Entfernung des später hinzugefügten Pedals für eine Wiederherstellung der zwischenzeitlich modifizierten Tonhöhe, Stimmung und Intonation. Sie ist eine von 32 noch existierenden Silbermann-Orgeln. Im April 2001 erwarb der Dom eine 1991 in der niederländischen Orgelwerkstatt von Gerrit Klop gebaute einmanualige Orgel. Die Klop-Orgel ist eine Dauerleihgabe aus Privatbesitz und steht in der Ostkrypta unter dem Chor. Im Stile der italienischen Renaissance hat sie als „organo di legno“ ausschließlich Holzregister. Die neueste Orgel des Doms ist eine einmanualige Orgel der Dresdner Orgelwerkstatt Wegscheider aus dem Jahre 2002, die der musikalischen Gestaltung von Trauungen, Abendmahlsgottesdiensten und anderen Veranstaltungen im Hochchor des Domes dient. Ermöglicht wurde der Bau dieser Orgel, die sich im Chorraum an der Nordseite links vom Altar befindet, durch eine Stiftung von Ingeborg Jacobs, der Witwe des Bremer Firmengründers Walther C. Jacobs. Als Organisten am Bremer Dom waren unter anderem Käte van Tricht (1933–1974), Richard Liesche (1930–1957), Hans Heintze (1957–1975) und Zsigmond Szathmáry (1976–1978) tätig. Seit 1979 ist Wolfgang Baumgratz Organist am Dom St. Petri in Bremen. Glocken Der Dom besaß im Mittelalter mindestens acht Glocken.[4] Von diesen ist die drei Meter messende Maria Gloriosa aus dem Jahre 1433 – ein Werk des norddeutschen Glockengießers Ghert Klinghe – noch erhalten. Diese trägt mehrere Inschriften. Die erste ist in Latein verfasst und lautet: „Cum Structuarius Meynardus no(m)i(n)e dictus hic opus ecc(lesia)e respexit, tractus amore Petri clavigeri vas fecit hoc fieri“ („Als der Bauherr Meinard – so lautet sein Name – hier den Kirchenbau beaufsichtigte, hat er aus Liebe zum Schlüsselträger Petrus dieses Gefäß herstellen lassen.“) Unter diesen Zeilen befindet sich ein auf Niederdeutsch gereimtes Gedicht: „Anno domini MCCCCXXXIII. Meister Ghert Klinge de mi geghoten hat. Ghot gheve siner Sele Rat in de Ere sunte Peters Kosme unde Damian Ghot late se lange to eren Loew ghan Jhesus pc (ave) Maria Gloriosa.“ („Im Jahre des Herrn 1433. Meister Ghert Klinghe, der mich gegossen hat, Gott gebe seiner Seele Rat, zu Ehren von St. Peter, Cosmas und Damian, Gott lasse sie lange zu ihrem Lobe gehen. Jesus pc~ (?) Maria.“) Zusätzlich zu den Inschriften ist die Maria Gloriosa am Glockenrand noch mit biblischen Szenen geschmückt. So werden etwa Mariä Verkündigung und die Kreuzigungsgruppe mit den Heiligen Cosmas, Damian, Maria Magdalena und Simon Petrus dargestellt. Die übrigen jedoch wurden in Folge des Einsturzes des südlichen Kirchturmes 1638 zerstört. Es gelang jedoch, sie im Laufe der Jahrhunderte zu ersetzen. Im Ersten wie auch im Zweiten Weltkrieg musste der Dom, wie auch die anderen mittelalterlichen Bremer Stadtkirchen, seine Glocken als Metallspende abliefern. Somit befand sich 1945 lediglich noch die alte Maria Gloriosa im Nordturm. Im Jahre 1951 spendete ein in die Vereinigten Staaten ausgewanderter gebürtiger Bremer der Hauptkirche seiner alten Heimatstadt die Neuanschaffung zweier Glocken für den Nordturm. Sie erhielten die Namen Hansa und Felicitas. Gegossen wurden beide Glocken in der Glockengießerei Otto im Bremer Stadtteil Hemelingen. Die Inschriften sind stark von den damals noch nicht weit zurückliegenden Schrecken des Krieges beeinflusst. Die Hansa trägt die Inschrift: „Verbum Domini manet in aeternum – Anno Domini MCMLI“ („Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit – Anno Domini 1951“) und die Felicitas den Spruch: „Dona pacem Domine diebus nostris – Anno Domini MCMLI” („Verleih uns Frieden, Herr, zu unserer Zeit – Anno Domini 1951“) Zwölf Jahre später, 1962, spendete eine Bremer Kaufmannsfamilie einen Neuguss der ehemals im Dom vorhandenen Glocke Brema. Auch diese wurde, wie schon ihre Vorgänger aus den Jahren 1894 und 1925, in der Glockengießerei Gebrüder Otto gefertigt. Sie ist die größte Glocke des Bremer Doms, wiegt etwa sieben Tonnen und hängt allein im Südturm. Risse in der Aufhängung machten 2008 eine mehrmonatige Stilllegung erforderlich. Nach Reparaturarbeiten konnte die Brema am 25. Mai desselben Jahres wieder geläutet werden.[5] Die Inschrift der Glocke lautet: „Brema in Krieg und Not verloren neu erstanden Ostern 1962 Die Toten zu ehren die Lebenden zu mahnen. Sei getreu bis an den Tod so will ich dir die Krone des Lebens geben“. Die 1894 aus zwei von Kaiser Wilhelm II. gespendeten Kanonen gegossene erste Brema zersprang 1919. Sie trug die Inschrift: „Brema heiß ich, Gott preis ich, mein Erz im Krieg erbeutet, zu Friedensfeiern läutet sei jedem, der mich hört, Frieden im Herzen beschert.“ Datenübersicht Name-Gussjahr-Gießer-Gussort-Gewicht-(kg) Nominal Turm 1 Brema 1962 Glockengießerei Otto, Bremen-Hemelingen ~7000 g0 Südturm 2 Maria Gloriosa 1433 Ghert Klinghe, Bremen h0 Nordturm 3 Felicitas 1951 Glockengießerei Otto, Bremen-Hemelingen d1 Nordturm 4 Hansa 1951 Glockengießerei Otto, Bremen-Hemelingen e1 Nordturm Stadtgeläut Die nahegelegene mittelalterliche Martinikirche konnte ihre durch Metallspenden und Krieg zerstörten Glocken ebenfalls bis 1962 ersetzen und hat sie in der Tonfolge auf die Domglocken abgestimmt. Bei der Einweihung am 18. Juli 1962 läuteten die Glocken von Dom und Martinikirche zusammen zehnstimmig. Das sogenannte Altstadtgeläut wird heutzutage als eines der schönsten in Deutschland bezeichnet und hat die Tonfolge: Kirche - Nominal Dom - g0 Dom - h0 Martini c1 Dom - d1 Martini d1 Dom - e1 Martini f1 Martini g1 Martini a1 Martini c2 Martini d2 Gemeindeleben Der Bremer Dom bietet heutzutage Gläubigen etwa 1.600 Sitzplätze an. Gottesdienste mit Taufen finden sonntäglich ab 10:00 Uhr statt, häufig mit Abendmahl. An kirchlichen Feiertagen können Zeiten variieren. Geleitet werden die Gottesdienste im wechselnden Turnus von den momentan sechs Pastoren der Gemeinde. Essentieller Bestandteil eines jeden Gottesdienstes im Dom sind das Spiel auf der Sauer-Orgel sowie die Lieder des Domchores. Wie in jeder anderen Kirche finden auch im Dom Konfirmationen, kirchliche Hochzeiten sowie Trauerfeiern statt. Am jeweils letzten Sonntag eines Monats ab 18:00 Uhr wird im Dom die Thomasmesse gefeiert. Sie stellt eine Alternative zum sonst oftmals festgeschriebenen Ablauf eines Gottesdienstes dar und richtet sich laut eigener Beschreibung an fragende Christen, Zweifler im Glauben, frustrierte Kirchgänger, Gottesdienstmuffel[6]. Der Name dieses Gottesdienstes erinnert an den Apostel Thomas, der auch als der ungläubige Thomas bekannt ist. Die Thomasmesse ist ökumenisch ausgerichtet und setzt ihre Schwerpunkte auf moderne Kirchenmusik, Meditation und alternative Glaubensvermittlung. So werden beispielsweise die Lesungen und Predigten sowohl von Geistlichen als auch von Laien gestaltet und Dialoge und Rollenspiel initiiert. Für Touristen ist der Dom frei geöffnet, es werden jedoch auch Führungen angeboten. Zusätzlich zur Hauptkirche in der Bremer Innenstadt verfügt die Domgemeinde noch über die Kapelle St. Immanuel am Osterdeich im Ortsteil Peterswerder (Stadtteil Östliche Vorstadt). Auch dort werden Gottesdienste und Taufen abgehalten. Zudem ist sie in unregelmäßigen Abständen Veranstaltungsort der Familiengottesdienste, die speziell für kleinere Kinder gedacht sind. Kirchenmusik Die Kirchenmusik hat eine lange Tradition in der Bremer Domgemeinde. So wurde beispielsweise bereits im Jahre 1685 durch den Kantor Laurentius Laurentii der erste Domchor ins Leben gerufen. Dieser hatte nachweisbar 1732 neun Mitglieder. Der Chor finanzierte sich durch Auftritte auf Familienfesten und wurde zunächst von der Gemeinde selber nur mangelhaft unterstützt, obwohl einige Kantoren, wie etwa Wilhelm Christian Müller, versuchten, seine Popularität zu steigern. Die Neugründung des Chores erfolgte 1856 und im darauffolgenden Jahr begann man mit öffentlichen Konzerten. So wurde bereits im Jahr 1858 unter der Leitung von Carl Martin Reinthaler im Dom das Werk „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms uraufgeführt. Heutzutage erarbeitet der Chor jährlich etwa sechs bis acht große Konzerte. Diese werden oftmals von Rundfunkanstalten übertragen. Auch hat der Chor schon mehrere Schallplatten und CDs veröffentlicht, von denen „Ein deutsches Requiem“ mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde. Zu den Kantoren des Domchores zählen unter anderem: Laurentius Laurentii (ab 1684) Wilhelm Christian Müller (1784–1817) Carl Martin Reinthaler (1858–1893) Eduard Nößler (ab 1893) Richard Liesche (1930–1957) Hans Heintze (1957–1975) Wolfgang Helbich (1976–2008) Tobias Gravenhorst (seit 2008) Stadtweit bekannt sind auch die Turmbläser des Doms, die es in Bremen seit mindestens 1737 gibt. Sie blasen jeden Sonntag nach dem Gottesdienst mit Posaunen Choräle, Quartette, Fugen und Volkslieder von der Aussichtsplattform des Südturmes. In der Weihnachtszeit spielen sie nicht nur sonntags. Die Tradition der Turmbläser drohte in Bremen noch vor wenigen Jahren unterzugehen, da die Finanzierung ungesichert war, seit etwa 2006 finden die Konzerte jedoch wieder regelmäßig statt. Neben den oratorischen Darbietungen des Chores finden im Jahr durchschnittlich noch 50 weitere Konzerte und Vorführungen statt, die eher instrumental geprägt sind. Zusätzlich werden jeden Donnerstag bei freiem Eintritt kleine Vorführungen von Orgel-, Kammer- oder Chormusik angeboten. Im Jahr 1983 initiierte der damalige Domkantor Wolfgang Helbich die sogenannten „NÄCHTE“. Diese gut fünfstündigen Mischungen aus Chormusik, sinfonischen Werken und Kammermusik sind jeweils einem bestimmten Komponisten gewidmet, finden jedes Mal in einem anderen Bereich des Kirchenschiffes statt und werden zumeist von Radio Bremen übertragen. Zur Förderung des musikalischen Nachwuchses gibt es am Dom die Bremer Domsingschule. Kirchenleitung Das oberste Entscheidungsgremium der St. Petri-Domgemeinde ist der Kirchenkonvent. Dieser setzt sich aus ständigen sowie aus wählbaren Mitgliedern zusammen. Ständig im Konvent vertreten sind die Bauherren, die Prediger, die hauptamtlichen Kirchenmusiker sowie insgesamt 36 Diakone und Altdiakone. Die frei wählbaren Plätze, auf die sich jedes Gemeindemitglied bewerben kann, werden für jeweils eine Vierjahresperiode vergeben; es besteht jedoch die Möglichkeit zur Wiederwahl. Der Kirchenkonvent gab sich im Jahre 1999 eine Verfassung, die seinen Aufgabenbereich genau umreißt: Das Gremium ist für die Wahl der Bauherren aus seiner Mitte, die Wahl und Ernennung der Prediger, sowie die Wahl der Mitglieder des Kirchenvorstandes verantwortlich. Alle von der Finanzverwaltung in der Domkanzlei getroffenen Entscheidungen hinsichtlich des Haushaltsplanes, der Stellenplanung oder der Jahresrechnung bedürfen der Zustimmung des Konvents. Allein dieser ist darüber hinaus in der Lage, die Gottesdienstordnung grundsätzlich zu ändern. Zur Beratung über verschiedene Themen ist es dem Konvent erlaubt, Arbeitsgemeinschaften und Ausschüsse bestehend aus seinen Mitgliedern zu bilden. Die 1638 gegründete Diakonie existiert noch immer. Ihr gehören momentan (Februar 2008) 24 Mitglieder an. Diese haben sich verpflichtet, jeweils zwölf Jahre ehrenamtlich für die Kirche und die Gemeinde tätig zu sein. Domschulen Im Laufe der Geschichte gab es zwei dem Dom angegliederte kirchliche Schulen. So erfolgte 1642 die Gründung einer lutherischen Lateinschule, welche als Konkurrenz zum ebenfalls bereits reformierten Gymnasium im Katharinenkloster fungierte. Das Gebäude der Schule befand sich im Kapitelhaus an der Domsheide unmittelbar südlich des Doms. Für das Institut, welches in der Regel sechs Lehrkräfte besaß, erließ man 1648 eine Schulordnung und im gleichen Jahr fiel die Schule zusammen mit dem Dom an Schweden und unterstand von da an einem Konsistorium. Die Professoren beziehungsweise die Lehrer, welche zuvor noch zusätzlich im Kirchendienst arbeiten mussten, wurden nun von dieser Tätigkeit entbunden. Zum Lehrpersonal gehörten der Rektor, der Konrektor, der Subrektor, ein Collaborator (also ein Hilfslehrer), ein Kantor für den Musikunterricht sowie ab 1683 auch ein Grammaticus. 1681 richtete man das Athenaeum ein. Dieses war eine Abteilung für Studenten, die vormals die Lateinschule besucht hatten – also praktisch die weiterführende Oberstufe. Zunächst besuchten nur wenige Schüler das Athenaeum, doch es wurde für seine herausragende Bibliothek gerühmt. 1718 wurden beide Institute hannoverisch und im Jahr 1726 zählte das Athenaeum 89 Schüler. Nachdem es 1803 zurück an die Stadt Bremen geführt worden war, unterstellte man es einem Scholarchat. Daraufhin wurde die Schule in ein Lyzeum umgewandelt und die Schülerzahl stieg auf bis zu 170 an. 1817 ging das Lyzeum in einer Hauptschule auf. Eine weitere Domschule existierte seit dem 16. Jahrhundert ebenfalls im Kapitelhaus. Die Schüler kamen mehrheitlich aus lutherischen Familien. 1874 zog man in das umgebaute Pastorenhaus in der Marktstraße Nummer 14 um, aber nur sechs Jahre später, 1880, ging diese Domschule in einer kostenpflichtigen staatlichen Volksschule auf. Quelle Text und Foto: Wikipedia


 
   
     
   
     
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