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  Die St. Martini-Kirche


  Die St. Martini-Kirche in der Altstadt von Bremen liegt in unmittelbarer Nähe zur Weser über dem nach ihr benannten Schiffsanleger an der Schlachte und gehört zu den ältesten Kirchen der Stadt. Der spätgotische Backsteinbau erlitt 1944 schwere Zerstörungen und wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut. Geschichte Die Gründungsgeschichte von St. Martini geht zurück auf Klagen aus der damals 10.000-15.000 Einwohner zählenden Bevölkerung Bremens über geistliche Unterversorgung, die ursächlich mit dem Bau der Stadtmauer Ende des 12. Jahrhunderts zusammenhing, wodurch der weserabwärts gelegene Teil der Stadt um den Steffensberg mit seinem Sprengel St. Stephani ausgesperrt und damit zweitrangig wurde. St. Veit (Unser Lieben Frauen) war jetzt die einzige Pfarrkirche in der Stadt und weder im Fassungsvermögen bei den Gottesdiensten noch für die Seelsorge ausreichend. Am 31. Juli 1227 befahl Papst Gregor IX. dem Bremer Erzbischof Gerhard II. die bestehenden Missstände zu beheben, was 1229 zur Neufestsetzung der Kirchspielgrenzen führte. Neben Unser Lieben Frauen (St. Marien, frühere St. Veits Kapelle) wurden die neuen Sprengel für St. Ansgarii und St. Martini zugewiesen. Die erste urkundliche Erwähnung von St. Martini als selbständige Pfarrgemeinde datiert demzufolge aus dem Jahre 1229 und ihren Namen erhielt sie nach dem in Frankreich beheimateten Nationalheiligen Sankt Martin (um 316 bis 397), der im Jahre 375 Bischof von Tours wurde und später der Nationalheilige der Franken war. Die zunächst gebaute Kapelle außerhalb der Stadtmauer sollte den Schiffern und reisenden Kaufleuten auch nach dem Schluss des Stadttors (Fischertor - porta piscatorum, die spätere Erste Schlachtpforte) Gelegenheit zum Kirchgang und zum Hören der Messe geben. Aber St. Martini hat damit eine exponierte und wegen der Gefahr durch Hochwasser unsichere Lage im Westteil der damaligen Balgeinsel direkt am unbefestigten Ufer der Weser zugewiesen bekommen. Noch bis ins 19. Jahrhundert, bis zur Weserkorrektion, kam es trotz des Baus einer Wehrmauer 1371 an der Flussseite und mehrfacher Erhöhung des Fußbodens in der Kirche zu Überschwemmungen. Das spiegelt sich auch in einem alten Reim wider: Sunt Marten – wo de Wind döer weit; wo’t Water döer geiht (Sankt Martin - wo der Wind durch weht; wo das Wasser durch geht). St. Martini galt jahrhundertelang als die Kirche der Kaufleute. Im Volksmund nannte man sie „Ollermannskarken“ - nach den Älterleuten der Kaufmannschaft, die hier ihren eigenen Altar hatten und als das Collegium Seniorum (die spätere Handelskammer) im zum Gemeindesprengel gehörenden nahegelegenen Haus Schütting vertreten waren. Aus der Baugeschichte Die früheste Kirche zu St. Martini, eine in Backstein errichtete dreischiffige Basilika, war mit einer äußeren Länge ihres Mittelschiffs von 38,60 m und 24,50 m Gesamtbreite die kleinste Bremer Pfarrkirche. Zu ihrem romanischen Grundriss hätten zwei Türme vor den Seitenschiffen gehört, oder ein Turm vor das Mittelschiff. Gebaut wurde aber nur ein Turm (62 m hoch) vor dem nördlichen Seitenschiff, vielleicht wegen Gründungsschwierigkeiten im Schwemmsand der Balgeinsel. Der Turm ist offenbar, wie eine Baufuge bis zum Erdboden zwischen ihm und dem Nordschiff erkennen lässt, erst nachträglich errichtet worden. Seine monumentale Art belegt eine fortgeschrittene gotische Gestaltung, sein Schaft enthält kein einziges romanisches Bauelement. Im Bereich des Turmes befindet sich der auf den Beginn des 13. Jahrhunderts zurückgehende älteste Teil dieses Gotteshauses. 1384 wurde der Umbau von der Basilika zur Hallenkirche und die Entstehung des feingliedrigen Chores mit seinem reichen plastischen Dekor im Osten der Kirche beendet. Durch die unmittelbare Lage am Weserfluss musste das unsichere Ufergelände beim Bau des ersten Gotteshauses erheblich aufgeschüttet und befestigt werden und im Laufe der Zeit bestand mehrmals akute Einsturzgefahr. Den Hochwasserstand im Kirchenraum vom März 1881 zeigt eine Beschilderung im vorderen Teil des Südschiffes. Die infolge der 1887 bis 1892 vorgenommenen Weserregulierung eingetretene Grundwasserabsenkung beseitigte zwar die Überschwemmungsgefahr, sie konnte aber der auf Eichenpfahlrosten gegründeten Kirche auf dem labilen Baugrund keine höhere bauseitige Stabilität verleihen. Am 5. Oktober 1944 erlitt dieser spätgotische Backsteinbau in einer der Bombennächte des Zweiten Weltkrieges schwerste Zerstörungen. Alle Dächer, fast sämtliche markanten Kreuzgewölbe und die Giebelreihe an der Weserseite lagen in Schutt und Asche. Auch der Turmhelm und die Glockenanlage überstanden den Feuersturm nicht. Nur die Umfassungsmauern ragten noch auf. Am 12. Januar 1952 begann der Wiederaufbau an dem sich auch die Bremer Regierung beteiligte. Nach über acht Jahren, am 17. Dezember 1960, wurde die Kirche feierlich eingeweiht. Die ursprünglich die Sprechakustik so positiv beeinflussenden hölzernen Emporen und das Chorgestühl an der Nordseite des Kirchenraumes blieben bei den Bauarbeiten unberücksichtigt, die Hörbarkeit des gesprochenen Wortes wird heute mit Hilfe einer Verstärkeranlage unterstützt. Ausstattung Zu den Kleinodien der Kirche gehört heute das vor dem Krieg ausgelagerte Inventar, insbesondere der in allen Einzelheiten und ursprünglichen Farbigkeit wieder erstandene Orgelprospekt, die mit reichhaltigen Schnitzereien versehene hölzerne Kanzel und die beiden Kronleuchter aus dem 17. Jahrhundert. Die vormals weißen Fenster wurden nach dem Wiederaufbau durch farbige ersetzt. Das Martinsfenster im Nordschiff, die acht Fenster im Chor und das sogenannte Hohe Fenster in der Südwand wurden durch die Bremer Künstlerin Elisabeth Steineke († 2003) auf handbemaltem Glas gestaltet. Die Wappenfenster in den Seitenschiffen sind Neuschaffungen des Worpsweder Künstlers Werner Rohde († 1990). Die Kanzel Die Kanzel ist das kostbarste erhaltene Stück der mittelalterlichen Ausstattung. Aus einer alten Urkunde geht hervor, dass „de nie predichstoel“ (der neue Predigtstuhl) – so in der Rechnung bezeichnet – in der Werkstatt des Bremer „Snitger“ (Bildschnitzers) Hermen Wulff 1597 angefertigt wurde. Er stammt somit aus der „Goldenen Zeit Bremens“. Dieser Wendezeit vom 16. zum 17. Jahrhundert verdankt die Stadt viele noch heute existierende Zeugen des einheimischen Kunstwerks. Hermen Wulff wird 1583 erstmals erwähnt und kommt in den folgenden Jahrzehnten in den Rechnungsbüchern des Rathauses und St. Martini häufig vor. Auf den Seitenflächen des durch vier Säulen gegliederten, reich verzierten Kanzelkorbes sind von den sieben Tugenden fünf als Kleinplastiken in kühner Bewegung dargestellt: Klugheit, Gottesliebe, Gerechtigkeit, Hoffnung und Tapferkeit. Auf den Schmuckleisten darüber Engelsköpfchen, darunter Masken und Fruchtgehänge. Die Feinheit der Schnitzarbeiten war im Laufe der Zeit unter vielen Schichten von Farbe und Vergoldungen verborgen, nach der Freilegung des Holzes wurde auf eine neue Farbgebung verzichtet. Während der Generalrenovierung des Kirchenraumes 1980 wurde die Kanzel wieder in die Mitte des Kirchenschiffes gesetzt und erhielt eine neue Treppe. Teile der ursprünglichen, 1601 von Hermen Wulff gefertigten Kanzeltreppe, sind in die neue zur Orgelempore führende Wendeltreppe eingefügt worden. Vom Schalldeckel, der früher wie eine Krone gestaltet war, sind nur die fünf bekrönenden Ornamentteile erhalten, Schnitzarbeiten des späten Barock. Die Orgel Die erste Orgel von St. Martini wurde bereits 1563 urkundlich erwähnt. 1603 erhielt der aus den Niederlanden stammende Orgelbauer Marten de Mare den Auftrag die Orgel zu erneuern. Sie erhielt ein Manual und wurde um einige Register erweitert. Hermen Wulff wurde 1603–04 mit Arbeiten am neuen Orgelgehäuse beauftragt. Besonders genannt wird dabei „dat posetyf mit den Knopen“ und für das Jahr 1605 „under den Orgelwerk ein Delenbret mit lysten darunder gehangen, dar wort ein sproeck up gemakt mit gulden letteren“. Das Werk de Mares hatte nicht lange Bestand, denn bereits 1615 ergeht an den Lüneburger Meister Christian Bockelmann der Auftrag für eine neue Orgel mit zwei Manualen (Hauptwerk und Rückpositiv) und Pedal, in dem auch von umfangreichen dekorativen Arbeiten die Rede ist, die sich nicht nur auf das Orgelwerk sondern auch auf den Prospekt bezogen haben müssen. Nicht eindeutig geklärt ist, ob Bockelmann Orgel und Prospekt zwischen 1616-1619 ersetzt oder nur eingreifend umgebaut hat. Im Vergleich zur Kanzel ist Hermen Wulffs „Handschrift“ nur bei einigen zierlichen Figuren erkennbar und für seine einmanualige Orgel wäre der jetzige Orgelprospekt in jedem Fall überdimensioniert. Der berühmte Hamburger Orgelbaumeister Arp Schnitger hat in den Jahren 1707 bis 1709 das Orgelwerk repariert und teilweise erneuert. Der Orgelprospekt auf der Schwelle zwischen Renaissance und Frühbarock gilt als einer der schönsten seiner Art in Nordeuropa. Sein Grundriss mit den hoch aufragenden Pfeifentürmen, den vielen Vor- und Rücksprüngen und Verwinkelungen beherrscht mit seiner intensiven Farbgebung, dem Wechsel von hellen, blauen, roten und goldenen Tönen auf schwarzen oder hellen Gründen, die Westwand des Innenraumes. Dargestellt wird die Verbindung zwischen dem irdischen und dem himmlischen Jerusalem. Zwei Engel und der Psalmsänger König David krönen das vorspringende, von einer verzierten Säule gestützte Rückpositiv. Darüber thront die himmlische Stadt mit ihren Türmen. Das alte Orgelwerk (P. Furtwängler & Hammer, 1894) wurde durch Kriegseinwirkungen 1944 völlig zerstört, da es nicht ausgebaut werden konnte. Beim Wiederaufbau der Kirche gegen Ende der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts schufen die Orgelbauer Jürgen Ahrend und Gerhard Brunzema aus Leer in Ostfriesland ein neues Instrument. Es besitzt drei Manuale, Pedal und 33 Register und zeichnet sich durch einen besonders farbigen, milden Klang mit ausgeprägtem Grundton und brillanten Obertönen aus und erreicht damit eine Annäherung an das Klangideal des 17. und 18. Jahrhunderts. In den Jahren 2004-05 wurde die Orgel gründlich renoviert und mit einer Bach/Kellner-Stimmung versehen. Sie gilt nun als eine Orgel, die vorzüglich für die Wiedergabe Bach´scher Orgelwerke geeignet ist. Das Klangsspektrum reicht vom vollen „Plenum“-Klang bis zu den Einzelstimmen, die den Instrumenten der Renaissance und Barockzeit entsprechen (wie z.B. Krummhorn, Dulcian, Trompete oder Posaune). Damit kann das reiche Orgelrepertoire aus der Blütezeit der norddeutschen Orgelkunst eine ideale Darstellung finden, unterstützt durch die hervorragende Akustik der St. Martinikirche. Die Martini-Orgel hat folgende Disposition: I Hauptwerk -------------------------------------------------------------------------------- Praestant 8′ Bordun 16′ Hohlflöte 8′ Octave 4′ Spitzflöte 4′ Octave 2′ Rauschpfeife Mixtur Dulcian 16′ Trompete 8′ II Rückpositiv -------------------------------------------------------------------------------- Praestant 4′ Gedackt 8′ Rohrflöte 4′ Octave 2′ Nasat 11/3′ Waldflöte 2′ Sesquialtera 22/3′ Scharff Krummhorn 8′ III Brustpositiv -------------------------------------------------------------------------------- Gedackt 8′ Blockflöte 4′ Principal 2′ Flöte 2′ Cimbel Regal 8′ Pedal -------------------------------------------------------------------------------- Praestant 16′ Octave 8′ Octave 4′ Nachthorn 2′ Mixtur Posaune 16′ Trompete 8′ Trompete 4′ Koppeln: II/I, III/I, I/P, II/P Der Chor Der nach Osten weisende, erhöht angeordnete spätgotische Chor entstand in den Jahren 1376 bis 1384. Seine beiden Kreuzgewölbe haben figürliche Abschlusssteine und jeder der unteren Kapitelle zeigt ein anderes Motiv. Aus dem Schutt der eingestürzten Dächer geborgen ist der ausdrucksvolle Schlussstein im Gewölbe der Apsis, er stellt die segnende Gestalt Christi als Weltenrichter dar und zeigt trotz schwerer Beschädigungen die zarte Meißelarbeit der damaligen Steinmetze und Bildhauer. Als Ausdruck reformierter Nüchternheit und Strenge von St. Martini steht lediglich im vorderen Teil dieses Raumes ein schlichtes griechisches Messingkreuz, das über einer lichtdurchfluteten „Weltkugel” thront. Die Scheidelinie zwischen Chorraum und dem übrigen Kirchenschiff bildet der hölzerne Hauptaltar mit dem die Fülle und Vollkommenheit Gottes symbolisierenden schweren, bronzenen, siebenarmigen Tischleuchter. Die in den Gottesdiensten ausliegende große Altarbibel trägt auf ihrem Deckblatt folgende handsignierte Inschrift des verstorbenen Urwaldarztes Albert Schweitzer: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Möge von dieser Bibel, wenn aus ihr im Gottesdienst gelesen wird, der Geist Gottes die Herzen der Menschen bewegen und fähig machen, sich von ihm regieren zu lassen. Die Fenster im Chorraum Das erste Fenster stellt die Schöpfungsgeschichte dar. Den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies, Adam arbeitet im Schweiße seines Angesichts auf dem Felde, Kain erschlägt seinen Bruder aus Missgunst und wird aus dem Frieden in die Ruhelosigkeit hinausgetrieben. Die Sintflut vernichtet die Menschheit, nur Noah, der auf Gottes Geheiß eine Arche baut, überlebt mit den Seinen und je einem Paar Tieren die Katastrophe. Im zweiten Fenster wird der Glaube an den Allmächtigen benannt. Eine Gegenüberstellung des Alten und des Neuen Bundes Gottes mit den Menschen. Im oberen Teil des Fensters ist dieses durch Mose mit den Gesetzestafeln und die Auslegung der Gesetze durch die Bergpredigt Christi veranschaulicht. Das dritte Fenster zeigt Gestalten aus dem Alten Testament. Es berichtet verständlich von den Prophezeiungen über den verheißenen Messias. Das vierte Fenster in seiner violetten Grundtönung zeigt neben der Verkündigung der Maria, der Geburt Jesu Christi, der Hochzeit zu Kana, einer Krankenheilung, der Speisung der 5000, der Auferweckung des Lazarus, der Salbung in Bethanien, der Fußwaschung, des Judaskusses sowie der Verleugnung des Heilandes durch Petrus das Leiden und die Kreuzigung des Gottessohnes. „Auferstanden von den Toten!” Das fünfte Fenster ist das Osterfenster. Es zeigt die Auferstehungsgeschichte nach dem Johannes-Evangelium Kapitel 20 und 21. Das leere Grab, die Erscheinungen des auferstandenen Christus und seine Himmelfahrt in einen goldfarbenen Himmel, wobei das Gold die Weisheit und das Reich Gottes ausdrücken soll. Das sechste Fenster symbolisiert die Pfingstfreude. Der Heilige Geist gießt aus dem pfingstlichen Rot des Maßwerkes sein Licht über die Jünger aus. Die vier Evangelisten, Matthäus mit dem Zeichen des Engels, Markus (Löwe), Lukas (Stier) und Johannes (Adler) – deren Symbole sich auch an den Beschlägen der Kircheneingangstür befinden – schreiben ihr Wissen über Jesus Christus auf. Aus den ersten Gemeinden von Petrus und Paulus entsteht die Kirche. Auch die römisch-katholische Kirche mit ihrer Hierarchie ist in den Bildern vertreten: Papst, Kardinal, Bischof, Mönch und Nonne. Das Leben in der Gemeinde wird dargestellt durch die Predigt, die Erteilung der Sakramente, das Wirken der Diakonie und das Eingehen der Menschen in die ewige Heimat. Das siebte Fenster gibt Zeugnis vom Text der Offenbarung des Apostels Johannes Kapitel 1, Vers 12 bis 16. Darunter sind die Engel des Gerichts und das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen, Jesus Christus mit den Kindern, die anvertrauten Talente und der verlorene Sohn abgebildet. Am Fenstergrund liegt in Form eines Drachens das Böse in Ketten gebunden. Im achten Fenster kommen die Menschen aus allen Nationen, um den Herrn, ihren Gott, anzubeten. Darüber befindet sich eine Stadt mit geschmückten Toren und dem Strom des lebendigen Wassers, der vom Throne Gottes und des Lammes ausgeht, das himmlische Jerusalem. Das Martinsfenster und das Martinsrelief An der Ostseite des Nordschiffes befindet sich das größte Einzelfenster der Kirche. Es erzählt in vielen separaten Bildern die Legende des heiligen Martin. Die Begebenheit, wie Martin seinen Mantel mit einem ihn anflehenden Bettler teilt wird auch in dem mittelalterlichen Sandsteinrelief darunter dargestellt. Im Fenster befindet sich weiter die Darstellung des Offizierssohnes Martin nachdem er Christ geworden war und den Wehrdienst mit der Waffe verweigerte. Als man ihm Feigheit vorgeworfen hatte, gelobte er vor dem römischen Kaiser, waffenlos in den Kampf zu ziehen. Er ist ohne Schwert und Harnisch, nur ein Kreuz in den Händen haltend, inmitten der umstehenden bewaffneten Kriegsleute abgebildet. Eine andere Darstellungen zeigt ihn als Begründer einer Klosterschule und auf der Flucht über das Meer anlässlich theologischer Auseinandersetzungen. Das Hohe Fenster An der dem Eingang gegenüberliegenden Südwand befindet sich das Hohe Fenster. Es erinnert an Joachim Neander, der 1679-1680 Früh-Prediger an St.Martini war und seinen hier zum ersten Mal erklungenen Choral Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Im unteren Teil des Bildes sieht man Neander an der Orgel, von musizierenden und singenden Menschen umgeben. Darüber Posaunenengel und ein die Herrlichkeit Gottes versinnbildlichendes strahlendes Gelb. Wappenfenster und Epitaphien Die Fenster in den Seitenschiffen sind mit Wappen der Bauherren versehen, die in der Zeit von 1376 bis 1959 im Dienst von St. Martini standen. In einem Fenster des Südschiffes findet man mit der Jahreszahl 1591, dem Beginn seines Bauherren-Amtes, das Wappen von Henrich Zobel. Er stiftete – 1597 zum bremischen Bürgermeister gewählt – das Portal mit Epitaph zum Neanderhaus an der Südostseite der Kirche, das der Martini-Prediger durchschreiten musste, wenn er zum 5-Uhr-Morgengottesdienst für das Herrschaftsgesinde von seiner Wohnung aus das Gotteshaus betrat. Der über dem Portal angebrachte Zobel-Epitaph wurde 1598 vollendet. Ein zweites Epitaph an der Südwand ist erhalten, gestiftet von dem Ratsherren Johann Havemann († 1578) und seiner ersten Ehefrau Gesche, geb. Trupe. Da das Wappen seiner zweiten Frau fehlt wird angenommen, dass das Denkmal um 1565 entstanden ist. Vier weitere Epitaphien sind im Krieg 1944 zerstört worden: Heinrich von Rheden, 1600 Ratsverwandter († 1602) Epitaph – nach 1602 entstanden – in strenger zweigeschossiger Gliederung mit freistehenden Doppelsäulen. Große Reliefs mit der Auferstehung Christi im unteren und der Himmelfahrt im oberen Geschoss. Freiplastisch gearbeitete Figuren drängten aus den Nischen und dem Verband der Architektur heraus. Arnold Gröning, 1602 Ratsherr, 1611 Bürgermeister († 1617) Frühbarockes Epitaph in zweigeschossigem Aufbau mit seitlichen Portalnischen. Das religiöse Thema Wiedererweckung der Toten im Untergeschoss, darüber die posthume Lobpreisung mit Wappenfeld im oberen Aufbau, das auch die Wappen der beiden Frauen, der Ilsabe Snedermann († 1614) und der Engel Breden († 1626) trug. Das Gröning-Epitaph gehörte zu den monumentalsten und üppigsten bürgerlichen Denkmälern, die aus der Werkstatt des Meisters Johann Prange hervorgegangen waren. Johann Clampius (Clamp), 1595 Ratsherr, Bürgermeister († 1611) Schwungvolle „rokokohafte“ Ornamentik und kühnbewegte Figuren weiblicher und kindlicher Hermen und Karyatiden. Hermann Müller, 1612 Ratsherr, 1624 Bauherr († 1628) Barockes Epitaph mit figürlichem Schmuck überwuchert, freistehende und auf Voluten lagernde Tugende und Trauernde. Prahlerisch mit vorgetäuschtem Marmor und aufgemaltem Gold. Kleinplastiken und Wappen in handwerklich ausgezeichneter Leistung. An der Südwand, rechts und links der Tür zum Kirchgarten mit ihrem schmiedeeisernen Gitter, lehnen zwei wuchtige Wandgrabmäler aus dem frühen Mittelalter. Kreuzigungsreliefs Zwei gotische Kreuzigungsreliefs befinden sich in den Seitenschiffen und sind als Kopie auch an der Außenseite der Kirche eingelassen. Das ältere, mit Sonne und Mond in Trauer über dem Gekreuzigten, daneben Maria und Johannes, wurde um 1440 in der flächigen, volkstümlichen Weise der frühen Holzschnitte angefertigt. Das zweite mit einem Korbbogen abgeschlossenen Relief, das mit der gedrängten Anordnung der drei Gestalten dem spätgotischen Empfinden entsprach, trägt die nur schwer lesbare Inschrift ANNO DOMINI 1474. Das Tympanon Das romanische Portal an der Außenfront der Südseite stammt aus der Zeit um 1400 und gehörte zur Martinsbasilika. Es diente als Eingang von der Weserseite, an dem auch der Kirchhof lag, oder wurde beim späteren Umbau zur Hallenkirche hierhin übertragen. Sein stark profiliertes Gewände mit den eingefügten Glasursteinen umschließt ein Tympanonfeld mit seinen seitlichen Pfeilern. Tympanon und Seitenpfosten bestehen aus feinkörnigem Sandstein, der wahrscheinlich an der oberen Weser in der Rehburger Gegend gebrochen wurde. Das Tympanon ist in Entwurf und Ausführung vermutlich nicht die Arbeit eines Künstlers, sondern eines kunstfertigen Handwerksmeisters und findet wegen der streng symmetrischen Anordnung der Figuren besondere Beachtung. In der stark plastischen Reliefdarstellung thront Christus als Weltgericht unter einem Baldachin mit dem aufgeschlagenen Buch des Lebens in der rechten und einem Bischofsstab in der linken Hand, eingerahmt von zwei Engeln, von denen einer ein Weihrauchfass schwenkt und zu seinen Füßen heben Auferstandene die Deckel ihrer Gräber. Das dargestellte Thema, Christus als Bischof der Seelen, ist in Deutschland höchst selten in bildlicher Form zu finden. Die Entstehungszeit des Tympanon wird von Fachleuten in das zweite Viertel des 13. Jahrhundert datiert, es gehört mit dem thronenden Christus im Dom zu den ältesten Werken bremischer Plastik. Glocken St. Martini hatte bis 1917 drei Läuteglocken, von denen nach einer Kriegs-Metallspende noch die älteste, 1772 von Johann Philipp Bartels gegossene Glocke im Turm verblieb, bis sie in der Bombenangriffsnacht im Oktober 1944 zerstört wurde. Gegossen wurde sie aus dem Schmelzgut einer beschädigten, 1393 auf Anordnung des Rats- und Bauherren Doneldy gefertigten Glocke, der berühmten Susanna. Dreizehn Jahre nach der Zerstörung, im Dezember 1957, wurden drei neue Läuteglocken geliefert und montiert. Die größte, für den Stundenschlag bestimmte c1-Glocke mit einem Gewicht von 2250 kg, bekam die von Manfred Hausmann verfasste Inschrift: „Ich will Dich ehren mit jedem Ton, gib uns, o Herr, den Frieden zum Lohn. Zerstört am 5. Oktober 1944 – neugegossen im Advent 1957“. Für das Glockenspiel folgten dann 1962 weitere sechzehn Glocken. Von den insgesamt 19 Glocken unterschiedlicher Größe sind 17 in das Glockenspiel einbezogen, fünf werden gleichzeitig als Läuteglocken benutzt. Die beiden größten Glocken c1 und d1 sind reine Läuteglocken. Das Gesamtgewicht aller Glocken soll 9.500 kg betragen. Alle Glocken wurden in der Glockengießerei Otto in Hemelingen gegossen, das Glockenspiel stammt aus der Turmuhrenfabrik Eduard Korfhage & Söhne im heutigen Melle-Buer. Das Glockenspiel kann automatisch mit Walzen und auch direkt über eine Klaviatur bespielt werden. Zur Herstellung der Walzen wird zunächst die Melodie auf der Klaviatur eingespielt, wodurch bei jedem Tonanschlag für die entsprechende Glocke ein Loch in eine Spezialfolie gestanzt wird. Bei der Wiedergabe tasten Metallfinger die Folie ab, schließen bei jedem Loch einen Kontakt, und lösen damit den Glockenschlag aus. Die Stanzung neuer Folien wird durch mangelnde Verfügbarkeit geeigneter Geräte zunehmend erschwert, so dass eine Umstellung auf elektronische Steuerung ansteht, die bei den Läuteglocken bereits erfolgt ist. Die Läute- und Spielglocken haben folgende Tonfolge: Nominal c1 d1 f1 g1 gis1 a1 h1 c2 cis2 d2 e2 f2 fis2 g2 gis2 a2 h2 c3 d3 Spielglocken 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 Läuteglocken I II III IV V VI VII Als Turm, Orgel und Glockenspiel am 18. Juli 1962 gemeinsam eingeweiht wurden, läuteten Dom und Martini zusammen zehnstimmig. Das Altstadtgeläut wird als eines der schönsten in Deutschland bezeichnet und hat die Tonfolge: Kirche Dom Dom Martini Dom Martini Dom Martini Martini Martini Martini Martini Nominal g0 h0 c1 d1 d1 e1 f1 g1 a1 c2 d2 Nach der Läuteordnung wird jeden Sonntag zwischen 09:45 und 10:00 Uhr der Gottesdienst eingeläutet. Täglich um 09:15 Uhr, 12:15 Uhr, 15:15 Uhr und 18:15 Uhr sind auf den zwölf Spielglocken, die noch durch fünf der sieben Läuteglocken erweitert werden, in der Adventszeit die Lieder Macht hoch die Tür, die Tor macht weit?/i oder Es kommt ein Schiff, geladen bis an sein’ höchsten Bord?/i zu hören. Zwischen Weihnachten und dem Epiphaniastag erklingen „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ oder „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich, in seinem höchsten Thron“. „Mit Freuden zart zu dieser Fahrt laßt uns zugleich fröhlich singen“ oder „Auf, auf mein Herz mit Freuden, nimm wahr, was heut’ geschieht“ sind die Lieder der Osterzeit, während zu Pfingsten die Melodie von „O Heilger Geist, kehr’ bei uns ein“ intoniert wird. An allen anderen Tagen des Jahres ertönt der Choral, den Joachim Neander 1680 in St. Martini schuf: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Weitere Inschriften auf den Martini-Glocken: „Ich will dich ehren mit jedem Ton, gib uns, o Herr, den Frieden zum Lohn.“ „Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ (f1-Glocke) „Stund um Stunde geht dahin, denk, o Mensch, an ihren Sinn.“ (g1-Glocke) „Kommet zuhauf, Psalter und Harfe wacht auf, lasset den Lobgesang hören.“ (h1-Glocke) Weitere Ausstattung An den Beschlägen der Kircheneingangstür befinden sich die Symbole der vier Evangelisten, Matthäus mit dem Zeichen des Engels, Markus (Löwe), Lukas (Stier) und Johannes (Adler), die auch im sechsten Fenster des Chores zu sehen sind. Der Vorraum, durch den der Besucher die Kirche betritt, diente in vorprotestantischer Zeit als Marienkapelle. Hier befinden sich die steinernen Wappen des Ratsherren Hermann Müller (Bauherr 1624) und des Ältermanns der Kaufleute Berend Vaged (Bauherr 1627). Die beiden Messing-Kronleuchter, die von der Kreuzgewölbedecke des Mittelschiffes herabhängen und deren vordere als sogenanntes Aufsteckschild den Heiligen Martin trägt, werden in alten Inventaren immer wieder mit Stolz erwähnt und sind flämische Arbeiten aus der Zeit um 1650. Das Taufbecken aus Sandstein, in unmittelbarer Nähe der Kanzeltreppe, befand sich bis vor 20 Jahren als Dekoration im Kirchgarten. Seine Entstehungszeit ist unbekannt. Von großer bildnerischer Kraft zeugt der Opferstock am ersten Pfeiler zum Ausgang hin. Er ist ein Werk reinsten Rokokos aus dem Jahre 1766. Die asymmetrische Wandplatte mit der Inschrift Milde Gaben werden von Gott vergolten verbindet sich gediegen mit der rankenbedeckten Steinkommode. Dieser Almosenstock ist wahrscheinlich in der Werkstatt des bedeutendsten Rokoko-Bildhauers Bremens, Theophilus Wilhelm Freese, entstanden. Das Fresko gleich links neben der Ausgangstür stammt aus der Zeit um 1300. Es stellt eine stark fragmentierte Kreuzigungsgruppe dar, die den Brand der Kirche im Oktober 1944, in der Nacht in der die Bomben fielen, als einzige Abbildung ihrer Art im Gotteshaus einigermaßen überstanden hat. Dieses Fresko wird zu den ältesten im norddeutschen Raum gerechnet. Das Neanderhaus mit Jakobusbrunnen Das ehemalige Pastorenhaus, ein Anbau aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, schmiegt sich in den Winkel zwischen Südschiff und Chor. Den Namen Neanderhaus trägt das Gebäude nach seinem berühmtesten Bewohner, dem Frühprediger an Sankt Martini Joachim Neander. Eine Inschrift über dem Eingang erinnert an ihn und seinen bekannten Choral: DER DICHTER JOACHIM NEANDER,*1650, STARB 1680 ALS PREDIGER AN SANKT MARTINI, SEIN LIED: LOBE DEN HERREN, DEN MAECHTIGEN KOENIG DER EHREN. Das Portal ist inschriftlich datiert mit ANNO 1639 und trägt in dem nachträglich eingefügten Sandsteingewände mit der Halbkreisarchivolte den Spruch: GOTT WEILET ALEZEIT MIT SCHUTZ UNT SCHIRM BI SEINER KIRCHE An der Frontseite des Neanderhauses steht seit 1957 eine Kopie des Jakobusbrunnen mit Jacobus, dem Schutzheiligen der Pilger. Das mittelalterliche Original (um 1490), das in der Nähe am St.-Gertruden-Gasthof stand, ist im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden und befindet sich im Bremer Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte (Focke-Museum). Der Jakobus, es gibt in Bremen von ihm noch weitere Statuen, erhält einmal im Jahr von der Jacobus-Gesellschaft einen Blumenschmuck. Die den Jakobsweg kennzeichnende Muschel trägt die Jakobusstatue im Bibelgarten des Bremer Dom. Geistliches Leben in St. Martini Bereits 1524 – also nur sieben Jahre nach dem Anschlag der 95 Thesen durch Martin Luther zu Wittenberg und nur drei Jahre nach dem Reichstag zu Worms – stand mit Johann Timann aus Amsterdam in den Niederlanden erstmals ein lutherischer Prediger auf der Kanzel von St. Martini. 1534 schuf Timann Bremens erste reformatorische Kirchenordnung, die er sich von Luther persönlich bestätigen ließ. Er pflegte enge Kontakte zu den reformatorischen Kreisen in den Niederlanden, die auch in der Folgezeit erhalten blieben. So unterschrieb neben anderen der Martini-Prediger Ludwig Crocius für Bremen die 1618/19 erarbeiteten Dordrechter Artikel, in denen die Theologie des Reformators Johannes Calvin, nach der der irdische Weg des Menschen durch Gott von Geburt an vorherbestimmt ist (Prädestinationslehre), ihren Ausdruck fand. In St. Martini haben nach der Reformation viele Glaubensrichtungen den Weg der Gemeinde bestimmt. Bekannte Prediger in der pietistischen Periode waren Theodor Undereyck (1670 bis 1693) und Joachim Neander (1679 bis 1680). Gottfried Menken und Georg Gottfried Treviranus vertraten im 19. Jahrhundert den Biblizismus, die buchstäbliche Auslegung des Wortlautes der Heiligen Schrift. Treviranus war Mitbegründer der Inneren Mission, der Evangelischen Allianz und des Deutschen Evangelischen Kirchentages; er führte in Norddeutschland die Konfirmation ein. 1867 trat mit Treviranus’ Nachfolger, Pastor Moritz Schwalb, ein Umschwung ein, wie er sich dramatischer kaum denken lässt. Schwalb vertrat eine freisinnige, später sogar radikal-sozialistische Theologie, die bis in das 20. Jahrhundert auch von den Pastoren Albert Kalthoff und Emil Felden fortgesetzt wurde. Kalthoff lud 1904 die amerikanische Predigerin Anna Howard Shaw ein, in St. Martini zu sprechen. Shaw war damit wohl die erste Frau, die jemals in Deutschland in einer Kirche gepredigt hat. Die Martinikirche heute Gemeinde Nach langer protestantischer Tradition sind die Gemeinden der Bremischen Evangelischen Kirche weitgehend selbständig, da sie Glaubens-, Gewissens- und Lehrfreiheit genießen. Die als theologisch-konservativ anzusehende St. Martini-Gemeinde vertritt heute die Verkündigung des „unverfälschten biblischen“ Wortes. Ihr 1979 angenommenes Bekenntnis fußt auf dem Heidelberger Katechismus, den drei altkirchlichen Symbolen (Apostolikum, Athanasianum und Nicänum), und sie weiß sich der Theologischen Erklärung von Barmen von 1934 verpflichtet. Die St. Martini-Gemeinde lehnt die Frauenordination ab. Der Kirchenvorstand beruft sich dabei auf die Gemeindeordnung. Dort steht unter Abschnitt „VII. Dienst in und an der Gemeinde [2]“: „... So erfolgt die Berufung in das Pfarramt gemäß der Heiligen Schrift nach (1 Tim 2,12 LUT). ...“[2]. Dies führte sogar im Juni 2008 dazu, dass der Pastorin Sabine Kurth aus Bremen-Walle nicht erlaubt wurde, auf einer Trauerfeier in der St. Martini-Kirche von der Kanzel oder im Talar zu sprechen.[3][4] Eine Besonderheit in der Bremischen Evangelischen Kirche: Als einziger Gemeinde sind in St. Martini Trauungen kostenpflichtig, wenn die Paare nicht der Gemeinde angehören.[5] Außerdem lehnt die Gemeinde die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare grundsätzlich und ohne Anhörung eines betroffenen Paares ab.[6] Die Verweigerung einer kirchlichen Trauerfeier droht einem verstorbenen Gemeindemitglied von St. Martini, das zwar „Glied der evangelischen Kirche war, aber das Bekenntnis zu Jesus Christus offensichtlich verworfen oder öffentlich geschmäht hat“. Welche Person oder welches Gremium einen solchen Fall feststellt und nach welchen genauen Kriterien ein solches Verfahren abläuft, nennt die Internetseite der Gemeinde nicht, ebenso wenig den Zeitrahmen des Verfahrens oder ob die Möglichkeit eines Einspruchs für die Hinterbliebenen besteht. Die Gemeinde bietet für diesen Fall jedoch an, dass „sich der Pastor der Angehörigen seelsorgerlich“ annimmt. Gemeindeleben Gottesdienste mit Taufen werden sonntags um 10 Uhr, an Feiertagen auch zu anderen Zeiten gehalten. Parallel zu den Gottesdiensten finden Kindergottesdienste statt, begleitet mit einem Kinderhort. Zu den musikalischen Veranstaltungen gehört die Stunde der Kirchenmusik bei der in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Künste neben Orgelwerken auch geistliche Musik in Besetzungen mit Sängern und Instrumentalisten angeboten werden. Die Kirche kann, nach Anmeldung im Gemeindebüro, an mehreren Tagen der Woche vormittags besichtigt werden. Kirchenleitung Der geschäftsführende Vorstand in St. Martini besteht aus drei Bauherren, die vom Kirchenvorstand[8] aus seiner Mitte gewählt werden. Er führt die Beschlüsse des Konvents und des Kirchenvorstandes durch. In jährlichem Wechsel übernimmt einer der Bauherren das Amt des Verwaltenden Bauherrn. Er ist Sprecher der Gemeinde in der Öffentlichkeit und führt den Vorsitz in den Sitzungen des geschäftsführenden Vorstandes, des Kirchenvorstandes sowie im Konvent. Die Bauherren der Sankt Martini-Gemeinde sind:[9] Martin Batram – Verwaltender Bauherr Dr. Klaus Bartels – Bauherr für Verwaltung Dr. Jürgen Fischer – Bauherr für Finanzen Pastor der Sankt-Martini Gemeinde ist seit 2. Dezember 2007 Olaf Latzel Ehemalige Pastoren Bekannte Pastoren an St. Martini und ihre Dienstzeit: Johann Timann (1525–1557), schuf 1534 Bremens erste reformatorische Kirchenordnung Ludwig Crocius (1610–1628), unterschrieb – neben anderen – für Bremen die 1618/19 erarbeiteten Dordrechter Artikel Philipp Caesar (1628-1630), 1616 Prediger an St. Ansgarii, Professor am Gymnasium Illustre in Bremen Theodor Undereyck (1670–1693), Wegbereiter des Pietismus in der deutschen reformierten Kirche Joachim Neander (1679–1680), Schöpfer des Chorales Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren Gottfried Menken (1811–1825), bedeutender Vertreter der Erweckungstheologie Georg Gottfried Treviranus (1814–1866), Mitbegründer der Inneren Mission, der Evangelischen Allianz und des Deutschen Evangelischen Kirchentages Moritz Schwalb ( 1867–1894), freisinniger Kämpfer für eine liberale Theologie Albert Kalthoff (1888–1906), Mitbegründer und erster Vorsitzender des Deutschen Monistenbundes Emil Felden (1907–1933), Theologe, sozialistischer und pazifistischer Politiker und Schriftsteller Johannes Oberhof (1948–1950), Theologe, religiöser Sozialist, wegen pazifistischer Aktivitäten des Amtes enthoben[10] Georg Huntemann (1957–1958, 1974–1987), emeritierter Professor für Ethik und Apologetik und Doktor der Theologie sowie der Philosophie Jens Motschmann (1987–2007) konservativer Theologe und Publizist Quelle Text und Foto: Wikipedia


 
   
     
   
     
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