Bremisches

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  Der Bleikeller


  Der Bremer Bleikeller befindet sich in einem Nebengebäude des St. Petri-Doms zu Bremen. Hier lagern einige Mumien (Leichen). Ursprünglich befanden sich die Mumien in der Ostkrypta des Doms. Sie wurden hier um 1698 zufällig von den Gesellen des Orgelbauers Arp Schnitger entdeckt, denen man die Ostkrypta als Arbeitsraum zugewiesen hatte. Die Entdeckung der Mumien war in der damaligen Zeit eine Sensation, interessierte man sich doch zunehmend für die Naturwissenschaften. Anfang 1709 musste daher der Domzimmermann seinen Schlüssel abgeben, da er wegen der zahlreichen Besucher kaum noch zum Arbeiten kam. Den Schlüssel bekam der Domküster. Der behielt ihn bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Besichtigungsgelder waren bis 1903 eine wohlfeile Gehaltszulage. Als man die Ostkrypta 1822 als Lagerraum vermietete, um den vierten Domprediger mit der Einnahme zu bezahlen, zogen die Mumien in den damaligen Kohlenkeller um, eine gotische Kapelle. Nach der Domrestaurierung in den siebziger Jahren benötigte man diese Räume, um ein Dommuseum für die Grabungsfunde einzurichten. Seit 1984 können die Mumien in einem pseudoantik eingerichteten Ruheort neben dem Dom besichtigt werden. Das Phänomen der Mumifizierung ist inzwischen geklärt. Die Körper sind auf natürliche Weise ausgetrocknet, wobei der Austrocknungsvorgang den ansatzweise vorhandenen Verwesungsvorgang überholt. Dieser Vorgang ist von meist älteren und einsamen Verstorbenen bekannt, die man drei/vier Monate nach ihrem unbeachteten Tod unverwest in ihrer Wohnung auffindet. Bei einigen Mumien des Bleikellers trug auch der Winter mit der Abwesenheit von Aasfliegen zur Mumifikation bei. In Bremen ging man zunächst lange davon aus, dass die in dem Kellerraum aufbewahrten Leichen aufgrund des Bleies, das für die Reparatur des Domdaches nach Stürmen dort lagerte, mit der Mumifikation der Toten zu tun habe. Auch von der Radioaktivität des Bleies oder einer ominösen radioaktiven Quelle unter dem Dom war zeitweilig die Rede. Die Vermutung, dass das Blei damit zu tun habe, lag für den gemeinen Bleikellerbesucher nahe, führte die Ostkrypta doch den Namen Bleikeller. Durch Messungen im Keller ist aber inzwischen bewiesen, dass der Name ihres Fundortes keine Rückschlüsse auf die Gründe der Mumifizierung zulässt. Die interessanteste Geschichte, die bis zur Veröffentlichung des Buches „Bleikeller am Dom zu Bremen“ erzählt wurde, war die von einem Dachdecker, der vom Domdach gestürzt war, und in der Ostkrypta zwischengelagert und dann vergessen wurde, bis man ihn mumifiziert wiederentdeckte. Da dem Autor des erwähnten Buches die Geschichte vom „Dachdecker“ nicht stimmig schien – er hatte keine sichtbaren Verletzungen am Knochengewebe - ließ er ihn und die anderen Mumien im St.-Joseph-Stift röntgen. Ergebnis: Der „Dachdecker“ hatte eine Kugel im Rücken. Mithin handelt es sich vermutlich um einen Offizier, der im Dreißigjährigen Krieg oder in einem der in Bremen folgenden „Schwedenkriegen“ angeschossen wurde. Von einem weiteren Offizier ist gar der Name bekannt: Oberst Gregor von Winsen, von einem anderen nur der Rang: „Kornett“. Auch bei dem angeblichen „Studenten“ könnte es sich um einen Söldner handeln, dessen Heimatort man entweder nicht kannte oder den man wegen des Krieges nicht problemlos nach dort transportieren konnte. Bei der „englischen Lady“ konnte der in Reisebeschreibungen erwähnte Name „Lady Stanhope“ nicht verifiziert werden. Dem hochadeligen Geschlecht der Stanhopes kam um jene Zeit kein Mitglied abhanden. Unter den Mumien befindet sich auch der letzte schwedische Verwalter des Doms, Georg Bernhard von Engelbrechten. Er wurde auf eigenen Wunsch in einem steinernen Prunksarkophag im Erskinschen Gewölbe im Dom beigesetzt. Um die Beerdigung seiner Frau im Dom kümmerten sich die Töchter. Als das Erskinsche Gewölbe Anfang des 19. Jahrhunderts zugeschüttet wurde, verlegte der Bauherr Gerhard Meier beide Särge in Bleikeller Nummero 2. Er entnahm dem steinernen Sarkophag jedoch die Mumie des Herrn von Engelbrechten. Er legte sie in einen offenen Holzsarg und tarnte sie als „englischer Offizier“. Seine Frau tarnte er als „schwedische Gräfin“. Und da an den Sarggriffen Kronen zu sehen waren, schöpfte niemand Verdacht. Die Sache mit der Entnahme des Herrn von Engelbrechten kam in den sechziger Jahren heraus, als der steinerne Sarkophag an der Vorderfront zerbrach und der Zettel im leeren Sarkophag gefunden wurde, indem Herr Meyer seinen „Diebstahl“ beichtete. Die Tarnung der Mumien war notwendig, da von der napoleonischen Regierung in Bremen um 1811 das Bestatten in Innenstadtkirchen verboten wurde. Zuletzt wurde der ca. 80-jährige Tagelöhner Konrad Ehlers im Bleikeller beigesetzt. Man ließ ihn in den letzten Jahren bei freier Kost und Logis im Domkloster wohnen unter der Bedingung, „er solle nach seinem Tode in dem Bleikeller beigesetzt werden“. Sobald sein Tod eintrat, wurde er mumifiziert und in den Bleikeller gebracht. Da wegen der napoleonischen Bestattungsregeln weitere Mumifikationsexperimente mit Menschen nicht mehr in Frage kamen, unternahm man stattdessen solche mit Tieren. Ein Äffchen und eine Katze im Bleikeller Nummer 3 erinnern heutzutage noch daran. Da die Mumien erst seit 1968 unter Glas liegen, fehlen Ihnen Haare und ein paar Finger. Sie wurden als Souvenirs mitgenommen. Ein Finger einer Bleikellermumie sowie eine Kinderhand befinden sich heute noch im Goethehaus zu Weimar. Der Bremer Arzt und Goethefreund Dr. Nicolaus Meyer übersandte sie dem Dichterfürsten nach dort, um ihn so nach Bremen zu locken. Es klappte nicht, aber Goethes Sohn August kam so zu einem schönen Weihnachtsgeschenk. Die Kinderhand stammt vermutlich von adeligen Kindern, die man, nachdem sie den Pocken erlegen waren, im Bleikeller beisetzte, nach 1823 jedoch in heimischen Kirchhöfen begrub. Der Bremer Bleikeller ist in den Sommermonaten (Ostern bis Oktober) für Besucher geöffnet. Quelle Text und Foto: Wikipedia


 
   
     
   
     
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