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  ... Rainer Maria Rilke (1875-1926)


 

Quelle Text und Bild: Wikipedia

Rainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875 in Prag; † 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux, Schweiz; eigentlich René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke) war ein österreichischer Autor und einer der bedeutendsten Lyriker deutscher Sprache. Daneben verfasste er Erzählungen, einen Roman und Aufsätze zu Kunst und Kultur sowie zahlreiche Übersetzungen von Literatur und Lyrik unter anderem aus der französischen Sprache. Sein umfangreicher Briefwechsel bildet einen wichtigen Bestandteil seines literarischen Schaffens.

Lebenslauf

1875–1896: Kindheit und Ausbildung
Rilke wurde als René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke am 4. Dezember 1875 in Prag geboren, das damals wie ganz Böhmen zu Österreich-Ungarn gehörte. Der Vater, Josef Rilke (1838-1906), ein charakterschwacher und unzufriedener Mensch, war nach gescheiterter militärischer Karriere Bahnbeamter geworden. Seine Mutter, Sophie „Phia“ Entz (1851-1931), eine herrschsüchtige Frau, entstammte einer wohlhabenden Prager Fabrikantenfamilie. Ihre Träume von einem vornehmen Leben fand sie in ihrer Ehe nicht erfüllt. 1884 brach die Ehe der Eltern auseinander.

Auch das Verhältnis zwischen der Mutter und dem einzigen Sohn war belastet, weil sie den frühen Tod der älteren Tochter nicht verkraftete. Aus emotionaler Hilflosigkeit heraus band sie René – französisch für „der Wiedergeborene“ – an sich und drängte ihn in die Rolle seiner verstorbenen Schwester. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr fand sich Rilke so als Mädchen erzogen, frühe Fotografien zeigen ihn mit langem Haar, im Kleidchen.

Auf Druck der Eltern besuchte der dichterisch und zeichnerisch begabte Junge ab 1885 eine Militärrealschule, zur Vorbereitung einer Offizierslaufbahn. Die Zumutungen militärischen Drills und die Erfahrungen einer reinen Männergesellschaft traumatisierten den zarten Knaben nachhaltig. 1891 brach er wegen Krankheit seine militärische Ausbildung ab. Er konnte sich von 1892 bis 1895 in privatem Unterricht auf das Abitur vorbereiten, das er 1895 bestand. 1895/96 studierte er Literatur, Kunstgeschichte, Philosophie und Jura in Prag und in München.

1897–1902: Entwicklungsjahre
1897 traf Rainer Maria Rilke in München die weitgereiste Intellektuelle und Literatin Lou Andreas-Salomé (1861-1937) und verliebte sich in sie. Auch änderte er seinen Vornamen von René in Rainer, weil Lou Andreas-Salomé den Namen für einen männlichen Schriftsteller angemessener fand.

Die folgende intensive Beziehung mit der älteren und verheirateten Frau dauerte bis 1900 an. Auch nach der Trennung erwies sich Lou Andreas-Salomé bis an Rilkes Lebensende als seine wichtigste Freundin und Beraterin. Dabei werden ihre psychoanalytischen Kenntnisse und Erfahrungen, die sie sich 1912/13 bei Sigmund Freud angeeignet hatte, eine erhebliche Rolle gespielt haben. Freud berichtet, „daß sie dem großen, im Leben ziemlich hilflosen Dichter Rainer Maria Rilke zugleich Muse und sorgsame Mutter gewesen war...“ (Sigmund Freuds Gedenkworte zum Tode Lou Andreas-Salomés, 1937).

Rilke folgte Lou Andreas-Salomé im Herbst 1897 nach Berlin und bezog eine Wohnung in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. In Berlin lernte Rilke das Geschwisterpaar Mathilde und Karl Gustav Vollmoeller anlässlich einer Lesung Stefan Georges im Hause des Künstlerehepaares Sabine und Reinhold Lepsius kennen. 1898 unternahm er eine erste mehrwöchige Reise nach Italien. In den beiden Jahren darauf besuchte er zweimal Russland: 1899 reiste er mit dem Ehepaar Andreas nach Moskau, wo er Lew Tolstoi traf. Mai bis August des Jahres 1900 folgte eine zweite Russlandreise mit Lou Andreas-Salomé allein, nach Moskau und Sankt Petersburg, aber auch quer durch das Land und die Wolga hinauf.

Im Herbst 1900, unmittelbar nachdem Lou Andreas-Salomé den Entschluss gefasst hatte, sich von ihm zu trennen, hielt sich Rilke zu einem längeren Besuch bei Heinrich Vogeler in Worpswede auf. Vogeler veranstaltete im Weißen Saal seines Barkenhoffs sonntägliche Treffen, wo neben Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Carl Hauptmann auch die Bildhauerin Clara Westhoff (1878-1954) verkehrte. Clara Westhoff und Rainer Maria Rilke heirateten im folgenden Frühjahr. Im Dezember 1901 wurde ihre Tochter Ruth (1901-1972) geboren. Bereits im Sommer 1902 gab Rilke jedoch die gemeinsame Wohnung auf und reiste nach Paris, um dort eine Monografie über den Bildhauer Auguste Rodin (1840-1917) zu verfassen. Die Beziehung zwischen Rilke und Clara Westhoff blieb Zeit seines Lebens bestehen, doch war er nicht der Mensch für ein bürgerliches und ortsgebundenes Familienleben. Gleichzeitig drückten ihn finanzielle Sorgen, die durch Auftragsarbeiten nur mühsam gemildert werden konnten.

1902–1910: Die mittlere Schaffensperiode
Die erste Pariser Zeit war für Rilke schwierig, da die fremde Großstadt viele Schrecken barg. Diese Erfahrungen hat Rilke später im ersten Teil seines einzigen Romans Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge gestaltet. Zugleich aber brachte die Begegnung mit der Moderne zahlreiche Anregungen: Rilke setzte sich intensiv zunächst mit den Plastiken Auguste Rodins, dann mit dem Werk des Malers Paul Cézanne (1839-1906) auseinander. Mehr und mehr wurde in diesen Jahren Paris zum Hauptwohnsitz des Dichters. Von 1905 bis 1906 war Rilke als Sekretär bei Auguste Rodin angestellt, der ihm gleichzeitig eine idealisierte Vaterfigur war. Das Dienstverhältnis beendete Rodin im Mai 1906 abrupt. Kurz zuvor war Rilkes Vater gestorben. Ab 1906 intensivierte sich der Kontakt Rilkes zu Mathilde und Karl Gustav Vollmoeller. Zunächst nutzte er in Abwesenheit Mathildes deren Pariser Atelier mehrmals. Gleichzeitig versuchte Rilke anlässlich seiner Italienreise 1907 Karl Gustav Vollmoeller in dessen Villa in Sorrent zu besuchen. Erst über Ostern 1908 kommt es zum neuerlichen Treffen zwischen Rilke und Vollmoeller in Florenz. Rilke ist hier für mehrere Tage Gast in Vollmoellers Florentiner Domizil, der Renaissancevilla Gilli - Pozzino. Anwesend sind auch der Schriftsteller Felix Salten sowie das Ehepaar Lepsius. In den folgenden Jahren treffen sich Rilke und Vollmoeller mehrfach in Paris. Die wichtigsten dichterischen Erträge der Pariser Zeit waren die Neuen Gedichte (1907), Der neuen Gedichte anderer Teil (1908), die beiden Requiem-Gedichte (1909) sowie der bereits 1904 begonnene und im Januar 1910 vollendete Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge.

1910–1919: Innere und äußere Umwälzungen
1912 erschien eine Neuausgabe der lyrischen Erzählung Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke als Nummer 1 der Insel-Bücherei, einer neuen Reihe des Leipziger Insel Verlags, mit der sie hohe Auflagen und ungewöhnliche Popularität erlangte.

Nach Erscheinen der Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge begann für Rilke eine tiefe Schaffenskrise, die erst im Februar 1922 mit dem Abschluss der bereits 1912 begonnenen Duineser Elegien endete. Dieser Gedichtzyklus verdankt seinen Namen dem Aufenthalt Rilkes auf dem Schloss Duino der Gräfin Marie von Thurn und Taxis bei Triest in der Zeit von Oktober 1911 bis Mai 1912.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges überraschte Rilke während eines Deutschlandaufenthaltes. Nach Paris konnte er nicht mehr zurückkehren; sein dort zurückgelassener Besitz wurde beschlagnahmt und versteigert. Den größten Teil der Kriegszeit verbrachte Rilke in München. Von 1914 bis 1916 hatte er eine stürmische Affäre mit der Malerin Lou Albert-Lasard. Die Freundschaft zwischen Rilke und Vollmoeller intensivierte sich während des 1. Weltkriegs, als sich beide auch in Gegenwart von Lou Albert-Lasard sowohl in Berlin als in München trafen. Rilke nutzte Vollmoellers Beziehungen zum deutschen Generalstab, um ihn bei der Fahndung nach einem vermissten Vetter einzusetzen. Wie der unveröffentlichte Briefwechsel (DLA, Marbach) ausweist, war Vollmoeller erfolgreich und konnte Rilke und dessen Familie mit den gewünschten Informationen versorgen.

Anfang 1916 wurde Rilke eingezogen und musste in Wien eine militärische Grundausbildung absolvieren. Durch Fürsprache einflussreicher Freunde wurde er zur Arbeit ins Kriegsarchiv überstellt und am 9. Juni 1916 aus dem Militärdienst entlassen. Die Zeit danach verbrachte er wieder in München, unterbrochen durch einen Aufenthalt auf Hertha Koenigs Gut Böckel in Westfalen. Das traumatische Erlebnis des Kriegsdienstes – als Erneuerung der in der Militärschulzeit erfahrenen Schrecken – ließ ihn als Dichter nahezu völlig verstummen.

1919–1926: Das späte Werk
Am 11. Juni 1919 reiste Rilke von München in die Schweiz. Äußerer Anlass war eine Vortragseinladung aus Zürich, eigentlicher Grund aber der Wunsch, den Nachkriegswirren zu entkommen und die so lange unterbrochene Arbeit an den Duineser Elegien wieder aufzunehmen. Die Suche nach einem geeigneten und bezahlbaren Wohnort erwies sich als sehr schwierig. Rilke lebte unter anderem in Soglio, Locarno und Berg am Irchel. Erst im Sommer 1921 fand er im Schlossturm von Muzot (frz. Chateau de Muzot) in der Nähe von Sierre im Kanton Wallis eine endgültige Wohnstätte. Im Mai 1922 erwarb Rilkes Mäzen Werner Reinhart (1884-1951) das Gebäude und überließ es dem Dichter mietfrei.

In einer intensiven Schaffenszeit vollendete Rilke hier innerhalb weniger Wochen im Februar 1922 die Duineser Elegien. In unmittelbarer zeitlicher Nähe entstanden auch die beiden Teile des Gedichtzyklus Sonette an Orpheus. Beide Dichtungen zählen zu den Höhepunkten in Rilkes Werk.

Seit 1923 musste Rilke mit großen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kämpfen, die mehrere lange Sanatoriumsaufenthalte nötig machten. Auch der lange Paris-Aufenthalt von Januar bis August 1925 war ein Versuch, der Krankheit durch Ortswechsel und Änderung der Lebensumstände zu entkommen. Dennoch entstanden auch in den letzten Jahren zwischen 1923 und 1926 noch zahlreiche wichtige Einzelgedichte (etwa Gong und Mausoleum) und ein umfangreiches und in seiner Bedeutung noch immer nicht angemessen gewürdigtes lyrisches Werk in französischer Sprache.

Erst kurz vor Rilkes Tod wurde seine Krankheit als Leukämie diagnostiziert und zwar in einer damals noch wenig bekannten Form. Der Dichter starb am 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont sur Territet bei Montreux und wurde - seinem Wunsch entsprechend - am 2. Januar 1927 in der Nähe seines letzten Wohnorts auf dem Bergfriedhof von Raron im Wallis westlich von Visp beigesetzt. Auf seinem Grabstein steht der selbst ausgewählte Spruch:

Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.


Das dichterische Werk
Beeinflusst durch die Philosophen Schopenhauer und vor allem Nietzsche, deren Schriften er früh kennengelernt hatte, ist Rilkes Werk geprägt durch eine scharfe Kritik an der Jenseitsorientierung des Christentums und an einer einseitig naturwissenschaftlich-rationalen Weltdeutung.

Zu den frühen Werken Rilkes gehören die Gedichtbände Wegwarten, Traumgekrönt und Advent. Mit dem Band Mir zur Feier (1897/98) wendet er sich zum ersten Mal systematisch einer Betrachtung der menschlichen Innenwelt zu. Die unveröffentlichte Gedichtsammlung Dir zur Feier (entstanden 1897/98) ist eine einzige Liebeserklärung an die verehrte Lou Andreas-Salomé. 1899 entstand das kurze Prosawerk Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke. Das Stunden-Buch (3 Teile, entstanden 1899-1903, Erstdruck 1905), benannt nach traditionellen Gebetbüchern des Mittelalters, bildet den ersten Höhepunkt des Frühwerkes und ist Ausdruck eines pantheistischen Gottesbildes. Mit seinen kunstvoll verschlungenen Reimbändern und seinem fließenden Rhythmus ist der Gedichtzyklus eines der Hauptwerke des literarischen Jugendstils.

Nietzsches Philosophie – auch vermittelt durch beider intime Freundin Lou Andreas-Salomé – gewinnt in den Jahren um die Jahrhundertwende erheblichen Einfluss auf Rilke. Die radikale Anerkennung der Wirklichkeit ohne Jenseitsvertröstungen oder soziale Entwicklungsromantik prägt auch Rilkes Weltverständnis. Dafür stehen intensive Beobachtungen der Natur sowie des menschlichen Verhaltens und Gefühlslebens. Dies alles bildet Rilkes „Weltinnenraum“, in dem sich Außen- und Innenwelt verbinden.

Aus den Werken der mittleren Phase zwischen 1902 und 1910 sind vor allem die Neuen Gedichte und der Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge wichtig. Rilke wendet sich in diesen Werken radikal der Welt menschlicher Grunderfahrungen zu, nun aber nicht mehr in reiner Beobachtung des Innen, sondern in einer das Subjekt zurückdrängenden symbolischen Spiegelung dieses Innen in erlebten Dingen. So entstehen seine „Dinggedichte“, beispielsweise Blaue Hortensie und Der Panther (s.u. ‚Textbeispiele‘), die den literarischen Symbolismus weiterentwickeln. Dieses Welterfassen bezieht ausdrücklich auch die negativen und fremden Aspekte des Lebens ein: Hässliches, Krankheit, Trieb und Tod.

Im späten Werk (1912-22) bemüht sich Rilke darum, seiner Bejahung des Lebens in den Zyklen der Duineser Elegien und Sonetten an Orpheus poetische Gestalt zu verleihen und das ganze, Leben und Tod umgreifende Dasein zu feiern. Die Gedichte der letzten Jahre zerfallen in sehr unterschiedliche Gruppen: einerseits heiter-entspannte, oft lakonisch-pointierte Natur- und Landschaftsgedichte, andererseits poetisch kühne Experimente, die rein aus der Sprache heraus gearbeitet sind.

Rilke heute
Rilkes Werk trifft seit einigen Jahren auf eine wachsende Aufmerksamkeit, auch außerhalb literarisch gebildeter Kreise. Dies mag eine Folge des größeren Individualismus unserer Zeit sein, der in Rilkes Dichtung einen adäquaten künstlerischen Ausdruck findet. Ein materieller Grund für die breitere Darstellung von Rilkes Texten in den Medien liegt im Wegfall der Urheberrechtsbindung seines Werkes an den Insel-Verlag seit 1996, 70 Jahre nach Rilkes Tod. Zur öffentlichen Wirkung Rilkes tragen nicht unwesentlich einige Internetprojekte bei (s. u.). 1998 hat sich die englische Künstlerin Anne Clark auf ihrem Album Just After Sunset musikalisch mit dem Werk Rilkes auseinandergesetzt. Ein Jahr später gibt die Chicagoer Independent Gruppe Ether Frolics auf ihrer lyrischen E-Gitarrenballade "You Who Never Arrived" den Dichter als Textautor an. Seit 2004 hat das Duo Camillo ein Programm mit vertonten Rilke-Werken im Repertoire.

Rilke Projekt
Populär geworden ist vor allem die musikalische Annäherung an Rilkes lyrisches Werk durch das Rilke Projekt. Das Projekt versucht, Rilke neuen Generationen zugänglich zu machen. In bisher drei CD-Veröffentlichungen interpretieren bekannte zeitgenössische Schauspieler und Musiker (u. a. Mario Adorf, Iris Berben, Karlheinz Böhm, Hannelore Elsner, Nina Hagen, Xavier Naidoo, Wolfgang Niedecken, Rudolph Moshammer, Jürgen Prochnow, Katja Riemann, Otto Sander, Robert Stadlober, Peter Ustinov) Texte von Rilke. Im Jahr 2004 fand eine Konzertreise mit zahlreichen Live-Auftritten statt. Noch mehr als bei den CD-Aufnahmen trifft hier die Grenzen sprengende – teilweise als Glittershow ausgestaltete – Interpretation literarischer Kunst auf stark geteiltes Echo bei der Kritik.

Werke
Gesamtausgaben [Bearbeiten]Rainer Maria Rilke, Sämtliche Werke in 7 Bänden, hg. vom Rilke-Archiv in Verbindung mit Ruth Sieber-Rilke, besorgt durch Ernst Zinn. Frankfurt/M. 1955-1997.
Rainer Maria Rilke, Werke. Kommentierte Ausgabe in vier Bänden und einem Supplementband, hg. von Manfred Engel, Ulrich Fülleborn, Dorothea Lauterbach, Horst Nalewski und August Stahl. Frankfurt/M. und Leipzig 1996 u. 2003. ISBN 978-3-458-06697-2.

Lyrik – Gedichtbände
Leben und Lieder. Bilder und Tagebuchblätter (1894)
Larenopfer (1895)
Wegwarten. Lieder dem Volke geschenkt (1896)
Traumgekrönt. Neue Gedichte (1896)
Advent (1897)
Mir zur Feier (1899)
Das Stunden-Buch (1905)
Das Buch vom mönchischen Leben (geschrieben 1899)
Das Buch von der Pilgerschaft (geschrieben 1901)
Das Buch von der Armut und vom Tode (geschrieben 1903)
Das Buch der Bilder (1902; stark überarbeitete Zweitfassung 1906)
Neue Gedichte (1907)
Der neuen Gedichte anderer Teil (1908)
Requiem (1909) UB Bielefeld
Das Marien-Leben (1912)
Erste Gedichte (1913; enthält unveränderte Nachdrucke von Larenopfer, Traumgekrönt und Advent) UB Bielefeld
Duineser Elegien (1923, geschrieben 1912-22) UB Bielefeld
Die Sonette an Orpheus (1923) UB Bielefeld
Gedichte in französischer Sprache
Vergers (1926)
Les Quatrains Valaisans (1926)
Les Roses (1927)
Les Fenêtres (1927)

Prosa – Lyrische Prosa
Am Leben hin. Novellen und Skizzen (1899)
Zwei Prager Geschichten (1899)
Die Letzten (1902) UB Bielefeld
Vom lieben Gott und Anderes (1900), ab 2. Auflage (1904): Geschichten vom lieben Gott
Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke (1906; Neuauflage als Band 1 der Insel-Bücherei, Leipzig 1912 ff.)
Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1910)

Dramatische Werke
Jetzt und in der Stunde unseres Absterbens (1896, Einakter)
Im Frühfrost (1897, Dreiakter)
Höhenluft (geschrieben 1897, Erstdruck 1961, Einakter)
Ohne Gegenwart (1897, Zweiakter)
Mütterchen (1898, Einakter)
Waisenkinder (1901, Szene)
Das tägliche Leben (1901, Zweiakter)

Schriften zur Kunst und Literatur
Moderne Lyrik (1898)
Worpswede (1902)
Auguste Rodin (1903)
Briefe über Cézanne (postum 1952)

Briefe
Umfangreicher Briefwechsel. Die wichtigsten Gesamtausgaben sind:
Gesammelte Briefe in sechs Bänden, hg. von Ruth Sieber-Rilke und Carl Sieber. Leipzig 1936-1939.
Briefe, hg. vom Rilke-Archiv in Weimar. 2 Bände, Wiesbaden 1950 (Neuauflage 1987 in einem Band).
Briefe in zwei Bänden, hg. von Horst Nalewski. Frankfurt und Leipzig 1991.
Briefwechsel mit Thankmar von Münchhausen 1913 bis 1925, Herausgegeben von Joachim W. Storck, Insel Verlag, 1. Auflage 2004,

weisprachige Ausgaben
"Larenopfer" zweisprachige, kommentierte Ausgabe, übersetzt von Alfred de Zayas, Red Hen Press, Los Angeles, 2005
"The Essential Rilke", ausgewählte Gedichte ins Englische übertragen von Galway Kinnell und Hannah Liebmann, The Ecco Press, Hopewell, New Jersey, 1999.
"Rilke. Selected Poems" übersetzt von C.F. MacIntyre, University of California Press, Berkeley, 1940.
"The Book of Images" übersetzt von Edward Snow, North Point Press, New York, 1991.
"The Best of Rilke" übersetzt von Alter Arndt, University Press of New England, Hanover, 1984.
"Selected Poems of Rainer Maria Rilke", übersetzt von Robert Bly, Harper & Row, New York 1981.
"Pieseň o láske a smrti korneta Krištofa Rilkeho", übersetzt von Milan Richter, MilaniuM 2006.
"Dunkle Klagen" Lyrische Werke in zwei Banden,Verlag "Bogdan", Ternopil,Ukraine 2007
"Las elegías del Duino", übersetzt von Otto Dörr, Editorial Universitaria, Santiago, Chile, 2001.
"Sonetos a Orfeo", übersetzt von Otto Dörr, Editorial Universitaria, Santiago, Chile, 2002.

Textbeispiele

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(1902, aus: Das Buch der Bilder)


Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

(1902/03, aus: Neue Gedichte)

Die Liebenden

Sieh, wie sie zu einander erwachsen:
in ihren Adern wird alles Geist.
Ihre Gestalten beben wie Achsen,
um die es heiß und hinreißend kreist
Dürstende, und sie bekommen zu trinken,
Wache, und sieh: sie bekommen zu sehn.
Laß sie ineinander sinken,
um einander zu überstehn.

(1908, Paris)


L'Attente

CÂ’est la vie au ralenti,
cÂ’est le cÂœur à rebours,
cÂ’est une espérance et demie:
trop et trop peu à son tour.

CÂ’est le train qui sÂ’arrête en plein
chemin sans nulle station
et on entend le grillon
et on contemple en vain

penché à la portière,
dÂ’un vent que lÂ’on sent, agités
les prés fleuris, les prés
que lÂ’arrêt rend imaginaires.

(1926)


Das Karussell
Jardin du Luxembourg

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur daß er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.
Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand,
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber -
Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und das geht hin und eilt sich, daß es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel Â…

(1906, Paris)
Das Kind

Unwillkürlich sehn sie seinem Spiel
lange zu; zuweilen tritt das runde
seiende Gesicht aus dem Profil,
klar und ganz wie eine volle Stunde,

welche anhebt und zu Ende schlägt.
Doch die anderen zahlen nicht die Schläge,
trüb von Mühsal und vom Leben träge;
und sie merken gar nicht, wie es trägt-,

wie es alles trägt, auch dann, noch immer,
wenn es müde in dem kleinen Kleid
neben ihnen wie im Wartezimmer
sitzt und warten will auf seine Zeit.

(1908)


Herbst
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Aus: Das Buch der Bilder')

Dieser Text wurde entnommen:
„http://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Maria_Rilke“






 




 
   
     
   
     
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