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  Waldeinsamkeit
  von Heinrich Heine (1797-1856) Oh, schöne Zeit! wo voller Geigen Der Himmel hing, wo Elfenreigen Und Nixentanz und Koboldscherz Umgaukelt mein märchentrunkenes Herz! Triumphespforten zu wölben schienen Die Bäume des Waldes - Ich ging einher, bekränzt, Als ob ich der Sieger wäre! Im Wald sind die Elfen verschwunden, Jagdhörner hör ich, Gekläffe von Hunden; Im Dickicht ist das Reh versteckt, Das tränend seine Wunden leckt. Wo sind die Alräunchen? Ich glaube, sie halten Sich ängstlich verborgen in Felsspalten. Ihr kleinen Freunde, ich komme zurück, Doch ohne Kranz und ohne Glück. Wo ist die Fee mit den langen Goldhaar, Die erste Schönheit, die mir hold war? Der Eichenbaum, worin sie haust, Steht traurig entlaubt, vom Winde zerzaust. Der Bach rauscht trostlos gleich dem Styxe; Am einsamen Ufer sitzt eine Nixe, Todblass und stumm, wie`n Bild von Stein, Scheint tief in Kummer versunken zu sein. Mitleidig tret ich zu ihr heran - Da fährt sie auf und schaut mich an, Und sie entflieht mit entsetzten Mienen, Als sei ihr ein Gespenst erschienen.


 
   
     
   
     
      © by Nora Runge - Alle Rechte vorbehalten