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  In der Osternacht
  von Wilhelm Arent (1864- gest. nach 1913) Süß duftet und leise atmet Draußen die Osternacht, Ruhig träumen die Gassen, Vom blauen Monde bewacht. Die dürren Zweige der Linde Wiegen und schwanken im Wind, Und durch die schauernden Lüfte Das Blut des Frühlings rinnt. Die Glocken tönen und läuten Leise ins stille Gemach, Sie läuten und rufen den Frühling Im klopfenden Busen wach. Und von den Blättern der Bibel Hebe ich träumend mein Haupt, – Und schaue des Heilands Augen, Den längst ich gestorben geglaubt. Ich sehe die roten Wunden Und den bleichen, friedlichen Mund, Und um die Schläfe geflochten Der Dornen blutigen Bund. Ich trinke von seinen Augen Der Tränen schmerzliche Glut, ... Und fühle, wie sanft seine Rechte Auf meinem Haupte ruht ... Unnahbar unendliche Gottheit, Sind's wilde Schmerzen allein, Die von dir reden und zeugen Und deinem göttlichen Sein? Sind's nur die Schauer des Todes, Aus denen dein Mund uns spricht, Und strahlt nicht auch leuchtend im Frühling Dein himmlisches Angesicht? Die Glocken tönen und läuten, Es webt und quillt in der Luft, Rings flüstert ein süßer Zauber, Und strömt ein Rosenduft. Durch meine Seele ergießt sich's Wie lodernder Rosenschein ... Du süße, du schöne, du hohe Geliebte, da dachte ich dein!


 
   
     
   
     
      © by Nora Runge - Alle Rechte vorbehalten