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  Das Eselsgeschrei
 

Nach dem Rollwagenbüchlein (Erklärung unten)

 

Ein Mönch in Poppenried, der die Pfarre dort versah, hatte eine so grobe Stimme, dass er zuweilen von Leuten, die ihn noch nicht auf der Kanzel gehört hatten, für von Sinnen gehalten wurde. Eines Tages, als er wieder droben stand und eben zu brüllen begonnen hatte, bemerkte er, wie ein altes Mütterchen in einer der vordersten Bänke die Hände zusammenschlug und in bitterliche Tränen ausbrach. Nach geendigter Predigt machte er sich draußen an sie heran und begehrte mit freundlichen Worten von ihr zu wissen, was sie denn zu so inniger Ergriffenheit bewegt habe; denn wenn er sich auch kein Scherflein von ihr erwarten durfte, so hätte er sich doch für sein Leben gerne eine gewaltige Zunge des Herrn nennen hören. "Bester, hochwürdigster Herr", sagte indessen das Mütterchen, sich die Augen wischend, "mein lieber Mann selig, als er auf sein letztes Laken zu liegen kam, der hat mir einen schönen jungen Esel vermacht, mir ganz allein, und ich habe ihn geliebt wie einen Sohn. Aber denkt Euch, nicht lange nach meines Mannes Tode, da ist mir das Eselchen auch verstorben. Als Ihr nun vorhin auf Eurer Kanzel mit einer so großen und starken Stimme anfinget zu schreien, habe ich gleich an meinen lieben Esel denken müssen, denn er hat Eure Stimme gehabt, ganz Eure Stimme, guter Herr."

 

Das Rollwagenbüchlin ist eine Schwanksammlung von Jörg Wickram. Die erste Ausgabe erschien 1555 in der Druckerei Knobloch in Straßburg. Der Autor Jörg Wickram war ein unehelicher Patriziersohn aus dem elsässischen Colmar. Seine ersten Werke waren Romane, Erzählungen und Fastnachtsspiele, sie erschienen dort ab 1530. Um 1555 musste er als Protestant seine Heimatstadt verlassen und wurde Stadtschreiber in Burkheim am Kaiserstuhl. Dort veröffentlichte er das Rollwagenbüchlin als sein neuntes (bekanntes) Werk.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rollwagenb%C3%BCchlin




 
   
     
   
     
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