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  Die Toiletten-Dusche
 

Ein warmer Sommertag neigte sich seinem Ende zu und es war an der Zeit, unsere Trabanten zum Abendessen einzusammeln.
Der Große saß mit seinem Freund auf der Bank im Hof.
Ihren geröteten Gesichtern sah man an, dass wieder „weltbewegende Themen“ diskutiert wurden. Wenn man gerade mal 13 Jahre alt ist, steckt die Welt voller Probleme.
„Stefan, wir wollen gleich Abendbrot essen.“
„Ja, ja, ich komme gleich. Ich muß nur noch schnell was mit Klaus besprechen.“
Diesen Spruch kannte ich. Das hieß, ich würde ihn noch einige Male bitten müssen.
Unser Kleiner spielte mit Nachbarkindern in der Sandkiste.
Also marschierte ich nach hinten, um ihn einzufangen. Das kann man wörtlich nehmen! Sobald er mich sah, ging das Murren los. „Ich will noch nicht rein. Die anderen dürfen auch noch draußen bleiben.“ Dann kletterte er aus der Sandkiste heraus und spurtete über die angrenzende Wiese. Zwar war ich – noch – schneller als er, aber er war im Hakenschlagen besser als ich.
Endlich konnte ich den Schlawiner packen.
„Ich bin aber gar nicht Roman.“
„Nicht? Na, dann will ich doch mal gucken, wen ich da eingefangen habe.“
Ich fuhr dem Kleinen mit der Hand übers Gesicht.
„Mmh, Du hast aber dolle Ähnlichkeit mit unserem Roman. Dann nehme ich Dich erstmal mit. Wenn ich Dich gebadet habe, werden wir sehen, wer Du bist.“
Dieses kleine Spiel zwischen uns wiederholte sich, sehr zum Vergnügen unseres Sohnes, jeden Abend.
Wir sammelten gemeinsam Schaufel und Backformen in der Sandkiste ein, und er hüpfte an meiner Hand vergnügt Richtung Heimat.
Sein Bruder saß noch immer auf der Bank, ganz vertieft im Gespräch.
„Stefan, denke daran, wir wollen essen.“ Ich glaube, er nahm mich gar nicht wahr.
Roman sauste in sein Zimmer.
Ich begab mich in die Küche, um das Abendessen vorzubereiten.
Nach einer Weile kam mein Mann zu mir: „Warum läuft denn im Bad ständig die Toilettenspülung?“- „Keine Ahnung.“ Von bösen Ahnungen getrieben, öffneten wir langsam die Badezimmertür. Unser vierjähriger Knirps begrüßte uns strahlend. „Mami, Du mußt mich nicht mehr baden, ich habe schon geduscht!“ Der Steppke stand ganz stolz im Toilettenbecken, drückte die Spülung und ließ sich das Wasser um die Beine rauschen. Nach anfänglicher Verblüffung, brachen wir in herzhaftes Gelächter aus. Ich schnappte mir unseren Filius, stellte ihn unter die Dusche und schrubbte ihn kräftig ab. Als er sauber und zufrieden im Schlafanzug steckte, hob ich ihn hoch vor den Spiegel: „Schau, ich habe den richtigen Burschen eingefangen!“
Der Abendbrottisch war gedeckt, nur unser Stefan glänzte in Abwesenheit.
Diesmal schickte ich meinen Mann an die Front. Nach wenigen Minuten saß die Familie vereint beim Abendessen.
Ich verfrachtete den Kleinen ins Bett. Es wurde, wie jeden Abend, eine längere Prozedur. Er ließ den ganzen Tag Revue passieren, erzählte mir aufgeregt von seinen kleinen Abenteuern. Dann war die nächste Geschichte von „Karlson auf dem Dach“ fällig. Während ich vorlas, schlummerte er sanft ein. Ich schloß leise die Tür.
Der Große verzog sich in sein Zimmer. Angeblich musste er noch ganz dringend Englisch-Vokabeln für den nächsten Tag üben.
Mein Mann und ich saßen bei einem Glas Rotwein auf dem Balkon. Endlich war Ruhe eingekehrt und wir konnten den Rest des Abends genießen. Leise strich ein Windhauch durch den Garten. In den Büschen zirpten hell die Grillen. Das Licht der Kerze auf dem Tisch tauchte alles in ein friedliches warmes Licht.
Im Nachherein dachten wir darüber nach, was dem Kleinen beim „Duschen“ in der Toilette hätte passieren können. Auf was für Ideen diese kleinen Racker kommen! Aber er hatte einen Schutzengel, der über ihn gewacht hat.
Bevor wir ins Bett gingen, machte ich, wie jeden Abend, nochmal meine Runde durch die Kinderzimmer. Der Kleine lag völlig entblößt am Fußende des Bettes. Vorsichtig legte ich ihm die Bettdecke über, um ihn nicht zu wecken. Unser Stefan war beim Lesen eingeschlafen. Allerdings war es nicht das Englischbuch, sondern seine geliebten „Abenteuer des Commander Perkins“. Ich nahm ihm das Buch aus den Händen und löschte das Licht. Auf dem Weg ins Badezimmer lächelte ich vor mich hin. Es war immer ein schönes Gefühl, zu wissen, dass beide Jungs sicher und geborgen in ihren Betten lagen. Auch wenn unsere beiden Rangen mich den ganzen Tag in Trab hielten, war ich dankbar und glücklich dafür, dass ich sie habe.

© Nora Runge




 
   
     
   
     
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