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  *ICH MOECHTE EINE MUSCHEL SEIN*
  von Duncan Smile Nach vielen Jahren eines Lebens, mit allen Erfahrungen, Einsichten und Ansichten, negativen und positiven Seiten, Schicksalsschlaegen, Erlebnissen, Gefuehlen und des Nachdenkens ueber die Vergangenheit – moechte evtl. dieser oder jener Mensch eine Muschel sein. Auf dem tiefsten Meeresgrund der Erde. 10.924 Meter tief im Marianengraben des Pazifiks. Dort wo noch kein Mensch vorgedrungen ist. Wo es keinerlei Intrigenlandschaften zu verzeichnen gibt. Dort wo Gefuehle nicht verletzt werden, kein Neid und keine Zerstoerung stattfindet – es sei, die Natur an sich haelt eine Katastrophe bereit, wie z.B. ein Meeresbeben. In einer Stille sondergleichen. Zwar Finsternis aber totale Ruhe – nur das Rauschen des Meeres. Die Muschel oeffnet sich wann immer sie will, und schliesst sich nach Gutduenken – gerade wie es ihr gefaellt. Ohne Formulare, Antraege, Genehmigungen, Schikane oder Drangsalierung. Auch Gefuehle, die Herz und Seele betreffen, finden in dieser Tiefe nicht statt – sind somit ausgeschlossen. Keinerlei Familienstreitereien, Ehekrisen, Trennungen und Scheidungen – mit dem nachfolgenden Schmerz, der die Seele sehr, sehr tief beruehrt, und fast unertraeglich werden laesst. Diskrepanzen mit erwachsenen Kindern sind nicht vorhanden. Eine Muschel auf dem tiefsten Meeresboden kennt solche Dramen nicht. Natuerlich hat auch so eine Muschel kein unendliches Leben – aber dafuer ein sehr, sehr ruhiges, nervlich gesundes, doch langes Leben. Die einzigste Gefahr solcher Muschel koennte Krankheit sein. Aber auch dort ist die Muschel keine „Versuchsmuschel“, wie an der Oberflaeche der Mensch, ein medizinisches Versuchskaninchen ist. Viele Menschen werden sagen, unsere Reisen mit vielen freudigen Ereignissen, Bekanntschaften, Freundschaften, lieben Menschen sind unbezahlbar und sind dankbar dies erleben zu duerfen. Stimmt. Aber … eine Muschel auf dem tiefsten Punkt der Erde kennt keine Reisen, keine Erlebnisse, keine Freunde, Bekannten oder auch nur Nachbarn. Die Muschel ist gluecklich, gerade weil sie dies alles nicht kennt, und nie kennenlernen wird – fuer ihr eigenes Ich gesuender. Denn auch „vermeintliche“ Freunde und Bekannte koennen sehr schnell zum Feind werden in der Menschenwelt. Eine Muschel, so tief im Pazifik, kann gefuehlsmaessig nicht so verletzt werden, wie der Mensch allgemein. Eine Muschel traegt sich nicht mit grossen Sorgen herum, hat im Sinne der Mnschheit keine Existenzprobleme und denkt auch nicht in sehr schwierigen Situationen an einen Suizid. Die Muschel auf dem Meeresgrund lebt. Sie lebt ihr Leben, ohne menschliches Dazutun. Sie lebt ohne die Gefahr Mensch. Sie lebt ohne das ihre Seele verletzt wird wie bei den Menschen. Sie lebt, wie es fuer Menschen unvorstellbar ist – und jemals sein wird. Menschen unter sich, ob in einer Beziehung oder als Single, verwunden sich mit Gefuehlen, die das Herz und die Seele beinahe toedlich treffen. Bis hin zu Vernichtung. Und da gibt es diese Muschel im Pazifik, die von diesen Gegebenheiten der Menschheit nichts weiss, nichts mitbekommt, und einfach gluecklich im Meer, weit, weit unten auf dem Meeresgrund lebt. Sie lebt wie die Menschen. Nur ihr Leben ist das Tiefseerauschen, die Stille, die Dunkelheit, und deshalb sage ich: "Ich moechte eine Muschel sein". © Duncan Smile 13.06.2008


 
   
     
   
     
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