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  Weihnachten 2009
 

von Duncan Smile

Wir kennen vermutlich alle die Situation, dass wir etwas hundertprozentig machen wollen, ohne Fehler, vorbildlich, und dann geht es daneben. Oder man ist sich in einer Entscheidung schluessig, nimmt daraufhin einen guten Vorschlag mit, hoert dort einen Rat, und am Ende ist man sich unschluessiger als vorher. Oft gibt es Situationen im Leben, in denen wir nicht wissen, wie wir uns am besten verhalten sollen. Auch, wie wir als Menschen handeln sollten, ist fuer viele oft nicht eindeutig. Der erste Schritt nach der Einsicht, dass es notwendig ist, umzukehren, anders zu denken und zu handeln, bedeutet, das eigene Verhalten zu aendern. Und dieser Schritt kostet oft viel Ueberwindung. Doch genau darauf kommt es an. Das zeigt, ob ich es ernst meine. Keine Absichtserklaerung, keine noch so tiefgehende Einsicht zeigt, ob ich ernst mache. Erst der erste Schritt macht deutlich, dass ich wirklich etwas aendern will. Romano Guardini hat es so formuliert: Â…*Ob einer im Leben Ernst macht, das erkennt man nicht an den grossen Entschluessen, sondern an der kleinen Arbeit tagaus und tagein*... Das Teilen – um es als Beispiel zu nehmen, gilt fuer alle, ob Bankier oder Sozialarbeiterin, Arbeitgeberin oder Arbeitnehmer. Uneingeschraenkt alle sollen teilen. Das, was sie teilen koennen. Kleidung und Nahrung, Hab und Gut, geistige Gueter, Lebenserfahrungen, Erkenntnisse und Einsichten. Es geht um Ermutigung, Trost, Mitteilung, Austausch. Aber auch den knallhart besagten Bissen Brot, den ich uebrig habe und das Gewand, das ich nicht mehr trage. An die selbstverstaendlichen sozialen Pflichten erinnern. Und ihnen koennen wir jeden Tag nachkommen und sollten es auch. Hinter der Frage *Was soll ich tun* ?, versteckt sich ja auch die Frage nach der persoenlichen Berufung und Bestimmung. Es geht um Orientierung, die die heutigen Menschen oft verloren haben. Statt Orientierung gibt es Unterhaltung, Komasaufen und Partys bis hin zu Orgien. Oder nur einseitiges *Leben*. Der Rufer aus der Wueste , wie ich oft auch zitiert werde, ist nicht zum mystischen Spinner geworden, oder leidet an Wichtigtuerei, sondern ist am Boden geblieben, nahe bei den Menschen, ihren Fragen und Beduerfnissen. Ich besitze eine gute Menschenkenntnis und ueberfordere nicht mit ueberzogenen Appellen. Ich erdruecke nicht mit unrealistischen Forderungen. Das, was ich sage, laesst sich umsetzen. In kleinen Alltagsschritten. Unser Menschsein bewaehrt sich in der Realitaet, in unserer Alltagswelt. In einer Scheinwelt laesst es sich leicht leben. Die Bewaehrungsproben kommen im Alltag – so meine eigenen Erfahrungen. Bei Wanderungen durch die Wueste Negev – in der ich wohnhaft war und welche ich sehr oft vornahm – werden immer wieder Menschen von Schlangen gebissen – und somit vergiftet. Es ist auch Gift, was unsere Gedanken und Gefuehle vergiftet und zerfrisst. Dies gilt insbesondere fuer das Hoeren, Sehen, Sprechen. Nicht umsonst habe ich eine Laufschrift ueber meinem Forum, die da lautet: *HINsehen - nicht BLIND sein - HINhoeren - nicht TAUB werden - Sprechen - nicht STUMM bleiben*. Mit dem Hoeren ist es ja so eine Sache. Auch wenn wir im physischen Sinn nicht taub sind, so hoeren wir doch nicht alles. Wir waehlen aus. Wir nehmen nicht all die Worte wahr, die an unser Ohr dringen. Fuer manche Stimmen sind wir einfach taub. Bei gewissen Worten sind wir schwerhoerig. Wir leihen nicht jedem und allem unser Ohr. So mancher Appell stoesst bei mir auf taube Ohren. Z.B. jeder medizinische Ratschlag. Als Kind schon habe ich den Satz gehoert: *Wer nicht hoeren will, muss fuehlen*. Das ist eine Drohung. *Hoeren“ heisst hier: ´gehorchen´.
Wer nicht hoeren will – auf einen guten Rat z.B. oder auf ein Verbot –, der muss selbst die Konsequenzen tragen, der muss am eigenen Leib die Folgen seines Nicht-Hoerens schmerzlich und seelisch fuehlen. Hinter diesem Nicht-Hoeren steckt u.U. eine bewusste Verweigerung: Ich will dich nicht laenger hoeren. Ich lasse mir von dir nichts sagen. Von dir nicht. Zur Sprache komme ich nur durch Hoeren. Hoeren ist urspruenglicher als sprechen. Reden lerne ich im Hoeren auf Menschen. Und im Hoeren lasse ich mir etwas sagen. Wahres Zuhoeren setzt grosses Verstaendnis voraus, das Wort des Anderen zu achten und wertzuschaetzen. Ja, in der Art, wie wir miteinander umgehen, gleichen wir oft dem Taubstummen. Wir reden zwar viel, aber es ist Geschwaetz, Small-Talk. Damit es nicht peinlich wird, plappern wir. Im Schwall der Worte merken wir gar nicht, wie wenig wir uns zu sagen haben. Die Taubstummheit verbirgt sich hinter viel Gerede. Wir sind freundlich, wir sind nett, und verstecken uns dahinter. Fuer Taubstummheit gibt es heute noch ein anderes Wort, naemlich *Unverbindlichkeit* im buchstaeblichen Sinn. Da ist nichts, was uns verbindet. Jeder/jede bleibt fuer sich. Und so Gegenargumente kommen, verstummt so manch eine Person in totaler Schweigsamkeit. Das ist das eine: Wir sind taub und stumm gegenueber unseren Mitmenschen, auch wenn wir Ohren haben zu hoeren, und eine Zunge zu sprechen. Wir hoeren nicht aufeinander, weil man ja selber alles besser weiss; und wir haben uns deshalb auch nichts mehr zu sagen. Das beste Beispiel hierfur wird in Internet-Foren bestaetigt. Lasst mich noch eines erwaehnen, was nicht unerwaehnt bleiben soll. Wir sind taub und stumm gegenueber unserem Mitmenschen; und wir sind taub und stumm geworden gegenueber Freunden, Bekannten, Verwandten und der Familie – so man solches besitzt. Wir sind aber auch taub und stumm gegenueber der Natur, und zwar sowohl gegenueber der Natur, die uns umgibt und zu der wir gehoeren, als auch gegenueber der Natur in uns selbst. Wir haben es verlernt, auf den Rhythmus der Natur zu hoeren und auf den stummen Schrei und das Seufzen der Kreatur. Gibt es jemanden, der uns die verstopften Ohren wieder aufbohrt und uns die gelaehmte Zunge loest ? Nein, nur wir selbst koennen uns helfen – und muessen uns helfen. Taub sein und stumm sein bedingen einander. Wer nicht hoeren kann oder will, vermag normalerweise auch nicht zu sprechen. Wer die Worte der Liebe und des Herzens nicht hoert oder nicht hoeren will, kann auch keine sprechen. Aber wenn erst einmal das Ohr frei ist, dann loest sich auch automatisch die Zunge. Zum menschlichen Leben gehoert Hoeren und Sprechen. Menschliches Leben ist naemlich gemeinschaftsbezogen. Nur durch die menschliche Gemeinschaft wird der Mensch zum Menschen. Und im Hoeren und Sprechen vollzieht sich wesentlich menschliche Gemeinschaft. Ohne Hoeren und Sprechen, ohne diese Kommunikation, gehen wir Menschen zugrunde und zerbrechen. Auch taubstumme Menschen im buchstaeblichen physischen Sinn – also Gehoerlose – lernen es, zu hoeren und zu sprechen ohne Ohren und ohne Zunge. Sie hoeren mit den Augen, sie hoeren mit der Haut und sie sprechen mit ihren Haenden und Lippen durch Gebaerden und Zeichen. Ich habe gehoerlose Menschen in den Staedten Israels gesehen, die haben mehr verstanden als viele Hoerende. Und ihre Sprache war offen und klar und unmissverstaendlich, weil sie keine leeren Worte machen konnten, wie die meisten Menschen. Die wahre Taubheit und Stummheit sitzt nicht im Ohr und nicht in der Zunge sondern in der Seele und des Herzens jedes einzelnen Menschen. Die wahre Taubheit, als auch Sprachlosigkeit ist eine Folge von Angst und Verletztheit, ein Selbstschutz, und sie kann nur geheilt werden durch eine Liebe, die groesser ist als die Angst, und in der Kraft eines Urvertrauens. In diesem Sinne geht es auch bei Weihnachten um die kleinen Schritte, die doch so wesentlich sind. Advent - Zeit der Verstaendnis, der Besinnung, der Einkehr, der Lebensveraenderung. Ich mache uns Mut, mit Freuden die ersten Schritte zu setzen an den Punkten, an denen wir einsehen, dass wir etwas veraendern wollen und sollen. Das herzliche Feuer schenkt uns die Freude und die Motivation, die wir doch alle brauchen. Allen eine ruhige, friedliche, familiaere, genussreiche und mit Liebe gestaltete, als auch erlebte Weihnachten 2009.

© by Duncan Smile




 
   
     
   
     
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