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Geschichten & Märchen

Seltsames Roßfutter

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von Ludwig Aurbacher (1784 - 1847)

Der Müller von Knorringen war weit und breit in der Gegend als kurioser Mann bekannt, der allerhand seltsame Streiche machte.Und also wunderten sich die Bauern nicht, die zu Grünwiesen im Wirtshaus um den Ofen herum saßen, daß er noch spät abends, bei grimmiger Kälte, zu Pferd ankam; wohl aber darüber, was er weiter tat. Nachdem er nämlich in die Stube getreten und sich drin umgesehen hatte, sagte er zur Kellnerin: sie solle eine Schüssel voll Salat mit Essig und Öl und harten Eiern drauf zurichten lassen für sein Roß. Die Bauern dachten bei sich: das gibt wieder so einen Spaß, von dem man erzählen kann. Als der Salat fertig war, ließ er  ihn wirtlich in den Stall tragen für sein Roß, und die Bauern folgten alle neugierig der Kellnerin, zu sehen, wie es dem Vieh schmecke. Inzwischen setzte sich der Müller gemächlich auf die Ofenbank, breitete seinen Mantel aus, und ließ sich wohl sein. Nach einer Zeit kam die Kellnerin zurück mit den Bauern und sagte: "Das Roß frißt den Salat nicht." "Nicht?" sagte der Müller, "nun, so freß ich ihn"; und setzte sich an den Tisch und aß. Drauf, nachdem er die Zeche bezahlt, holte er sich den Mantel vom Ofen, und sagte höflich zu den Bauern: "Habt Dank, daß ihr mir Platz gemacht!" und ging weiter. Jetzt merkten erst die Bauern, daß er sie gefoppt habe, der vermaldeite Müller. Und wenn der günstige Leser das Stücklein nicht glauben mag, so geh er nach Grünwiesen und verlange nur im Wirtshaus, so laut, daß es die Bauern hören mögen, Salat mit Essig und Öl und harte Eier drauf; er gebe aber acht, daß ihm die Speise nicht versalzen werde.

Themen: Anekdoten und Kurzgeschichten aus vier Jahrhunderten