
Geschichten & Märchen
*ABENTEUER*
0 AufrufeEin Besuch im Konsulat war fuer Jankele und Sahrale angesagt - und musste auch sein - so ungern sie dies wollten, aber sie benoetigten einen Stempel dieser Administration. Welch ein Tag, als sie aus dem Fenster sahen - nichts als Regen.
Nach mehrmaligen Umsteigen in dieser grossen Metropole, in der sie sich nicht auskannten, fanden sie trotzdem die angegebene Strasse,
wo sich das Heiligtum befinden sollte.
In der Bibel steht: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde...", dies aber haette besser heissen sollen: "Am Anfang schuf Gott Wachhaeuschen und Sicherheitsbeamte...".
Solch ein Wachhaeuschen stand am Strasseneingang und war mit einem Soldaten bestueckt. Imponierend, grimmig und zum Nahkampf ausgeruestet.
Ausgerechnet hier musste Sahrale einfallen, sich ein Kaugummi aus ihrer Handtasche herauszusuchen - sehr verdaechtig. Denn sowohl die Handtasche, als auch das Kaugummi oder sogar in der Kaugummipackung koennten Sprengsaetze enthalten sein. Schweissausbrueche bei Jankele hatten dies zur Folge. Auf eine Begruessung der beiden wurde natuerlich nicht reagiert. Warum auch ? Schliesslich steht der Soldat dort, um einen Angriff abwehren zu koennen und nicht, um dumme Leute zu begruessen.
Auf der anderen Strassenseite (die gesamte Strasse war aus "Sicherheitsgruenden" total gesperrt) standen zwei arme "Wuerstchen" mit Regenmaenteln und Schirmen und unterhielten sich. Sicherlich zwei Freunde und Nachbarn die einen kleinen Meinungsaustausch hatten. Einsam und allein wechselten diese ihre Worte.
Jankele und Sahrale ueberquerten die Strasse, um zu dem Konsulat zu gelangen, welches natuerlich schon von weitem durch seine Kameras, Eisentore und Sprechanlagen zu erkennen war. Sogar ein Blinder wuerde dieses nicht verfehlen.
Aber.......
noch nicht einmal in der Mitte dieser "Hochsicherheitsstrasse" angelangt, setzten sich die zwei "Wuerstchen" in Bewegung und - oh Schreck ! - entpuppten sie sich als israelische Sicherheitsbeamte - wer haette das gedacht ?!
Welch eine grandiose Tarnung. Der Film begann abzulaufen:
Regen, Gestalten, Lodenmaentel, versteckte Mikrophone, Morgengrauen...
Ja, so wie aus einem Polit-Thriller im Fernsehen kam es Jankele und Sahrale vor - und nun waren sie mitten drin. Wow. Und waren auch noch Darsteller. Die Kaelte schoss hoch. Alle unangenehmen Gefuehle stiegen auf zu ihren Herzen - umklammerten dieses, und der Herzschlag war bis zum Hals der beiden zu spueren, die an diesem duesteren, unangenehmen Tag ja nur in das Konsulat wollten.
Damit keinerlei Missverstaendnisse auch nur im Geringsten entstehen konnten, sprach Jankele sofort diese zwei Beamten in deren Landessprache an. Laechelnd natuerlich - obwohl ihm beileibe nicht danach zumute war. Kaum angesprochen, kamen auch schon wie ein Wasserfall die "lieben Fragen":
"Wieso hier? Fuer was hier? Wie lange schon hier (in der Stadt)? Wie lange Jankele und Sahrale bleiben wollen? Wann sie wieder zurueck fliegen? usw. usf. ...
Einfach herrlich und romantisch - im Regen (wundervoll), inmitten einer europaeischen Hauptstadt solche Idylle. Jeder Regisseur haette sich fuer eine solche Szene die Finger abgeleckt. Auch die Ehefrau, Sahrale, gab "freudig" Auskunft ueber die familiaeren Verhaeltnisse. Es war fuer diese beiden Menschen ein richtig nettes Plauderstuendchen in jeglicher Hinsicht.
Nachdem der Wissensdurst dieser zwei Beamten und die Mitteilsamkeit von Jankele und Sahrale am besagten Morgen gestillt war, diese auch die Paesse des Ehepaares begutachtet hatten, dabei aber feststellten, dass diese zwei Tage abgelaufen waren, und dann auch den Grund des Erscheinens von dem Ehepaar begriffen, begab sich einer dieser 'besorgten' Beamten in Richtung Heiligtum - dem Konsulat. Welche Ehre fuer Jankele und Sahrale - eine menschliche Eskorte - das war etwas, was man nicht jeden Tag erleben durfte.
Natuerlich, und das steht doch ausser Frage, muss sich auch ein netter, sich um die in seinem Schlepptau befindlichen Personen sorgender Beamter am Eisentor anmelden.
Jankele und Sahrale staunten nicht schlecht, das Eisentor ging ploetzlich wie von Geistern geleitet auf - ganz allein, wie von Zauberhand. Jankele und Sahrale freuten sich immer noch ueber so viel Anteilnahme und Besorgnis dieser Bediensteten, tippelten brav hinter dem Beamten her - um dann von diesem ploetzlich gestoppt zu werden. Erschrocken - denn immer noch ausserhalb des Gebaeudes - im Regen. Was war passiert ? Hatte dieser einen unsichtbaren Wink bekommen, evtl. einen Lufthauch verspuert, der hier nichts zu suchen hatte ? Sekunden wurden zur Ewigkeit. Aber dann war die Erleichterung gross, dass es nichts schlimmes sein konnte, denn der Beamte klappte ein Brett, welches an der Wand hing, hoch - und es entstand ein Tisch. Jankele freute sich riesig. Hier also werden Gaeste empfangen. Bestimmt wird hier der 'Willkommenstrunk' gereicht. Na hoffentlich wird der Kaffee mit Milch und viel Zucker angeboten. Klasse, freuten sich beide ueber soviel Aufmerksamkeit und Gastfreundschaft. Also im Service sind die Spitze, dachte Jankele - eigentlich fehlten nur noch die Stuehle - nur der Regen stoerte irgendwie...
Aber sie wurden enttaeuscht. Unmissverstaendlich machte dieser nun nicht mehr so freundliche Mensch klar, alle Gegenstaende auf diesen wunderschoenen, vermeintlichen Kaffeetisch zu legen. Jankele durfte zuerst anfangen - welche Ehre - welche Hoeflichkeit. Obwohl Jankele sehr viel zuhause gelassen hatte, wie Kamera, Nagelfeile etc., kam doch sehr viel noch zum Vorschein. Feuerzeug, Handy, Stempel, Brieftasche, Terminplaner und so weiter. Aber dem Herrn war das nicht genug - auch der Guertel musste abgelegt werden. Jankele verstand, dass es endlich einmal an der Zeit war, diese Dinge einmal zu lueften und durch den Regen reinigen zu lassen - und alles kostenlos - wirklich eine nette Art der Mitteilung einer Besorgnis.
Sehr beglueckt wurde Jankele, als er freudig erfuhr, dass er seine Schuhe auch entlueften durfte. Also zog er diese aus, damit er seine Struempfe auch schon einmal einer sogenannten 'Vorwaesche' unterziehen konnte. Auch nach einem solchen langen Fussmarsch war es sehr wohltuend, diese Kaelte der Mormortreppen zu verspueren. Herrlich. Jankele wurde es warm ums Herz ueber soviel Anteilnahme und Besorgnis um seine Gesundheit vonseiten der Beamten.
Natuerlich nahm man dann auch die Schuhe von Jankele und brachte diese innerhalb des Hauses. Dort ueberpruefte man diese bestimmt sehr sorgfaeltig auf eingetretene Naegel, und wird die Schuhe bestimmt dann sauber wiederbringen, denn Naegel fanden sie nicht. Man stelle sich vor, ein Nagel wuerde Jankele beim Gehen verletzen. Waehrend die Schuhe auf Maengel untersucht wurden, durchblaetterte der freundliche Beamte den Terminplaner von Jankele, um evtl. Schreibfehler zu finden, um dann darauf aufmerksam zu machen. Aber er fand keine Schreibfehler - welch ein Glueck. Jankele traten beinahe die 'Freudentraenen' in die Augen. Sahrale hatte nicht so viel Glueck wie Jankele. Nur einige Dinge durfte sie auf den Tisch legen und schon war es fuer sie vorbei. Vielleicht sah Sahrale auch gesund genug aus, sodass man sich keinerlei Sorgen um ihr Wohlbefinden machen musste.
Nunmehr, welch eine Freude, durfte das Ehepaar das 'Heiligtum - Konsulat' betreten.
Jankele und Sahrale staunten nur so ueber diese Modernitaet und den Fortschritt der Technik in diesem Hause.Tueren oeffneten und schlossen sich - automatisch. Verdunkelte Scheiben im Inneren der Raeume. Jankele wusste, dass dies zum 'Wohlfuehlen' dazu gehoerte. Man ist eben dann fuer sich allein - ungestoert - zum Wohle der Besucher - von Gaffern entfernt.
Am so genannten 'Schalter' der Beduerfnisse angelangt, musste das Ehepaar feststellen, dass die Hausherren nicht die Hand zum Grusse ausstrecken konnten, denn alles wurde mit einer sehr dicken Glasscheibe getrennt. Zur Verstaendigung waren dort kleine schwarze Mikrophone angebracht - die aber auch automatisch arbeiteten bei der netten Konversation.
Weitdenkend und weltbewandert wusste Jankele, warum dies so war.
Bei all den Besuchern, die natuerlich auch nur das Beste wollen, koennten sich ansteckende Krankheiten, krebserregende Zellen, Bazillen, Aids oder sonstiges dort einnisten. Diese wuerden somit unschuldige Menschen erkranken lassen durch eine Ansteckung einiger Leute aus dem normalen Volk. Sehr auf die Gesundheit bedacht diese Hausherren, laechelte Jankele verstaendnisvoll vor sich hin.
Auch Papiere wurden durch eine so ganannte Schleuse hin- und hergeschoben. Ach ist das herrlich, freute sich das Ehepaar - und machte richtig Spass - denn alle, hueben und drueben dieser dicken Scheibe laechelten sich menschenfreundlich an. Beschwingt und gut gelaunt gab die dortige Hausherrin jeweils den benoetigten Stempel auf die Papiere. Ein Sprichwort besagt: "Immer wenn es am schoensten ist, soll man den Ort verlassen". Leider mussten dies auch Jankele und Sahrale erfahren. Hatten sie sich so heimisch gefuehlt, von netten Menschen umgeben - aber nun mussten sie gehen. Diesen anmutenden Platz der Freude verlassen. Natuerlich, wie sollte es anders sein, oeffneten und schlossen sich wieder die Tueren, und sie standen wieder im Regen auf der Strasse. Aber ausser dem Soldaten an der Strassensperre befand sich niemand mehr auf der Strasse - vermeintlich, denn man weiss ja nie. Ein Laecheln von Jankele und Sahrale wurde aber nicht erwidert. Dafuer aber eine sehr grimmige Miene, und das Maschinengewehr wurde fuer einen evtl. Grossangriff zurechtgerueckt.
Jankele und Sahrale verliesen diesen himmlischen Ort, liessen sich in einem Kaffeehaus nieder und freuten sich, wieder ein Abenteuer des Nahen-Ostens - versetzt in eine europaeische Hauptstadt - erlebt und ueberstanden zu haben. Es gibt eben Dinge im Leben, die es sich lohnt, erleben zu duerfen.
Jankele ueberlegte aber, ja machte sich Sorgen, wie diese netten Leute etwas verbessern koennten. So ein Konsulat sollte nicht nur eine Strasse sperren, nein sollte die Freude aller vergroessern - ein ganzes Viertel sollte seiner Meinung nach gesperrt werden. Nicht nur ein Wachhaeuschen, sondern alle fuenf Meter eines, und mit jeweils vier Soldaten, damit diese auch mal Karten spielen koennen. Das Viertel sollte dann mit Panzern, die umweltfreundliche Farben haben, bestueckt werden, damit es nicht zu militaerisch aussieht - ganz einfach dem Stadtbild anpassen. An eine Luftueberwachung waere natuerlich auch zu denken. Kampfhubschrauber waeren angebracht und das ideale Einsatzmittel zur staendigen Ueberwachung des Viertels. Auch dies koennte man menschenfreundlich gestalten. Als Beispiel koennten diese niedlichen Helicopter jeden Dienstag und Donnerstag Bonbons fuer die Menschen auf den Strassen abwerfen. Die Freude wuerde ueberdimensional gross sein. Natuerlich muessten Notarztwagen und mindestens ein Fluegel des groessten Krankenhauses vor Ort mit den dazugehoerenden Aerzten Tag und Nacht bereitstehen. 'Dann', aber auch nur dann waere vielleicht eine klitzekleine Sicherheit zu verspueren.
Sollten sich auch dann noch eigene 'Landsleute' in dieses Viertel wagen, ist natuerlich sofort der Krisenstab einzuberufen und Alarmstufe 1 anzuordnen.
Jankele war zufrieden und seelig zugleich mit seinen Ueberlegungen und deren Verbesserungen. Vielleicht teilt er dies alles einmal den lieben Menschen dort in der Strasse mit, und wird dann gefeiert mit seinen genialen Ideen zum Wohle der Menschheit.
Suchet, so werdet ihr (es) finden...., heisst es so schoen. Jankele gibt sich seinen Gedanken frei hin,..... die Bezwingung der Angst der Aengste, der eigenen Angst, der erzeugten - kollektiven Angst. Es gibt aber andererseits sehr viel zu tun, um die Angst innerhalb einer Familie, des Freundeskreises, bei Bekannten und Verwandten, sowie bei allen Menschen sesshaft werden zu lassen.
DUNCAN SMILE
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