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Gedichte & Balladen

Sommer - Sonntag - Sonnenschein

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von Wilhelm Busch (1832-1908) Sommer - Sonntag - Sonnenschein. - Blühende Kirchhofslinde Nickt durchs zerbrochene Fenster hinein Der Kirche im Morgenwinde. Vogel fliegt dort ein und aus Friedlich am Sonntagmorgen, Oben im stillen Gotteshaus Glaubt er sein Nest geborgen. Kirche - Orgel und Choral, Warm ist's im Kirchenraume; Dorfes Mütterchen allzumal Nicken behaglich im Traume. Still Gesang. Das Wort beginnt: Gott kommt in Strafgewittern; Worte so da geschrieben sind: Heulen und Kniezittern. - Jeder Schläfer fährt so bang Auf aus behaglichem Traume. Doch der Vogel, der Vogel sang Laut ein Lied in dem Raume. War ein Lied vom Sonnenschein, Frühling und Frühlingstriebe: War ein Lied so hell und rein; Frühling und Gottes Liebe! Dummen Vogels dummes Lied, Dachte der Küster verdrossen. Als er, der letzte, die Kirche mied, Hat er das Nest zerstoßen. Ängstlich flattert das Vögelein In der blühenden Linde, Die da nickt zum Fenster hinein Der Kirche im Morgenwinde.