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Geschichten & Märchen

OSTERN/PESSACH 2009 von Duncan Smile

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*SELBSTVERSTAENDLICHKEITEN ?* Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Abwrackpraemie, Amoklaeufe, Morde, Familientragoedien, Vergewaltigungen, Babymorde, Pleiten und Augenwischerei der Politiker, die die „Herde“ Buerger im Zaum und Griff halten. Dinge des heutigen, normalen Lebens und Zustandes. Und wie sieht es wirklich aus ?. Westeuropa, das genug Essen und Brot hat, weiss, dass Brot allein nicht gluecklich macht. Dazu gibt es viel zu viele unglueckliche Menschen. Da mehr Brot vorhanden ist, als wir essen koennen, und auch genug an vielen anderen irdischen Gaben, die uns das Leben besser, schoener. ertraeglicher und leichter machen, wissen wir, dass irdische Gueter allein, nicht alles sind, was man zum Leben braucht. Aber ohne Brot koennten wir gar nicht leben. Sehr, sehr viele Menschen auf dieser Erde koennten uns erzaehlen, wie es ist, wenn man nicht genug Brot und Essen zum Leben hat, wenn es an den elementarsten Dingen fehlt wie sauberes Wasser, eine warme Mahlzeit am Tag, Medikamente, eigene vier Wände usw. usf.. Und auch einige Menschen hier – so nehme ich mal stark an –, koennen sich an Zeiten erinnern, wo es nicht genug Brot zum Leben gegeben hat. Z.B. die Jahre zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg – oder auch danach, die Weltwirtschaftskrise –wie sie ja nun auch weltweit herrscht, eine Zeit, in der sehr viele Menschen und Familien am Existenzminimum leben mussten – und heutzutage muessen. Es gab keine ausreichende Krankenversorgung, kein soziales Netz. Die Generation meiner Eltern und Grosseltern haben sehr schwierige Zeiten erlebt, einen Weltkrieg (oder sogar zwei), sie haben die Verfuehrung durch den Nationalsozialismus erlebt, sie haben zweimal die schreckliche Nachkriegszeit erlebt mit bitterer Armut, Schwarzmarkt, Hamsterkaeufen und fremden Soldaten im Land. Um Brot zu bekommen, hat man sogar seinen Schmuck eingetauscht – und manche Frauen verkauften ihren Koerper - um ihre Familie ernaehren zu koennen. Sie haben am eigenen Leib erlebt, wie es ist, wenn man zuwenig zu essen hat. Vielen ist es noch viel schlechter ergangen. Sie haben Menschen im Krieg verloren; viele haben ihr ganzes Hab und Gut verloren. Gar nicht zu reden von den Schrecken und der Verfolgung/Ausrottung, die wir als Juden erleben mussten. Wie anders ist da mein Leben verlaufen, und das Leben der meisten Menschen in meiner Generation hier in Europa oder auch in Israel. Ich bin in eine Welt hinein geboren, wie es sie noch nie zuvor gegeben hat. Historisch gesehen ein Ausnahmezustand in Europa: seit mehr als 60 Jahre Frieden auf diesem kleinen Teil unseres Planeten, ein wachsender Wohlstand, ein dichtes soziales Netz (zumindest bis jetzt – trotz Hartz IV), ein Leben in Freiheit unter hervorragenden Lebensbedingungen. Wie es in und um Israel bestellt ist, steht auf einem anderen Blatt … In meiner Generation kennt man gar nichts anderes. Ja, wir sind uns dessen gar nicht mehr bewusst, in welcher gluecklichen Lage wir uns eigentlich befinden. Noch nie zuvor gab es eine so lange Periode in Frieden und Freiheit und Wohlstand fuer Europa. Es ist die Gnade der spaeten Geburt – der Nachkriegs-Kinder. Der Normalzustand dieser Welt ist auch heute aber noch ein ganz anderer. Armut, Krieg, Terror, Vertreibung, Herzens- und Gefuehlskaelte, Folter, Korruption, das Recht des Staerkeren – das ist leider noch immer der Normalzustand dieser Welt fuer die meisten Menschen. Ja, wir haben uns so sehr an diesen Wohlstand gewoehnt, dass viele ihn gar nicht mehr zu schaetzen wissen: Die Heizung im Winter, die warme Dusche, die Waschmaschine, den Supermarkt um die Ecke, die Urlaubsreisen in ferne Laender, das Auto, Krankenhaeuser und Schulen usw. – alles Dinge von denen drei Viertel der Weltbevoelkerung oft nur traeumen koennen. Viele Menschen, die Religioesen, die jeden Tag beten und betteln – „Unser taegliches Brot gib uns heute“ – tun das buchstaeblich mit leeren Haenden – aber da hilft auch keine Religion und kein Beten. Wir haben uns so sehr an diesen Wohlstand gewoehnt, dass wir schon wieder sehr, sehr sorglos damit umgehen. Wir verschwenden Gueter und Energie, wir betreiben Raubbau an der Natur, wir veraendern unser Klima – hauptsaechlich die Grosskonzerne, welches die Poliiker wiederum dem Buerger anlasten und ihn regelrecht abzocken. Wir haben mehr Brot, als wir essen koennen. In Deutschlands Grosstaedten wirft man jeden Tag so viel Brot weg, wie mehrere afrikanische Laender an einem Tag essen wuerden. Und Europa beschwert sich, so Fluechtlinge in ein Land kommen, weil sie der Armut und Not in ihren Heimatlaendern entfliehen. Ein ganzes Heer von Fluechtlingen koennte von dem, was alles weggewerfen und entsorgt wird, besser leben als sie es jemals zuvor konnten. Warum fallen wir uns aus Freude ueber unser Glueck eigentlich nicht taeglich um den Hals ?. Warum sind wir Glueckskinder oft so missgestimmt, depressiv, unzufrieden ?. Warum leiden viele an Uebergewicht oder an diversen Zivilisations-Krankheiten und Suechten ?. Warum macht uns der Wohlstand krank ?. Sind wir inmitten des Wohlstandes, der sozialen Sicherheit, der Rund-um-Krankenversorgung unfaehig geworden zum Glueck ?. Fehlt uns etwas ?. Am Brot allein werden wir zugrunde gehen. Wir koennen es heute geradezu mit Haenden greifen, dass eine Wohlstandsgesellschaft am Brot allein kaputt geht. Wenn Geiz geil ist – wie es eine TV-Werbung immer wieder vergaukelt - und immer mehr Menschen inmitten des Ueberflusses in die NICHT selbstverschuldete Armut schlittern, wenn einige Millionen scheffeln – wie diese selbsternannten Manager, die noch hoch belohnt werden fuer ihre Verbrechen, und Europa Wirtschaftsfluechtlinge abschieben muss, weil das Boot angeblich voll ist, dann ist es um die Zukunft dieser Gesellschaft nicht gut bestellt. Am Brot allein sterben wir den Wohlstandstod oder den sozialen Kaeltetod. Und das ist absolut kein natuerlicher Tod. Er ist der Preis fuer die Welt- und Europa - Suende, der Preis, den alle bezahlen muessen fuer den Neid, die Gier, die Masslosigkeit, fuer Verschwendung und fuer eine alltaegliche bornierte Politik – die mit Realitaetssinn nichts mehr zu tun hat. Dies sollten/muessten so kleinere Denkanstoesse sein, die an den kommenden Feiertagen evtl. eines Gedanken wert sind. Allen geruhsame, nachdenkliche, friedvolle und glueckliche Ostern. Awiw higi'a - Pesach ba. Auch ich wuensche frohe und koschere Pessachtage: 'Pessach sameach we kascher' © by Duncan Smile

Themen: DUNCAN SMILE