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Gedichte & Balladen

Der Apotheker

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von Friedrich Rückert (1788-1866) Kam ein alter, rost'ger, Kalter, frost'ger, Dürrer, eingeschrumpfter, Abgestumpfter, Arzneienschmecker, Gläserlecker, Apotheker, langsam, Mühvoll-gangsam, Durch den Garten schleichend, Und sah keuchend Bäum' und Pflanzenarten An im Garten, Um die Eigenschaften, Die da haften An den schönen Sachen, Auszumachen: Was für blöde Augen Mochte taugen? Was für Ohrenklingen Aufzubringen? Und was auszuwittern Wider's Zittern? Was die Gicht in Fingern Möchte ringern? Und was die in Füßen Auch versüßen? Was für Gliederreißen Gut zu heißen? Was das Lungenkeuchen Mag verscheuchen? Wider Magendrücken Was zu pflücken? Wider Seitenstechen Was zu brechen? Und was abzurupfen Wider'n Schnupfen? Woraus Tee zu kochen Zur Sechswochen? Nüchtern was zu kauen Zum Verdauen? Was sich ließ im stillen Dreh'n zu Pillen? Was sich gut verbergen In Latwergen? Was man kann bestimmen Zum Bauchgrimmen? Was sich läßt vereinigen Zum Blutreinigen? Was zusammenscharren Zu Katarrhen? Als so weit beklommen Er gekommen; Sah ich Bäume wanken Wie die Kranken, Daß von welken Stielen Blätter fielen, Und am Boden klebten Gleich Rezepten. Als fortfuhr das Mustern, Ward zu hustern Aller Nachtigallen Liederschallen; Und die Rosenhecken All vor Schrecken Wurden leichenfarber Als Rhabarber.