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Gedichte & Balladen

Der geplagte Bräutigam

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von Theodor Körner (1791-1813) Im ganzen Dorfe geht's Gerücht, Daß ich um Grethen freie; Sie aber läßt das Tändeln nicht, Die Falsche, Ungetreue! - Denn Nachbar Kunzens langer Hans Führt alle Sonntag sie zum Tanz Und kommt mir ins Gehege - - Man überlege! - Auf künft'ge Ostern wird's ein Jahr, Da faßt' ich mich in Kürze - Und kaufte ihr (das Ding war rar) Ein Band zur neuen Schürze; Und an dem zweiten Feiertag, Just mit dem neunten Glockenschlag, Bracht ich ihr mein Geschenke - - Man denke! - Ich hatte nämlich räsoniert Den Tag vorher beim Biere: Wenn ich sie mit dem Band geziert Zum Abendtanze führe, So sag' ich alles lang und breit, Und breche die Gelegenheit Im Fall der Not vom Zaune - - Man staune! - Drauf hatt' ich mich schön angetan, Als ging's zum Hochzeitsfeste! Ich zog die neuen Stiefel an, Und meines Vaters Weste; Doch als ich kam vor Grethens Haus, War auch der Vogel schon hinaus Mit Hansen in die Schenke - - Man denke! - Das faßte mich wie Feuerbrand, Der Zunder mußte fangen; Da kam, um seinen Hut mein Band, Der Musjö Hans gegangen; Nun sprüht' ich erst in voller Wut, Er wurde grob, - kurz und gut, Ich kriegte derbe Schläge; - - Man überlege! - Den Tag darauf an Grethens Tür Lauscht' ich als Ehrenwächter. Da schallte aus dem Garten mir Ein gellendes Gelächter. Und als ich habe hingeschaut, Da saß denn meine schöne Braut Mit Hansen hinterm Zaune, - - Man staune! - Das fuhr mir arg durch meinen Sinn, Das Wort blieb in der Kehle; Des andern Morgens ging ich hin, Und hielt ihr's vor die Seele; Und sagt' ihr's endlich grad heraus: "Hör', Grethe, mach' mir's nicht zu kraus, Sonst geh' ich meiner Wege." - - Man überlege! - Da lachte sie mir ins Gesicht Und kehrte mir den Rücken. Ja, wenn der Hans den Hals nicht bricht, So reiß ich sie in Stücken! Sonst bringt sie es gewiß so weit, Daß ich mich noch bei guter Zeit Im nächsten Teuch ertränke! - Man denke! -