← Zurück zur Liste

Gedichte & Balladen

Vom künftigen Alter

0 Aufrufe
von Friedrich Rückert (1788-1866) Der Frost hat mir bereifet des Hauses Dach, Doch warm ist's mir geblieben im Wohngemach. Der Winter hat die Scheitel mir weiß gedeckt; Doch fließt das Blut, das rote, durchs Herzgemach. Der Jugendflor der Wangen, die Rosen, sind Gegangen, all gegangen, einander nach. Wo sind sie hingegangen? Ins Herz hinab; Da blühn sie voll Verlangen, wie vor so nach. Sind alle Freudenströme der Welt versiegt? Noch fließt mir durch den Busen ein stiller Bach. Sind alle Nachtigallen der Flur verstummt? Noch ist bei mir im Herzen hier eine wach. Sie singet: "Herr des Hauses! verschleuß dein Tor, Daß nicht die Welt, die kalte, dring ins Gemach! Schleuß aus den rauhen Odem der Wirklichkeit, Und nur dem Duft der Träume gib Dach und Fach!" Ich habe Wein und Rosen in jedem Lied Und habe solche Lieder noch tausendfach. Vom Abend bis zum Morgen die Nächte durch, Will ich dir singen Jugend und Liebesach.