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Gedichte & Balladen

Am stillen Herd

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von Wilhelm Richard Wagner (1813-1883) Aus Die Meistersinger von Nürnberg Am stillen Herd in Winterszeit, Wenn Burg und Hof mir eingeschneit, Wie einst der Lenz so lieblich lacht', Und wie er bald wohl neu erwacht', Ein altes Buch, vom Ahn' vermacht, Gab das mir oft zu lesen: Herr Walther von der Vogelweid', Der ist mein Meister gewesen. Wann dann die Flur vom Frost befreit, Und wiederkehrt die Sommerszeit, Was einst in langer Winternacht Das alte Buch mir kundgemacht, Das schallte laut in Waldespracht, Das hört' ich hell erklingen: Im Wald dort auf der Vogelweid', Da lernt' ich auch das Singen. Was Winternacht, Was Waldes Pracht, Was Buch und Hain mich wiesen; Was Dichtersanges Wundermacht Mir heimlich wollt' erschließen; Was Rosses Schritt Beim Waffenritt, Was Reihentanz Bei heit'rem Schanz Mir sinnend gab zu lauschen: Gilt es des Lebens höchsten Preis Um Sang mir einzutauschen, Zu eig'nem Wort und eig'ner Weis Will einig mir es fließen, Als Meistersang, ob den ich weiß, Euch Meistern sich ergießen.