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Gedichte & Balladen

Sporenwache

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von Stefan George (1868 - 1933)

Die lichte zucken auf in der kapelle °
Der edelknecht hat drinnen einsam wacht
Nach dem gesetze vor altares schwelle °
"Ich werde bei des nahen morgens helle
Empfangen von der feierlichen pracht

Durch einen schlag zur ritterschar erkoren °
Nachdem der kindheit sang und sehnen schwieg
Dem strengen dienste widmen wehr und sporen °
Und streiter geben in dem guten krieg.

Ich muss mich würdig rüsten zu der wahl °
Zur weihe meines unbefleckten schwertes
Vor meines gottes zeit und diesem mal °
Dem zeugnis echten heldenhaften wertes:"

Da lag der ahn in grauen stein gehauen °
Um ihn der schlanken wölbung blumenzier
Die starren finger faltend im vertrauen °
Auf seiner brust gebreitet ein panier °

Den blick verdunkelt von des helmes klappen -
Ein cherub hält mit hoch erhobner schwinge
Zu häupten ihm den schild mit seinem wappen °
In glattem felde die geflammte klinge.

Der jüngling bittet brünstig Den da oben
Und bricht gelernten spruches enge schranken
Die hände fromm vors angesicht geschoben °
Da wurde unvermerkt in die gedanken
Ihm eine irdische gestalt verwoben:

"Sie stand im garten bei den rosmarinen
Sie war viel mehr ein kind als eine maid °
In ihrem haare goldne flocken schienen
Sie trug ein langes sternbesticktes kleid"

Ein schauer kommt ihn an ° er will erschrocken
Dem bild das ihm versuchung dünkt entweichen °
Er gräbt die hände in die vollen locken
Und macht das starke bösemferne zeichen °

In seine wange schießt es rot und warm °
Die kerzen treffen ihn mit graden blitzen °
Da sieht er auf der Jungfrau schoße sitzen
Den Welt-erlöser offen seinen arm.

"Ich werde diener sein in deinem heere
Sei kein andres streben in mir wach °
Mein leben folge fortan deiner lehre °
Vergieb wenn ich zum letzten male schwach"

Aus des altares weiß gedeckter truhe
Flog ein schwarm von engelsköpfen aus °
Es floss bei ferner orgel heilgem braus
Des Tapfren einfalt und des Toten ruhe
Zu weiter klarheit durch das ganze haus.