von Otto Julius Bierbaum (1865-1910) Der Erzbischof von Salzburg, Ein gar ein stolzer Mann, Der liebt die schönen Jungfräulein Und sieht sie freundlich an. Er streichelt sie am Kinne, Thut ihnen gar nit weh, Es herrscht Frau Venusinne Im Schlosse Mirabel, juch …
von Otto Ernst (1862-1926) Herr Dagbrand kämpfte harten Strauß Mit Ungemach und Erdengraus. Die Pest verschlang ihm Weib und Kind, Der Krieg ihm Hof und Ingesind. Und wie er ganz sich arm vermeint, Stahl ihm Verrat den liebsten Freund. Da packt Herrn Dagbrand …
von Otto Ernst (1862-1926) Jan Reimers hatte vor garnichts Furcht. Er rettete damals die beiden Dänen, Ihr wißt wohl – es wollte keiner dran – Er riß sie dem blanken Hans aus den Zähnen. Nun war da die Antje Nissen – ei ja, Die mochte dem starken Jan wohl t …
von Justinus Christian Andreas Kerner Graf Montfort von der Rothenfahn zog über das weite Meer, Bestand so manchen kühnen Strauß zu Sankt Marien Ehr'. Vor eine Königsburg er kam, sie stand in Abendglut, Die Wolken wallten um ihr Haupt, zu ihren Füßen die Flut. …
von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) "O wären wir weiter, o wär' ich zu Haus! Sie kommen, da kommt schon der nächtliche Graus; Sie sind's, die unholdigen Schwestern. Sie streifen heran, und sie finden uns hier, Sie trinken das mühsam geholte, das Bier, U …
von Georg Heym (1887-1912) Die Menschen stehen vorwärts in den Straßen Und sehen auf die großen Himmelszeichen, Wo die Kometen mit den Feuernasen Um die gezackten Türme drohend schleichen Und alle Dächer sind voll Sternedeuter, Die in den Himmel stecken große …
von Wilhelm Brandes (1854-1928) Paddy Fingal war von Riesenart: Sechs Ellen flog sein schwarzer Bart, seine Fäuste waren wie Tonnen groß, einen Mastbaum führt' er als Wurfgeschoß, so ein Kerl war Paddy Fingal! Nun wuchs ein Hüne im Schottenland, der hörte von …
von Ludwig Uhland (1787-1864) Hast du das Schloß gesehen, Das hohe Schloß am Meer? Golden und rosig wehen Die Wolken drüber her. Es möchte sich niederneigen In die spiegelklare Flut; Es möchte streben und steigen In der Abendwolken Glut. "Wohl hab ich es geseh …
von Ludwig Uhland (1787-1864) Droben auf dem schroffen Steine Raucht in Trümmern Autafort, Und der Burgherr steht gefesselt Vor des Königs Zelte dort: "Kamst du, der mit Schwert und Liedern Aufruhr trug von Ort zu Ort, Der die Kinder aufgewiegelt Gegen ihres V …
von Friedrich Leopold Graf zu Stollberg (1750-1819) Sohn, da hast du meinen Speer; meinem Arm wird er zu schwer! Nimm den Schild und dies Geschoß; tummle du forthin mein Roß! Siehe, dies nun weiße Haar deckt der Helm schon fünfzig Jahr; jedes Jahr hat eine Sch …
von Friedrich Leopold Graf zu Stollberg (1750-1819) In der Väter Hallen ruhte Ritter Rudolfs Heldenarm, Rudolfs, den die Schlacht erfreute, Rudolfs, welchen Frankreich scheute und der Sarazenen Schwarm. Er, der letzte seines Stammes, weinte seiner Söhne Fall, …
von Friedrich von Schiller (1759-1805) "Ritter, treue Schwesterliebe Widmet Euch dies Herz; Fordert keine andre Liebe, Denn es macht mir Schmerz. Ruhig mag ich Euch erscheinen, Ruhig mag ich sehn; Eurer Augen stilles Weinen Kann ich nicht verstehn." Und er hör …