Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857) Verschneit liegt rings die ganze Welt, ich hab' nichts, was mich freuet, verlassen steht der Baum im Feld, hat längst sein Laub verstreuet. Der Wind nur geht bei stiller Nacht und rüttelt an dem Baume, da rührt er se …
Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834) Das Feld ist weiß, so blank und rein, vergoldet von der Sonne Schein, die blaue Luft ist stille; hell wie Kristall blinkt überall der Fluren Silberhülle. <br< Der Lichtstrahl spaltet sich im Eis, es flimmert blau und …
Paula Dehmel (1862-1918) Ihr Kinder sperrt die Näschen auf, es riecht nach Weihnachtstorten; Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd und bäckt die feinsten Sorten. Ihr Kinder sperrt die Augen auf, sonst nehmt den Operngucker; die große Himmelsbüchse, seht, tut Ru …
Theodor Storm (1817-1888) Vom Himmel in die tiefsten Klüfte Ein milder Stern herniederlacht; Vom Tannenwalde steigen Düfte Und hauchen durch die Winterlüfte, Und kerzenhelle wird die Nacht. Mir ist das Herz so froh erschrocken, Das ist die liebe Weihnachtszeit …
Theodor Storm (1817-1888) Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll, der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus. Weihnachten war's; durch alle Gassen scholl der Kinderjubel und des Markts Gebraus. Und wie der Menschenstrom mich fortspült, drang mir ein heiser …
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) Bäume leuchtend, Bäume blendend, überall das Süße spendend, in dem Glanze sich bewegend, alt- und junges Herz erregend - solch ein Fest ist uns bescheret, mancher Gaben Schmuck verehret; staunend schaun wir auf und nieder …
Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857) Markt und Straßen sind verlassen, still erleuchtet jedes Haus, sinnend geh ich durch die Gassen, alles sieht so festlich aus. An den Fenstern haben Frauen buntes Spielzeug fromm geschmückt, tausend Kindlein stehn und …
Friedrich Güll (1812-1879) Da guck einmal, was gestern nacht Christkindlein alles mir gebracht: Ein Räppchen, Ein Wägelein, Ein Käppchen, Ein Krägelein; Ein Tütchen Und ein Rütchen; Ein Büchlein Voller Sprüchlein; Das Tütchen, wenn ich fleißig lern', Ein Rütch …
Anna Ritter (1865-1921) Denkt euch - ich habe das Christkind gesehn! Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee, mit gefrorenem Näschen. Die kleinen Hände taten ihm weh; denn es trug einen Sack, der war gar schwer, schleppte und polterte hinter ihm her - w …
Theodor Fontane (1819-1898) Noch ist Herbst nicht ganz entflohn, aber als Knecht Ruprecht schon kommt der Winter hergeschritten,<br< und alsbald aus Schnees Mitten klingt des Schlittenglöckleins Ton. Und was jüngst noch, fern und nah, bunt auf uns herniedersah …
Joachim Ringelnatz (1883-1934) Schenke groß oder klein, aber immer gediegen. Wenn die Bedachten die Gaben wiegen, sei dein Gewissen rein. Schenke herzlich und frei. Schenke dabei, was in dir wohnt an Meinung, Geschmack und Humor, so daß die eigene Freude zuvor …
Paula Dehmel (1862-1918) Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus, Klopft seine lange Pfeife aus Und sagt zur heiligen Kathrein: "Öl mir die Wasserstiefel ein, Bitte, hol auch den Knotenstock Vom Boden und den Fuchspelzrock, Die Mütze lege obendrauf Und schütt de …