von Heinrich Zeise (1822 - 1914) Rufe nicht vergang'ne Tage, Nicht verschwund'ne Zeit zurück; Leb' der Gegenwart und klage Nimmer um entschwund'nes Glück. Liegt die Welt doch vor dir offen, Lenke kühn des Schiffes Kiel! Du sollst kämpfen, dulden, hoffen, Und e …
von Friedrich Rückert (1788-1866) Wenn du willst im Menschenherzen Alle Saiten rühren an, Stimme du den Ton der Schmerzen, Nicht den Klang der Freuden an. Mancher ist wohl, der erfahren Hat auf Erden keine Lust; Keiner, der nicht still bewahren Wird ein Weh in …
von Ferdinand von Saar (1833-1906) Wie lieb' ich es, an Sonntagsnachmittagen Allein zu sitzen im vertrauten Zimmer; Durchs Fenster bricht der Sonne heller Schimmer, Das Buch vergoldend, das ich aufgeschlagen. Die Straßen leer. Es rollen keine Wagen, Des Markte …
von Conrad Prittwitz-Gaffron (1826 - 1906) In raschem Kreislauf wechselt Glück und Leid, Und nirgends siehst du dauerndes Bestehen - Beängstigend ist dieses Kommen, Gehen, Der Pendelschlag der ruhelosen Zeit. Mir graut vor dieses Wechsels Stetigkeit: Des Somme …
von Felix Dahn (1834-1912) Wenn eines Menschen Seele du gewonnen, Und in sein Herz hast tief hineingeschaut, Und ihn befunden einen klaren Bronnen, In dessen reiner Flut der Himmel blaut: Laß deine Zuversicht dann nichts dir rauben, Und trage lieber der Enttäu …
von Theodor Körner (1791-1813) Die Wunde brennt - die bleichen Lippen beben. Ich fühl's an meines Herzens matterm Schlage, Hier steh' ich an den Marken meiner Tage. Gott, wie du willst! dir hab' ich mich ergeben. Viel goldne Bilder sah ich um mich schweben! Da …
von Arthur Fitger (1840 - 1909) Ich prüfte meines Liedes Schwingen Und meiner Harfe vollsten Klang; Dir, Vaterland, dir wollt' ich singen Begeistert hohen Preisgesang. Mir schwoll das Herz, die Seele brannte, Ein lohend Opfer dir geweiht, Und schier zu Thränen …
von Arthur Fitger (1840 - 1909) Du meinst, ich sollte klagen Um dich und deinen falschen Sinn? Feinslieb, ich kann's ertragen, Daß ich so einsam bin. Und wächst kein einzig Röslein auch Auf meines Lebens Dornenstrauch, Ich kann es wohl entbehren; Und Treu' und …
von Arthur Fitger (1840 - 1909) Singend über die Heide Steigen Lerchen empor, Goldige Knospen der Weide Dringen am Ufer hervor. Und der Himmel so wunderblau, Allüberall hellsonnige Schau! Ich und mein Lieb, wir beide Wandeln durch sprießendes Rohr. Kargen Wort …
von Ludwig August Frankl (1810 - 1894) Wenn du ein tiefes Leid erfahren, Tiefschmerzlich, unergründlich bang, Dann flüchte aus der Menschen Scharen Zum Walde richte deinen Gang. Die Felsen und die Bäume wissen Ein Wort zu sagen auch vom Schmerz; Der Sturm, der …
von Julius Hammer (1810-1862) Vertraue Dich dem Licht der Sterne, Beschleicht dein Herz ein bittres Weh; Sie sind dir nah' in weiter Ferne, Wenn Menschen fern in nächster Näh'; Und hast du Thränen noch, so weine, O weine satt dich ungesehn, Doch vor dem Aug' d …
von Berthold Sigismund (1819 - 1864) Du altes, ehrliches Gesicht, Da liegst du nun und kennst mich nicht, Du faltest deine rauhen Hände Zur süßen Ruhe ohne Ende. Behaglich, Alter, liegest du, Wie bei der kurzen Ernteruh', Wenn hinter einem Garbenhaufen Du Dich …