von Theodor Fontane (1819-1898) Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt, ein Reiter vor Dschellalabad hält. "Wer da?" - "Ein britischer Reitersmann, bringe Botschaft aus Afghanistan." "Afghanistan!" Er sprach es so matt; es umdrängt den Reiter die halbe Stad …
von Friedrich Hebbel (1813 - 1863) "Weg das Gesicht! Ich duld' es nicht! Wo ist der zweite Jäger?" So ruft der Graf in zorn'gem Ton, der Alte schleicht betrübt davon, des Forstes bester Pfleger. Das Hifthorn schallt, nun in den Wald! Es ist zum ersten Male, da …
von Friedrich Hebbel (1813 - 1863) Der Knabe träumt, man schicke ihn fort mit dreißig Talern zum Heideort, er ward drum erschlagen am Wege und war doch nicht langsam und träge. Noch liegt er im Angstschweiß, da rüttelt ihn sein Meister und heißt ihn, sich anzu …
von Eduard Mörike (1804-1875) Von Dienern wimmelt's früh vor Tag, von Lichtern in des Grafen Schloss. Die Reiter warten sein am Tor, es wiehert morgendlich sein Ross. Doch er bei seiner Frauen steht alleine noch im hohen Saal: Mit Augen gramvoll prüft er sie, …
von Julius Mosen (1803 - 1867) Zu Mantua in Banden der treue Hofer war, in Mantua zum Tode führt ihn der Feinde Schar; es blutete der Brüder Herz, ganz Deutschland, ach, in Schmach und Schmerz! Mit ihm das Land Tirol. Die Hände auf dem Rücken, Andreas Hofer gi …
von Nikolaus Lenau (1802-1850) Drei Zigeuner fand ich einmal liegen an einer Weide, als mein Fuhrwerk mit müder Qual schlich durch sandige Heide. Hielt der eine für sich allein in den Händen die Fidel, spielte, umglüht vom Abendschein, sich ein feuriges Liedel …
von Nikolaus Lenau (1802-1850) In Schweden steht ein grauer Turm, herbergend Eulen, Aare; gespielt mit Regen, Blitz und Sturm hat er neunhundert Jahre; was je von Menschen hauste drin mit Lust und Leid, ist längst dahin. Der Regen strömt, ein Reiter naht, er s …
von Karl Egon Ritter von Ebert (1798 - 1871) Wo schroff die Straße und schwindlig jäh herniederleitet zum Inn, dort saß auf der mächtigen Bergeshöh am Weg eine Bettlerin. Ein nacktes Kindlein lag ihr im Arm, und schlummert' in süßer Ruh; die zärtliche Mutter h …
von August Kopisch (1799 - 1853) "Wer zerrt so unablässig an dem bestäubten Strang? Was soll der Glocke Läuten, sie hallt, sie gellt so bang. - Wer großes Unrecht leidet, soll hier in seiner Not anläuten diese Glocke, nach unsers Herrn Gebot. Viel Jahre hat si …
von Willibald Alexis (1798 - 1871) Fridericus Rex, unser König und Herr, der rief seine Soldaten allesamt ins Gewehr; zweihundert Bataillons und an die tausend Schwadronen und jeder Grenadier kriegte sechzig Patronen. "Ihr verfluchten Kerls", sprach Seine Maje …
von Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) Ein Krämer hatte eine Frau, die war ihm schier zu sanft und milde, ihr Haar zu licht, ihr Aug' zu blau, zu gleich ihr Blick dem Mondenschilde; wenn er sie sah so still und sacht im Hause gleiten wie ein Schemen, dann …
von Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) Sind denn so schwül die Nächt' im April? Oder ist so siedend jungfräulich Blut? Sie schließt die Wimper, sie liegt so still und horcht des Herzens pochender Flut. " O will es denn nimmer und nimmer tagen! O will denn …